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Porträt von Roksanda Ilincic : Sie bleibt

Roksanda Ilincic am vierten Tag der London Fashion Week Women’s am 18. September 2017. Bild: AFP

In ihrer Jugend im zerrissenen Jugoslawien stand Roksanda Ilincic schwierige Zeiten durch. Heute ist sie eine der wichtigsten Londoner Designerinnen. Ihre Lebenserfahrung kann sie in Brexit-Zeiten gut gebrauchen.

          9 Min.

          Im Empfangsbereich des Ateliers hängt ein riesengroßes Foto des Berliner Reichstags im Bauzustand. Drumherum orangefarbene Kräne, an der Kuppel wird noch gearbeitet. Erste Frage also an Roksanda Ilincic, die an diesem sommerlichen Dienstag gerade zur Tür hereinkommt: Was hat der Berliner Reichstag mit ihrer Arbeit zu tun? Die Designerin trägt ein langes Kleid in Gelb mit floralem Muster und Ärmeln bis über die Ellenbogen. Es könnte auch als Abendrobe taugen. Aber Roksanda Ilincic bewegt sich an diesem Vormittag darin ganz selbstverständlich, auch in den spitzen rosafarbenen Ballerinas mit breiten Riemen aus ihrer Kooperation mit Malone Souliers, mit den großen Ohrringen in Gelbgold, die sie selbst entworfen hat, mit der hellblauen Tasche aus ihrer Accessoire-Linie. Die Kollektion für die nächste Saison hängt an Puppen aufgebaut im Flur. Hier hat alles etwas mit Roksanda Ilincic zu tun, jedes Detail ist durchdacht. Selbst die Clutches, die auf Regalen an der Wand stehen, sind so angeordnet, dass sie zusammen aus dem Augenwinkel wie eine Skulptur wirken.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nur das Bild des Berliner Reichstags soll eine Ausnahme sein. „Die ehemaligen Mieter haben von hier aus eine Druckerei für Fotos geführt“, sagt die Designerin etwas verlegen. „Mir gefiel das Bild so gut, dass ich sie beim Auszug gebeten habe, es hängenzulassen.“

          Das Bild soll also kein Signal dafür sein, dass die 40 Jahre alte Modemacherin all die Frauen, die im Berliner Reichstag tätig sind, schon fest im Blick hat. Das Foto erzählt vielmehr davon, wie sich ihr Label allmählich breitmacht, nicht nur in der Wahrnehmung der Menschen, sondern auch in diesem Gebäude, in der vierten Etage des Neubaus am Kanal in Hackney. Hier ging es vor vier Jahren los. Als die Druckerei vergangenes Jahr auszog, übernahm sie auch noch die Kellerräume. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alles dazwischen anmieten“, sagt Ilincic, und es klingt nicht wie ein Scherz.

          Kleider zwischen Tragik und Komik

          Der Grund dafür sind nämlich doch einige Frauen des öffentlichen Lebens, die Roksanda Ilincic so sehr vertrauen, dass sie bei Auftritten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kleid von ihr tragen. Die Beispiele aus den vergangenen paar Jahren lesen sich wie Fußnoten der Weltgeschichte, allerdings oft unfreiwillig komische, so dass man jetzt eigentlich den lachenden und zugleich weinenden Emoticon-Smiley in den Text schalten müsste. Samantha Cameron, die Frau des ehemaligen britischen Premierministers, trug ein Kleid in Dunkelblau mit großem Muster in Rosarot zum Auszug aus Downing Street, nachdem ihr Ehemann in Folge des von ihm selbst angezettelten Brexit-Referendums zurückgetreten war. Melania Trump hielt eine von Michelle Obama abgeschriebene Rede und trug dazu ein Kleid in Weiß mit tulpenförmigen Ärmeln, das ursprünglich für standesamtliche Hochzeiten gedacht war. Die Herzogin von Cambridge wiederum trug kurz nach ihrer Hochzeit ein Kleid in Knallgelb, über das ihr frischgebackener Ehemann Prinz William sagte, sie sehe darin aus wie eine Banane. Es waren allesamt ihre Entwürfe. Nicht dass sich die Designerin auf seriöse Anlässe mit seltsamem Ende spezialisiert hätte: Michelle Obama trug ihre Kleider während der Amtszeit ihres Manns auch auf unspektakulären Staatsbesuchen in Asien.

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