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Pariser Mode : Von alten Mustern befreit

Natürlich wie früher: Giambattista Valli setzt für Moncler auf die gute alte Schönheit. Bild: Helmut Fricke

Nach mehr als einer Woche ist in Paris das Prêt-à-porter zu Ende gegangen. Es bleibt die Feststellung: Die Mode verjüngt, vergrößert, vermarktet sich.

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          Korea! Bislang unterhält Myriam Schaefer, die Designerin der so diskreten wie begehrten Handtaschen, noch kein einziges eigenes Geschäft. Demnächst sollen es gleich vier sein – und alle werden von Korea aus geführt. Die Pläne, die sie für ihr junges Label hat, zeigen, wie sich die Märkte verschieben. Heute muss man nicht nur die Shopping-Landschaft in Paris und New York beackern. Die Ernte wird auch im Fernen Osten eingefahren.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Myriam Schaefer steht an diesem Mittag in ihrer Präsentationswohnung in Saint Germain, aber bald darf sie wieder zurück nach Lugano fahren, in ihre Wahlheimat. „Paris, damit bin ich durch“, meint sie und schaut auf die neuen Ledertaschen, die trotzdem nie nach einer Saison aussehen. „Neu aus der letzten Kollektion“, sagt sie über ein kastiges rotes Modell mit Metallkette und lacht. Früher hat Myriam Schaefer unter Nicolas Ghesquière bei Balenciaga Taschen entworfen. Auch mit ihrer eigenen Marke arbeitet sie marktorientiert, aber eben anders, leiser, diskreter als die Mega-Brands mit ihren Quartals-Kollektionen, gefälligen Accessoire-Linien und limitierten Kaufhaus-Editionen.

          Die neuen Namen kommen an, weil man in Paris ständig nach excitation sucht, weil man die Konkurrenz der Nachwuchs-Städte Mailand und London spürt, weil man nicht nur große Namen kennen und nennen will. Deswegen hängen gerade alle an den Rockzipfeln von Talenten wie Bouchra Jarrar und Jacquemus. Und deswegen ist es kein Wunder, dass am Mittwoch der 34 Jahre alte gebürtige Georgier Demna Gvasalia zum Chefdesigner von Balenciaga ernannt wurde – obwohl sein Label Vêtements, das er mit anderen betreibt, erst dieses Jahr aufgeploppt ist in der öffentlichen Wahrnehmung wie ein Pop-up-Store an der Einkaufsstraße; und obwohl Vêtements Schürzenkleider mit Blümchenmustern macht, im Schritt offene Badeanzüge unter kastigen Jacken, am Rücken geschlitzte Joggingteile. Ein unberechenbar schräger Guerrilla-Designer für eine feine Marke? Mais oui! Pourquoi pas?

          Designer müssen heute dauernd Mode produzieren, nicht zwei Mal im Jahr, sondern vier oder sechs oder zwölf Mal, dabei an immer mehr Märkte denken, an unterschiedliche Klimazonen, gegensätzliche Frauenbilder. Da braucht man neue Ideen. Und man krittelt beim Prêt-à-porter, das am Mittwoch nach mehr als einer Woche zu Ende ging, am System herum. Denn die Geschichte wiederholt sich in Zeiten der postmodernen Mode, also gewissermaßen der Post-Mode, gerne mal als Farce.

          Piratenblusen und Frischhaltefolie

          Die intelligenten Designer haben es begriffen. Alber Elbaz lässt für Lanvin nach der Hardcore-Fashion Souvenir-Kleider mit Logo-Prints auftreten. Jonathan Anderson drapiert bei der LVMH-Marke Loewe um konzernkonforme Bestseller reichlich Frischhaltefolie. Die Sandalen in Schwarz von Hermès halten auch so ein Leben lang, der rote Kontrast-Rand soll sich niemals ablösen. Eine Schau, die, wenn schon nicht meta-textuell, so aber immerhin meta-textil das Ende der Modegeschichte herbeiphilosophiert, ist auch Nicolas Ghesquière für Louis Vuitton gelungen. Die Piratenblusen romantisieren den überraschend rockigen Stil, die skulpturalen Kleider nehmen die Volumenlust Iris van Herpens auf, und die bunten Jacken aus vielen Lederteilen, die zu den herausragenden Stücken der Modesaison zählen, ironisieren en passant auch die neue Lust an Intarsienarbeiten – die wiederum, wie ein Stück im Stück bei Shakespeare, die Haupthandlung kommentieren, in diesem Fall also die Modewelt als halbwegs lustiges Flickwerk entlarven.

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