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Rechte am Design : Wer hat’s erfunden?

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Traditionelle Elemente anderer Kulturen tauchen in der Arbeit nahezu jedes Designers früher oder später auf. Paul Poiret, einer der ersten hauptberuflichen Modeschöpfer überhaupt, kombinierte schon Anfang des 20. Jahrhunderts indische Turbane zu arabischen Haremshosen. Jean-Paul Gaultier ließ sich in den achtziger Jahren von afrikanischer Kleidung inspirieren, John Galliano schwelgte mit seinen Entwürfen in opulenten Vorstellungen von einem – laut eigener Aussage – höchst unrealistischen China. Schwierig wird es, wenn solche Elemente als eigener Geniestreich oder als pittoreske Kostümierung dargestellt werden, wie etwa der heftig kritisierte Federschmuck zu knappen Dessous bei Victoria’s Secret 2012. Die Frage „Ist das ein Original?“ führt im Fall der Bambustasche zur fast philosophischen Überlegung darüber, was in der globalisierten Marktwirtschaft eigentlich als Original gilt: das Design selbst? Oder doch eher die richtige Verkaufsstrategie? Kritiker von Cult Gaia werfen dem Label vor, sich mit dem Kampf um die Ark Bag die Idee eines anderen Kulturkreises aneignen zu wollen.

Die Lust zum Stilbruch

Wie elegant man durch den Parcours zwischen kulturellen Einflüssen, den Ideen anderer und eigener Marken- und Imagebildung tänzeln kann, beweist ein anderes kleines Label. Bonjour Coco heißt es und wurde 2015 in Portugal von Coco Heavy gegründet. Heavy, bekennender Fan von Jane Birkin und des von ihr geprägten, unangestrengten Stils, ließ 2017 jene Strohkörbe wiederaufleben, in denen Birkin einst ihre ganz persönliche It-Bag fand. Die Schauspielerin und Sängerin erstand ihre Körbe vor Jahrzehnten in einem kleinen Fischerdorf an der Algarve. Dort werden die Körbe noch immer ganz traditionell in Handarbeit von älteren Herren hergestellt; drei Tage dauert es, bis ein Korb fertig ist. Und genau dort lässt auch Bonjour Coco produzieren. Geschichte, Tradition und gerade der Gedanke, die Idee und das Handwerk anderer zu bewahren, sind bei dem Label elementarer Teil des Produkts.

Strohkörbe und Bambustaschen sind nicht die einzigen ursprünglich auf Funktionalität getrimmten und später zu It-Bags stilisierten Taschen. Auch Netzbeutel, Ikea-Taschen und Jutebeutel liefen den klassischen Vertretern schon den Rang ab. Das mag am Überdruss durch immer neue Taschen von Luxuslabels liegen, an der Lust zum Stilbruch oder auch einfach daran, dass sich diesen Trends auch mit wenig Geld folgen lässt. Die schlichten Formen und naturbelassenen Materialien passen auch noch perfekt zum Stil der Pariserinnen und der Skandinavierinnen, die sich seit einigen Jahren einen Wettstreit in Sachen anmutiger Entspanntheit liefern, die frau mit Hilfe unzähliger Ratgeber von Garance Doré bis Pernille Teisbæk kopieren kann.

Die Plastiktüte, einer der jüngsten Taschentrends, mutet seltsam antagonistisch zum Bewusstsein für Nachhaltigkeit an, die auch die Mode erobert. Bambus, das charakteristische Material der Ark Bag und all ihrer Vorgänger und Nachfolger, passt dazu schon besser. Die Pflanze wächst in über 1000 Sorten, von zarten Halmen bis zu kräftigen Ästen, wirft jedes Jahr neue Wurzeln und wächst auch ohne Hilfe von Pestiziden enorm schnell. Kein Wunder also, dass sie so vielseitig angewendet wird. Möbel, ganze Gebäude aus Bambus gibt es, auch als Dämm-Material ist die Pflanze beliebt, und dank ihrer stabilen Flexibilität lassen sich aus ihr auch Taschen und Körbe herstellen. Letztere gelten in Japan als Kunstform, der nicht nur das Metropolitan Museum of Art schon eine ganze Ausstellung widmete.

Mit dem noch offenen Streit um die Ark Bag rückt nun nicht nur das Material Bambus, sondern auch Cult Gaia noch stärker in den öffentlichen Fokus. Für das noch junge Unternehmen, das nach dem großen ersten Erfolg nachlegen muss, ist das gar nicht so schlecht. Schließlich ist es dem Label schon jetzt gelungen, sich pünktlich zum Sommer in die Schlagzeilen zu bringen und auf seine anderen Produkte aufmerksam zu machen. Fließende Kleider aus Leinen und Viskose zum Beispiel und runde Taschen aus Bast. Es muss ja nicht immer Bambus sein.

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