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Fendi-Chef Pietro Beccari : Der Mann, der Schwächen zu Stärken macht

Kräftige Farben, starke Muster: Modelle aus der Frühjahrskollektion des römischen Hauses Bild: Hersteller

In nur zwei Jahren hat der Italiener Pietro Beccari das Modehaus Fendi von einem Urgestein in eine frische, junge Marke verwandelt. Wie schafft man so etwas?

          5 Min.

          Feierabend im Olymp der Mode: Pietro Beccari, Chef des Traditionshauses Fendi, sitzt an einem Donnerstag im Februar gegen 20 Uhr in einer gemütlichen Sofaecke des Mailänder Bulgari-Hotels. Er verabschiedet sich gerade von Marigay McKee, der Präsidentin der amerikanischen Kaufhaus-Kette Saks Fifth Avenue, die killer High Heels und keine Strumpfhose trägt und noch im Stehen ihr Glas Diet Coke mit Strohhalm leert. Pietro Beccari hat jetzt einige solcher Termine. Es ist der Tag der Fendi-Schau. „Zum Mittagessen habe ich mich mit Karl Lagerfeld getroffen, und Anna Wintour kam an unseren Tisch. Sie sagte, dass ihr die Schau gefallen hat, besonders die Puppe.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zur Erklärung: Fendi-Kreativ-Direktor Lagerfeld, der kein Problem mit Selbstironie hat, schickte am Arm von Model Cara Delevingne eine Puppennachbildung seiner selbst namens „Karlito“ über den Laufsteg. Später, beim Mittagessen, „greift Karl Lagerfeld also in seine Tasche und schenkt Anna Wintour den Karlito“. Beccari lacht. „Aber dann sagt Karl zu ihr: ‚Ich bin das Original.‘“

          Spaß und Coolness

          Die Mittagessensszene erzählt alles, was man über den frischen Wind im Hause Fendi wissen muss. Darin treten auf: der Creative Director, der im nächsten Jahr sein fünfzigjähriges Jubiläum bei Fendi feiert – Lagerfeld. Die nicht unbedingt für ihren Humor bekannte wichtigste Chefredakteurin der Welt – Anna Wintour von der amerikanischen „Vogue“, die über den Witz wirklich lachen kann. Ein Scherzartikel. Und, ach ja, der Mann, der die Strippen in der Hand hält, Pietro Beccari, seit 2012 Chef von Fendi, der es in diesen zwei Jahren geschafft hat, die Marke umzukrempeln, ihr Spaß und Coolness einzuhauchen.

          In der Mode ist das eigentlich nichts Besonderes. Bottega Veneta oder Céline sind nur zwei Beispiele der vergangenen zehn Jahre, die unter der richtigen Leitung wie neugeboren wirken. Für gewöhnlich muss aber der Chefdesigner ausgetauscht werden. Bei Fendi hingegen arbeiten noch viele derselben Leute. Wie also hat Beccari das geschafft? Gut, er versteht es, Geschichten zu erzählen – und sie mit Fakten zu unterfüttern: „Von unserer Peekaboo-Tasche verkaufen wir jetzt doppelt so viele Modelle wie vergangenes Jahr um diese Zeit.“

          Pietro Beccari Bilderstrecke

          Die Peekaboo, ein Raumwunder von einer Tasche, das zugleich furchtbar elegant aussieht, ist dabei keineswegs eine Neuerfindung: Das Modell ist seit 2009 auf dem Markt. Wieso also der plötzliche Erfolg? „Die Leute wollen heute nicht mehr nur eine Tasche kaufen“, sagt Beccari. „Sie brauchen eine schöne Geschichte, darum geht es heute im Luxusbereich – und glücklicherweise hat Fendi ein paar schöne Geschichten zu erzählen.“ Zum Beispiel die hier: Silvia Fendi, Enkelin von Adele Fendi, die im Jahr 1918 ein Geschäft für Pelze und Lederwaren gründete, ist Creative Director, arbeitet also Seite an Seite mit Lagerfeld, und das auch schon seit über 25 Jahren.

          Vor wenigen Saisons war diese Form von Dauer eher ein Nachteil für das Image der Marke, ein bisschen eingestaubt sah sie aus. Aber Beccari ist jemand, der weiß, wie man Schwächen zu Stärken macht. In Zeiten großer Unsicherheit spielt er die Kontinuität an der Spitze der Marke jetzt aus. „Herr Arnault ist nicht nur ein Genie, sondern auch ein ziemlich pragmatischer Mann“, erzählt der Fendi-Chef Beccari wiederum über seinen Boss, den Hüter des Luxuskonzerns LVMH.

          „Arbeit ist meine Religion“

          „Da ich jemand bin, der aus der Kommunikation kommt, bat er mich, dass ich mich auf die Kommunikation, das Produkt, die Geschäfte konzentrieren möge.“ Für den Job bei Fendi ist Beccari, der vor 46 Jahren in Parma geboren wurde, nun nach drei Jahren in den Vereinigten Staaten, sieben Jahren in Paris, wo er zuvor bei Louis Vuitton angestellt war, und zehn Jahren bei Henkel in Deutschland zurück nach Italien gezogen. Er wechselt kurz ins Deutsche: „Mein dritte Tochter ist in Dusseldorf geboren.“

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