DDR-Möbelhersteller Oelsa : Auf Polstermöbel gesetzt
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Als Export-Betrieb war Rabenau enorm wichtig, weil dort für die chronisch klamme DDR Devisen erwirtschaftet wurden. Da spielte es auch keine Rolle, dass der Betrieb „bei weitem nicht kostendeckend“ arbeitete, wie Käppler sagt. „Die Ware wurde zu Dumpingpreisen in den Westen verkauft.„ Rund 700 D-Mark habe es für eine Polstergarnitur gegeben. „Zuvor mussten wir aber schon für 400 D-Mark Stoff im Westen kaufen.“ Nur wenn es keinen West-Stoff gab, durfte mit einheimischem Material auch für den DDR-Markt produziert werden. Das sei nicht allzu oft vorgekommen.
„Die Materialversorgung war eine Katastrophe“, sagt Käppler. „Es reichte nie. Wir haben den Plan nie erfüllt.“ Der Mangel war gerade in den achtziger Jahren spürbar; mehrmals drohte der Möbel-Export in den Westen daran zu scheitern, dass Kartonagen fehlten, weil die von der DDR ebenfalls in den Westen verkauft wurden. Käppler aber brauchte Kartons, um West-Umsatz machen zu können. Am Ende sorgte die Abteilung Kommerzielle Koordinierung (KoKo) des Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski auf dem kurzen Dienstweg dafür, dass die Kartonagen geliefert wurden.
Kein Knebelvertrag
1990 erwies sich die Ausrichtung der Produktion nach Westen als Vorteil für die Rabenauer – fanden ihre Möbel doch zunächst weiter Absatz. Für Käppler waren es die turbulentesten Jahre seiner Laufbahn. Mit der Währungsunion am 1. Juli stiegen die Löhne explosionsartig. „Das hat uns fast die Luft abgeschnürt“, sagt er. „Aber hätten wir das nicht mitgemacht, wären uns die Leute weggelaufen.“ Dumping konnte er nicht mehr bieten, aber er wollte auch weg vom Billig-Image, zumal der Betrieb weiter rote Zahlen schrieb. Zugleich saß ihm die Treuhand im Nacken, mit der über allem schwebenden Frage, ob sie die Firma überhaupt für sanierungsfähig hielt. „Wären wir dort abgelehnt worden, wär's das gewesen.“
In dieser Lage entschloss sich Käppler zu einem radikalen Schritt: Er kündigte sämtliche Lieferverpflichtungen. „Es war eine Wahnsinnsentscheidung, weil ich nicht wusste, wie wir die Produktion künftig auslasten.“ Zugleich wandte er sich mit seinem Angebot direkt an große Möbelhändler. Schnell hatte er wieder volle Auftragsbücher, zu immer noch günstigen, aber auch kostendeckenden Preisen. Als potenzieller Käufer stand zudem ein Münchner Möbelunternehmen bereit, mit dem Käppler nach dem Mauerfall Kontakt aufgenommen hatte.
Kurz vor dem Vertragsabschluss 1992 aber machte die Firma einen Rückzieher, woraufhin die Treuhand Käppler mitteilte, dass er vier Wochen Zeit habe zu privatisieren, sonst müsse er die Schlüssel abliefern. „Da bin ich mit dickem Kopf nach Hause. Noch 1990 wollten uns mehrere westdeutsche Hersteller übernehmen, aber jetzt, zwei Jahre später, war der Boom vorbei. Keiner hatte mehr Interesse.“
Käppler und zwei Kollegen entschieden sich, die Firma selbst zu übernehmen. Mit 400 Mitarbeitern, rund einem Viertel der einstigen Belegschaft, wagten die drei das größte Management-Buy-out eines einstigen DDR-Betriebs. „Und das als mittellose Ossis.„ Aus einem staatlichen Eigenkapitalhilfsprogramm bekam jeder der drei künftigen Gesellschafter eine Million Mark. Damit gingen sie zur Bank, um Kredite aufzunehmen, die inklusive der Eigenkapitalhilfe zurückzuzahlen waren.