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Fendi-Chef Pietro Beccari : Der Mann, der Schwächen zu Stärken macht

Eine Gemeinsamkeit hätten Lagerfeld und er schon mal: „Arbeit ist meine Religion.“ Wie viel muss man also arbeiten, um ein Urgestein von einem Modehaus innerhalb von zwei Jahren so umzukrempeln, dass es frisch und jung wirkt? „Wenn man Erfolg haben möchte, muss man viel arbeiten. Wenn man nur von sich überzeugt ist und sagt: ‚Morgen schlafe ich aus‘, bringt das nicht viel.“

Pink- und Blautöne

Beccari schläft selten aus. „Gegen halb sieben, sieben Uhr morgens sitze ich am Schreibtisch. Dann rufe ich in Japan an, in Dubai, irgendetwas ist immer los. Man sollte kein Idiot sein, aber eine mittlere Form von Intelligenz und ein starker Wille sind eine gute Mischung.“ Beccaris Geist ist groß genug, um seinen Mitarbeitern alle Freiheiten zu geben und dennoch dafür zu sorgen, dass sie genau wissen, was sie für den Chef zu tun haben. „Man muss die Richtung vorgeben“, sagt er. „Festlegen, wie die Markenstrategie aussieht. Anschließend sind die Leute so gut, wie sie sich frei fühlen.“

Dazu muss man sich nur einmal durch die Kollektionen der vergangenen Saisons klicken: Die vom Winter 2011, Sommer 2012 sind ein bisschen schwer. Dann wird Beccari Chef. Zur Frühjahrsschau 2013 verschickt die Marke erheblich weniger Einladungen. Verknappung weckt schließlich Begehren. Aber auch die Kollektion kann sich sehen lassen: Sie spielt mit grafischen Mustern und Pastelltönen, die Pelzjäckchen wirken wie selbstverständlich dazwischen.

Jetzt, für das Frühjahr 2014, sind die Pink- und Blautöne noch kräftiger, die Muster wieder markanter, die „Bag Bugs“, eine Serie kleiner Pelzanhänger, zu denen auch der Karlito gehört, der nun in Anna Wintours Besitz ist, lustig. Es sieht aus, als nehme Beccaris Strategie an Fahrt auf.

Erste Boutique in München

So neu ist die aber gar nicht. Beccari hat, gemeinsam mit Karl und Silvia Fendi, lediglich die Codes der Marke ein bisschen umgeschichtet. Das „FF“-Logo gegen „Fendi – Roma“ ausgetauscht und „FF“, das übrigens für „fun fur“ steht, dabei anderweitig verwendet. „Bevor Karl Lagerfeld 1965 an Bord kam, waren die Pelzmäntel rund und dick. Je dicker, desto besser, hieß es damals. Karl aber sagte: ‚Das ändern wir.‘ Er schnitt aus und fügte die Teile neu zusammen. Er kam auf die ,fun fur‘-Idee.“ Heute haben die Teile wieder ähnlichen Witz. Beccari schielt dabei auch schon auf die Nachkommen der Familie Fendi.

Delfina Delettrez Fendi, erst 26 Jahre alt, zeigt seit 2007 mit einem eigenen, unabhängigen Schmucklabel ein ausgezeichnetes Bewusstsein für Stil. Beccari hat sie kurzerhand für eine erste Schmuckkollektion engagiert. „Das ist doch auch eine gute Geschichte, die man erzählen kann. Sie gehört zur vierten Generation von Fendi-Frauen.“ Da ist er wieder: Beccari, der Geschichtenerzähler. „Delfina ist wirklich sehr kreativ, und sie ist Teil der Familie, also ist es nun Zeit für sie, zurückzukommen und für Fendi zu arbeiten.“

Zurückzukommen? Ist sie etwa schon als nächste Chefdesignerin vorgesehen? „Erst mal ist sie nur für Kooperationen da.“ Wenn Delfina Delettrez Fendi auch eine jüngere Klientel locken soll, dann könnte das Haus mit Ausstellungen wiederum den Massen Zugang gewähren. In München eröffnet jetzt nicht nur eine erste Fendi-Boutique auf deutschem Boden, „Shops sind Kommunikationsinstrumente.

Jeder, der hineintritt, geht mit einem anderen Bild der Marke wieder hinaus“, sagt Beccari. Im Haus der Kunst sind, zeitlich passend, von übernächster Woche an in der Ausstellung „Glory of Water“ auch Bilder von römischen Brunnen zu sehen, die Lagerfeld selbst fotografiert hat. Darunter natürlich der Trevi-Brunnen, den Fendi übrigens nebenbei restauriert. Auch so etwas muss ein Modehaus heute erledigen. Es ist jetzt Viertel vor neun am Abend, Beccari hat hier in der Bar des Bulgari-Hotels, wo die Musik immer lauter wird und die Rocklängen immer kürzer, eine knappe Dreiviertelstunde geredet.

Seine Frau steht schon bereit, um ihn abzuholen. Pietro Beccari erhebt sich also vom Sofa, stellt kurz seine Frau vor und nimmt dann ihre Fendi-Tasche in die Hand, ein Peekaboo-Modell, das sich ja, seit er die Marke leitet, doppelt so gut verkaufen soll wie zuvor. Er trägt sie schon mit einer gewissen Selbstverständlichkeit.

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