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David Lauren : Der Kronprinz zwischen Kind und Karriere

David Lauren, hier im Geschäft an der Madison Avenue, lockert die Marke auf. Auch zu offiziellen Terminen trägt er gerne Cowboystiefel und bestickte Hosen. Bild: Helmut Fricke

In diesem Jahr wird die Marke Ralph Lauren 50 Jahre alt. David Lauren treibt das Label seines Vaters schon heute voran. Und er hat ein paar Ideen, wie man die beginnende Krise überwindet.

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          Ein besseres Zeichen für einen selbstironischen Zugang zum Leben kann es kaum geben. Über dem Eingang des Büro-Hochhauses, in dem die Ralph Lauren Corporation sitzt, steht in halbmeterhohen silbernen Lettern: „650 MAD“. Ja, klar, hier ist die Nummer 650 der Madison Avenue in Manhattan, gelegen zwischen der 59. und der 60. Straße. Aber man betritt ein weitverzweigtes Lifestyle-Imperium mit einem Hang zu stilistischem Freisinn. Da darf man sich mal kurz der Illusion hingeben, dass in diesem Haus 650 Verrückte arbeiten.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nichts wäre natürlich verrückter, als so zu denken. Denn erstens arbeiten für die Firma sage und schreibe 26.000 Angestellte in aller Welt. Und zweitens beruht der Erfolg von Ralph Lauren natürlich darauf, dass hier mit kluger Voraussicht und strategischem Scharfsinn Produkte erfunden, hergestellt, vermarktet, verkauft werden. Andererseits ist es wiederum doch zum Verrücktwerden. Denn das Riesen-Unternehmen, eine der bekanntesten Marken überhaupt, ist in die Krise geraten - und das kurz vor dem 50. Jahrestag.

          Wie sieht's also aus bei Ralph Lauren? Da der Mann, der so heißt wie die Marke, zwar ein freundlicher Herr von mittlerweile 77 Jahren ist, aber am liebsten schweigt, fragen wir den zweitwichtigsten Menschen im Haus: seinen Sohn David.

          Zum Vice President befördert - ein klares Signal

          Das passt auch deshalb gut, weil David Lauren gerade zum Chief Innovation Officer ernannt wurde. Im Board, also dem Vorstand, ist er schon seit 2013, zuständig für Online- und Marketingfragen. Aber weil genau diese Themen wichtiger werden und weil sein Vater allen Anteilseignern signalisieren möchte, wer der kommende starke Mann ist, wurde der Fünfundvierzigjährige ein bisschen befördert - und ist jetzt statt nur Executive Vice President ein richtiger Vice President. Für Europäer mag sich das anhören, als ob in Texas ein Sack Weizen umfiele. Aber für die oft überraschend titelhuberischen Amerikaner ist so ein schöner Titel ein klares Signal.

          David Lauren also, um zum Thema zu kommen, ist ein gut aussehender Mann mit besten Manieren, sportlich, schlank, smart, witzig, reich. Er ist verheiratet mit der 32 Jahre alten Lauren Pierce Bush Lauren, der Enkelin des ehemaligen Präsidenten George H. W. Bush und Nichte des ehemaligen Präsidenten George W. Bush, die, wenn sie ihre alten Namen abgelegt hätte, jetzt viel poetischer Lauren Lauren hieße.

          In seinem Büro im soundsovielten Stockwerk residiert David Lauren nicht wie ein frisch beförderter Vice President. Eher wie ein Typ, dem der holzgetäfelte Schnickschnack an der Grenze zwischen Midtown und Upper East Side egal ist, weil er lieber auf der familieneigenen Farm in Colorado unter freiem Himmel grillt. Im Büro trägt er zum Anzug Stiefel.

          Wenn der erste Satz eines Interviews so vielsagend ist wie der erste Satz eines Romans, dann könnten wir das Gespräch schon nach einer Minute beenden. Denn als seine PR-Frau fragt, ob er einen bestimmten Platz beim Interview bevorzuge (was dafür spricht, dass er nicht viele Interviews gibt, sonst wüsste sie's), antwortet er: „I like changing it up a lot.“

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