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Porträt Josh Wood : Natürlich blond

Treffen zum Tee: Haarkolorist Josh Wood. Bild: interTOPICS /Rick Pushinsky

Josh Wood ist Haarkolorist. Mit seinen Farben passt er in eine Welt, in der Bilder noch wichtiger werden.

          6 Min.

          Man trifft ihn zum Tee. Josh Wood sitzt auf einem tiefen Sessel in einem Café in Soho. Er gießt sich Milch in die Tasse, nimmt von den Kanapees mit Lachs und Meerrettich, bestreicht einen Scone mit Marmelade und greift zum Schluss dieser feierlichen kleinen Szene auch zu den bunten glasierten Kuchen, die hier den passenden Namen tragen: fancy cakes. Es ist die Tee-Zeremonie der Briten, und Josh Wood ist Brite - einer der vielen Kreativen, die schnell über sich hinauswachsen, die weiter in London bleiben, aber trotzdem auf der ganzen Welt an spannenden Projekten beteiligt sind. Die britische Hauptstadt scheint solche Kreative besonders oft hervorzubringen, häufiger als viele andere Städte der Welt. In den sechziger Jahren ging es los, mit Musikern wie den Beatles, mit Models wie Twiggy, Modedesignern wie Mary Quant und einem Friseur wie Vidal Sassoon. Er war übrigens Josh Woods Lehrmeister. Aber dazu später.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Image der Briten, in Sachen Einfallsreichtum ganz vorne dabei sein zu wollen, hält sich bis heute. Josh Wood ist ein schönes Beispiel dafür. Er ist Haarkolorist, einer der besten und somit auch einer der teuersten. Zu den Modewochen, sagt er, sei er mittlerweile mehr in Mailand als in London tätig. „Sie haben hier kein furchtbar großes Budget.“ Und er sagt, Gastlichkeit sei doch längst mehr als eine Tasse Kaffee. Wood arbeitet mit verschiedenen Floristen und mit Künstlern zusammen. Der frisch gepresste Saft, den er serviert, soll den Haaren zu mehr Glanz verhelfen. Treue Stammkunden bekommen einen eigenen Schlüssel zu seinem sogenannten Atelier in Notting Hill, das wirklich eher ein Atelier als ein Salon ist. Dank diesem Ort und diesem Mann bleiben Frauen wie Elle Macpherson, Kylie Minogue oder Sam Taylor-Johnson blond.

          Wobei der Kolorist der Stars nicht nur an diesem Ort arbeitet. Wohl genauso oft ist Wood unterwegs. Auch in China will man nicht so gerne graue Haare sehen. Oder in Südamerika. Josh Wood reist im Namen der Haarfarbe um die Welt. Nebenbei ist er auch noch Kreativ-Direktor für Farben von Redken, das macht es nicht einfacher. „Vergangene Woche sagte ich zu einem meiner Mitarbeiter: Geh nach Hause und hol Deinen Pass, Du fliegst heute Abend nach New York.“ Ein Spontan-Termin.

          Alles macht er nicht mit

          Josh Wood musste an dem Abend auch nach New York fliegen, aber er quetschte noch eine Kundin in Boston dazwischen. „Als ich dann später in New York meine Arbeit beendet hatte und mich eigentlich auf zu Hause freute, sagte jemand, ich könne jetzt nicht fliegen, Coach wolle noch Farbe.“ Es war gerade New Yorker Modewoche, und er musste mal wieder einer Marke beispringen.

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          Wood ist fast immer ohne Koffer unterwegs. Entweder nimmt sein Team alles mit, oder er schickt das Gepäck vor, oder er lässt die Notfallausrüstung gleich in den Häusern seiner Kunden. Er ist ja eh regelmäßig da.

          Wer diese Hausbesuche bekommt, will er nicht sagen. „Es sind nicht unbedingt bekannte Personen, sondern solche, die nicht in London wohnen, die nicht einfach ein Visum bekommen und reisen können.“ Vorhersehbar seien seine Termine schon. „Im Dezember zum Beispiel bin ich immer auf St. Barth oder in St. Moritz. Oder im Sommer: Südfrankreich, Sardinien. Ich sage Ihnen: Das Schlimmste sind für mich die Boote. Wenn ich irgendwo ankomme, um auf einem dieser Boote einen Termin wahrzunehmen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Boot schon wieder weiter ist. Dann fange ich an, dem Boot hinterher zu reisen. Nach Sardinien weiter über Italien nach Kroatien.“

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