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Früherer Dior-Designer : Wer „I love Hitler“ sagt, dem darf gekündigt werden

Seine angebliche Liebe zu Hitler brachte ihn vor Gericht: Designer John Galliano Bild: AP

Rassistische Äußerungen kosteten den Designer John Galliano seinen Job bei Dior. Wegen angeblich widerrechtlicher Entlassung forderte der Brite mehrere Millionen Euro Schadenersatz. Aber daraus wurde nichts.

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          John Galliano ist im Rechtsstreit gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Christian Dior unterlegen. Ein französisches Arbeitsgericht verurteilte den britischen Modedesigner am Dienstag dazu, Dior einen symbolischen Euro zu überweisen. Den gleichen Betrag muss er zudem der John Galliano S.A. zahlen, einer Gesellschaft, die zwar seinen Namen trägt, aber zu Dior gehört. Seine Forderung nach Schadenersatz von 2,4 bis 13 Millionen Euro wegen widerrechtlicher Entlassung wurde abgelehnt.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der 54 Jahre alte Modemacher hatte im Jahr 2011 durch antisemitische und rassistische Äußerungen („I love Hitler“) einen Skandal verursacht. Drogen- und Alkoholkonsum spielten dabei eine große Rolle. Dior, eine Tochtergesellschaft von LVMH, dem größten Luxuskonzern der Welt, entließ ihn daraufhin. Die Anwälte des Unternehmens verwiesen auf die zunehmende Abwesenheit des Designers und unkontrollierte Auftritte. „Wir können Ihr Verhalten nicht tolerieren“, hatte ihm der Dior-Vorstandsvorsitzende Sidney Toledano schon im Dezember 2010 geschrieben. Von der Alkohol- und Drogensucht des Modemachers will die Unternehmensleitung aber nichts gewusst haben. Eine Haushaltshilfe sagte, dass sie Alkohol für ihn kaufen, die Flaschen aber verstecken sollte. Als Toledano und LVMH-Eigner Bernard Arnault Galliano professionelle Hilfe nahelegten, zerriss er angeblich sein Hemd und rief: „Ist das der Körper eines Abhängigen?“

          Der Preis des Erfolgs

          Gallianos Anwältin argumentierte, sein Arbeitgeber sei sehr wohl über seinen Zustand informiert gewesen, habe ihn aber mit immer neuen Aufgaben überschüttet. Galliano erinnerte daran, dass sich die Umsätze in seinen 17 Jahren bei Dior vervierfacht hatten. „Doch dieser Erfolg hatte einen Preis: die Zerstörung meiner körperlichen und mentalen Gesundheit.“ Er gestand ein, dass er es nur mit Valium-Konsum durch die Anproben vor den Schauen schaffte. Bei der Arbeit habe er jedoch vor allem Tee getrunken.

          Der Designer, der nach drei Jahren Abwesenheit nun für die Marke Maison Martin Margiela arbeitet, hat seit seiner Entlassung nun drei Prozesse verloren. Von einem Strafgericht war er wegen der antisemitischen Äußerungen zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt worden. Auch hatte seine Gesellschaft Cheyenne Freedom ihren Prozess gegen Dior verloren, nachdem sie gegen eine unrechtmäßige Beendigung eines Beratungsvertrages geklagt hatte.

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