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Designwettbewerb : Ein TÜV-Siegel für gutes Design

Der Initiator des Red Dot Designpreises, Peter Zec Bild: Ralf Schultheiß

Der Red Dot Designwettbewerb ist längst zu einem internationalen Geschäft geworden. Immer mehr Bewerbungen kommen auch aus Asien. Die Label wollen den roten Punkt als eine Art Gütesiegel für ihre Produkte verwenden.

          Bald wird die Fläche, die das Essener Red Dot Design Museum für die jährlich wechselnde Sonderausstellung bereithält, freigeräumt. Denn es muss Platz gemacht werden für die vielen neuen Ausstellungsstücke, die es geschafft haben, die Designauszeichnung Red Dot Award zu erhalten. Am 8. Juli ist es wieder so weit. Dann wird Peter Zec, Geschäftsführer und Gesellschafter der Red Dot GmbH & Co KG, die Preisträger benennen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Die Kulisse für die Industrieausstellung ist spektakulär. Im früheren, mit Unterstützung des britischen Stararchitekten Norman Foster umgestalteten gewaltigen Kesselhaus der zum Weltkulturerbe erhobenen Zeche Zollverein lässt sich über fünf Stockwerke hinweg die Welt des zeitgenössischen Designs erkunden. Das alte loftartige Gemäuer aus rotem Backstein und Reste gewaltiger Stahl- und Maschinenteile bilden einen spannungsreichen Kontrast zu den Gebrauchsgegenständen, von denen so manche dem Besucher vertraut sein dürften.

          Auszeichnung wird an 80 Produkte vergeben

          Vom Automobil über Haushaltsprodukte, Möbelstücke, Leuchten, Werkzeuge, Spielzeug oder Badewannen bis hin zu Geräten der Unterhaltungselektronik reicht alljährlich das breite Spektrum der Objekte, die sich mit dem roten Punkt schmücken wollen. Auch Drohnen und Gamer-Computer gehörten in diesem Jahr zum Bewerberfeld. Red-Dot-Initiator Zec hat aus dem Designlabel ein Geschäft gemacht. Seine Red Dot GmbH & Co. KG, die den Wettbewerb veranstaltet, beschäftigt 47 festangestellte Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe. Mehr als 5500 Produkte aus 55 Ländern wurden in diesem Jahr für den Designwettbewerb eingereicht.

          In einer 8000 Quadratmeter großen Industriehalle in Mülheim an der Ruhr nahm die 40-köpfige Jury, die mit internationalen Designexperten besetzt ist, die Bewerbungen unter die Lupe. Das Ergebnis: 1549 Entwürfe erhalten einen Red Dot für hohe Designqualität. 80 Produkte werden mit dem „Red Dot: Best of the Best“ ausgezeichnet, der den jeweils Besten in den 41 verschiedenen Kategorien vorbehalten ist.

          Zwischen 270 und 430 Euro kostet die Anmeldung eines Produkts zum Wettbewerb. Bei der Auszeichnung mit einem Red Dot werden 3900 Euro für die Erwähnung im Jahrbuch und auf der Internetseite sowie für die Aufnahme in die Ausstellung fällig. Wollen Unternehmen den Designpreis zu Werbezwecken nutzen, etwa auf der Verpackung, kostet das zusätzlich. Neben dem Red Dot für Produktdesign gibt es auch noch einen Wettbewerb für Kommunikationsdesign sowie einen weiteren für Designkonzepte, der von Singapur aus organisiert wird.

          40 Prozent der Bewerbungen stammen aus Asien

          Mitunter aufkommende Kritik, der Red Dot werde mittlerweile in zu großem Stil verliehen, weist der 62 Jahre alte Zec erwartungsgemäß zurück. „Wir suchen nicht nach Superlativen, sondern geben eine Bestätigung für gutes Design.“ Es gehe um eine Evaluierung, also eine fach- und sachgerechte Bewertung von Design, das er an den Kriterien Funktion, Gebrauchsqualität, Ästhetik und soziale/ökologische Verantwortung festmacht. Im Prinzip sei das Ganze mit dem TÜV-Siegel vergleichbar. „Grundsätzlich kann jedes Auto, das laut den Maßgaben verkehrstauglich ist, die TÜV-Plakette bekommen.“

          Während kleinere Unternehmen den Red Dot als Verkaufsargument sähen, stelle er für größere Anbieter eine Art Selbstbestätigung für die eigene Designabteilung dar, meint Zec, der den „iF Design Award“ aus Hannover als Hauptkonkurrenz sieht. Besonders stark zogen in den vergangenen Jahren die Einreichungen aus Asien an. In diesem Jahr stammten 40 Prozent der Bewerbungen von dort. Seit 2005 gibt es ein Red Dot Design Museum in Singapur. 2018 kam ein weiterer Standort in der chinesischen Sonderhandelszone Xiamen hinzu.

          Die Ursprünge der Essener Designausstellung reichen ins Jahr 1955 zurück. Die erste „Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse“ wurde in der Villa Hügel, dem Stammsitz der Industriellenfamilie Krupp, veranstaltet. Auf Initiative von Krupp wurde der Verein „Industrieform e.V.“ gegründet, um die Qualität im Design auch bei industriellen Produkten zu fördern. Schon damals wurden Auszeichnungen vergeben. Heute ist der später in Design Zentrum Nordrhein-Westfalen umbenannte Verein, an dessen Spitze seit 1991 Peter Zec als geschäftsführender Vorstand steht, Träger des Museums.

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