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Fashion Week in Paris : Alle in der ersten Reihe

Echt schön: Gigi Hadid für Miu Miu beweist, dass nicht nur die Mode, sondern auch das Model eine Aussage haben kann. Bild: AFP

Paris schert sich nicht um Krisendebatten. Das beste Gegenmittel des Prêt-à-porter: solide Kollektionen – und eine Methode, die dem Gigantismus der Luxuskonzerne entgegenwirken soll.

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          Und dann gab es doch noch diese eine Sekunde, als die Designerin wieder in den Kulissen verschwunden war, als der Applaus, die Rufe, die begeisterten Pfiffe verhallt waren – und sich alle nur ansahen, manche einfach nur beglückt, manche mit Tränen in den Augen, erschöpft, überrascht, freudig.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Saison war vorbei, und ausgerechnet die letzte Schau, als wäre es die letzte Rettung, antwortete auf alle Fragen, die Einkäufer und Journalisten und Manager und Designer fünf Wochen lang umtrieben. Die Mode, wie sie ist: Nach einer solchen Kollektion hat sie ihren Sinn, ganz sicher.

          Aber was für ein Gegensatz die Erscheinung der Designerin! Oder besser: die Nicht-Erscheinung. Nachdem sich die Begeisterung gelegt hat, strömen alle nach vorn zu Miuccia Prada, die mit ihrer Linie Miu Miu einen Höhepunkt und den Schlusspunkt der Saison gesetzt hat. Und sie? Verschwindet, stellt sich hinter eine Säule, wo sie kaum jemand sieht, lächelt sibyllinisch – und sagt nichts, außer dass sie nach Miu Miu, anders als nach ihrer Prada-Schau, sowieso nichts sage. Die Mode muss wohl für sich sprechen.

          Und das tut sie mit Boho-Babes, die von drapierten Jeansstoffen über dicke Brokatkleider bis zu glitzernden Blusen einfach alles kleidet. Die Mode ist für Miuccia Prada ein höheres Spiel aus unendlich vielen Referenzen. Da mögen die Aussichten auch für den Prada-Konzern nicht mehr so rosig sein, da mag das Saisonsystem durcheinandergeschüttelt werden, da mag der „Tod der Mode“ von scheintoten Modegurus ausgerufen werden: alles Quatsch, alles Nebensache. Es geht weiter, mit kreativen Explosionen, wie Miuccia sie gleich zwei Mal gezündet hat, vor zwei Wochen in Mailand mit Prada und nun in Paris mit Miu Miu.

          So oder so: In Paris lässt man sich keine Debatten aufzwingen. Burberry-Chef Christopher Bailey meint, die Mode vom Laufsteg müsse sofort im Laden zu haben sein und nicht erst in einem halben Jahr? Pah!

          „Direkt lächerlich“

          „Dieser ganze Diskurs, der kommt mir direkt lächerlich vor“, sagt Karl Lagerfeld nach seiner Chanel-Schau, in der er eine Parade an modernen Klassikern gezeigt hat, stark mit den festen Hüten, heiter mit den wippenden Perlenketten, emanzipiert trotz all der Rosa-Töne. „Dieses System haben wir schon seit Jahren. Das sind unsere Pre-Collections, die nach der Couture gemacht werden und vor den Hauptkollektionen in die Läden kommen: zwei Kollektionen von je 100 Modellen.“

          Recht bunt: Delphine Arnault (in heller Jacke) scheint zufrieden mit der Louis-Vuitton-Kollektion.

          Sie sollen eine Vorschau sein und sind schon in den Läden, wenn die Schau als Marketingmaschine läuft. Und warum preschen jetzt einige Marken voran mit der Forderung „see now, buy now“? „Die hatten nichts anderes anzubieten als das Geschwätz über dieses Thema.“

          Besonders für junge Labels, meint Lagerfeld, wäre die Schnellkonstruktion schwierig: „Wer nicht Hunderte von Boutiquen hat, für den ist das gefährlich. Denn wer weiß schon vorher, was die Einkäufer haben wollen? Wenn man das alles im Voraus produziert, kann man schnell pleitegehen. Die Einkäufer sind ja nicht verpflichtet, die Ware zu nehmen.“

          Teil des Geschehens statt Beobachter

          Der Modeschöpfer setzt lieber auf Überraschungsmomente. Bald fährt er mit vielen Mitarbeitern nach Kuba und veranstaltet dort eine große Schau. Da gibt es keine Chanel-Läden, kaum Kunden, aber was soll’s? Er macht das als eine Art Expedition, „einen Ausflug mit ein paar Freunden“.

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