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Porträt von Roksanda Ilincic : Sie bleibt

In London präsentiert Roksanda Ilincic im Septmeber 2017 ihre Kollektion für Frühjahr/Sommer 2018.
In London präsentiert Roksanda Ilincic im Septmeber 2017 ihre Kollektion für Frühjahr/Sommer 2018. : Bild: AFP

Roksanda Ilincic sagt zu diesen Coups, die sie innerhalb von wenigen Jahren in den Mittelpunkt der Mode katapultiert haben, nicht viel. „Ich hatte großes Glück, für solche Frauen zu entwerfen, aber ich entwerfe auch für viele andere.“ Interessanterweise war gerade das Kleid von Melania Trump, das sie sich damals über den Online-Shop Net-a-porter bestellt hatte, ausverkauft, kurz nachdem sie darin aufgetreten war. Jetzt gerade wollen viele Frauen ihre Kleider haben. In diesen Entwürfen scheinen sie sich neu entwerfen zu wollen.

Die Kleider sind nicht irgendwelche Fähnchen. Sie sind meist aus recht dickem Stoff, von innen mit Seide gefüttert, die Röcke mindestens leicht ausgestellt, die Farben oft dominant. Diese Kleider tragen die Frauen so sehr wie die Frauen die Kleider tragen. Man kann sich darin unbefangen bewegen. Unter die meisten passt ein BH. Nummer-sicher-Modelle sind es trotzdem nicht. „Die Aufgabe des Designers ist es doch, den Kleidern eine Seele zu geben und zugleich die kreativen Normen zu hinterfragen“, sagt Roksanda Ilincic. „Ist es feminin? Wie könnte etwas Weibliches auch noch aussehen?“

„Sollen sie mich doch einfach Roksanda nennen“

So hat sie immer entworfen. Die langgezogenen Silhouetten und das colour blocking waren schon ihr Ding, als Frauen noch knielange Kleider trugen und die Farbkombination Orange-Türkis scheuten. Dabei wirken die Kleider genau damit im echten Leben so wie auf Bildern. Sie passen also auch Frauen, die beim handshake mit einem Staatspräsidenten damit rechnen müssen, x-mal fotografiert zu werden. „Ich bin eine Frau und glaube deshalb auch zu wissen, was andere Frauen brauchen. Von dieser Seite gehe ich es immer an: als Frau, die selbst konsumiert und etwas trägt.“ Ihr heutiger Look spricht für sich. „Es geht nicht um irgendeine Phantasie, die ich ausleben möchte, sondern um die Realität.“

Auch wenn die Entwürfe Ilincics der Trägerin einen gewissen Komfort bieten - Nummer-sicher-Modelle sind es trotzdem nicht.
Auch wenn die Entwürfe Ilincics der Trägerin einen gewissen Komfort bieten - Nummer-sicher-Modelle sind es trotzdem nicht. : Bild: AFP

Apropos Realität: Das Handy, das noch in der Handtasche ist, macht sich an diesem Vormittag alle paar Minuten bemerkbar. Es ist nicht der typische langgezogene Ton, wenn eine Nachricht über Whatsapp eintrifft, sondern ein kurzes, leises Biep. Überfluss hat bei dieser Designerin nichts zu suchen, vielleicht mit Ausnahme der Grünpflanzen im Konferenzraum, die den Pflanzen auf der anderen Seite des Fensters durchaus ähneln.

Roksanda Ilincic wählt aus, was in ihrer Welt eine Berechtigung hat. Muss sie vermutlich, mit heute 55 Angestellten. Sogar ihr Nachname fiel der strengen Auswahl zum Opfer. 2005 gründete sie ihr Label Roksanda Ilincic. Zum zehnjährigen Jubiläum verkürzte sie es zu Roksanda. „Händler, Kunden, Journalisten, alle hatten Probleme, meinen Nachnamen auszusprechen. Anfangs habe ich versucht, es ihnen beizubringen. Aber je sicherer ich in meinem Vorhaben wurde, desto weniger hat es mich gekümmert. Sollen sie mich doch einfach Roksanda nennen.“ Das Jubiläum war ein guter Zeitpunkt: Wer den Nachnamen nach zehn Jahren noch nicht auszusprechen gelernt hat, wird es vermutlich niemals können. Ihren Vater fragte sie trotzdem. „Er sagte, er habe nie verstanden, warum ich das nicht von vornherein gemacht habe.“

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