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Pharrell Williams im Gespräch : Der neue Mann

Die Lider hängen schwer, die Lieder gehen leicht: Pharrell Williams wurde vor allem mit „Happy“ und „Get Lucky“ zu einem der erfolgreichsten amerikanischen Popstars Bild: Pilar, Daniel

Kaum jemand bestimmt die Popmusik gerade so sehr wie Pharrell Williams. Ob er über seine Musik, sein Männerbild oder seine Mode für Adidas spricht – stets geht es ihm ums Ganze.

          6 Min.

          Hallo? Dieser Mann soll zum Grundsätzlichen neigen? Zur Umständlichkeit? Sieht fast so aus. Smalltalk mit ihm ist nicht ganz einfach. Wir wollten ihn doch nur fragen, wie er Berlin findet, was man Stars eben so fragt, um nett hineinzukommen ins Gespräch. Es wäre ja auch kein Problem, wenn Berlin nicht seine Lieblingsstadt wäre. Vielleicht will er uns einfach nicht enttäuschen. Pharrell Williams sitzt also da mit schweren Lidern, unbeweglich aufmerksam, nicht einmal die Perlen klimpern. Seine Sätze kommen ans Ziel. Er antwortet lang, nämlich so, nur leicht gekürzt:

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          „Berlin ist eine interessante Stadt. Ich sage immer sofort, wenn mich jemand nach meiner Lieblingsstadt fragt: Tokio, dann Miami, dann Virginia Beach. Mmmh. Nein: Tokio, Miami, Paris, dann Virginia. Wenn ich an Berlin denke, dann steht mir keine Stadt vor Augen. Die Stadt ist so groß. Jedes Mal, wenn ich hier bin, werde ich daran erinnert, wie dreidimensional diese Stadt ist. Berlin fühlt sich ganz anders an als jede andere Stadt, in der ich jemals war. Sie hat ihre ganz eigenen Qualitäten. Und erst jetzt, wo Sie fragen, erkenne ich, warum diese Stadt nie auf meiner Liste war: Ich habe sie nie als Stadt wahrgenommen, eher als Konglomerat aus vielen verschiedenen Formen, Einflüssen, Stilen.“

          Gut beobachtet. Die Stadt ohne Zentrum, die Stadt der zwölf Bezirke, die geteilte, die amorphe Stadt - das alles sieht er, aber anders. Noch ein Versuch, ihm schnell näherzukommen: sein Stil. Er ist gekleidet, als ob er uns viel damit sagen wollte. Es beginnt mit einer Pause.

          „Also, es gibt ein Basisprinzip und drei wichtige Details. Die wichtigste Grundlage ist - man selbst. Man sollte sich kleiden, wie man sich fühlt. Die Kleidung sollte wie Glas sein. Sie sollte zeigen, wer man wirklich ist. Die drei wichtigen Fragen: Wie fühlt man sich, wenn man morgens aufsteht? Wohin geht man? Mit wem wird man zusammen sein? Ich brauche nicht lange, um mich anzuziehen. Aber manchmal drehe ich mich auf der Straße um, gehe zurück nach Hause und ziehe mich um. Weil ich weiß, dass mein Tag verdorben wäre, wenn ich etwas trage, was ich nicht wirklich tragen will. Aber von Mode verstehe ich eigentlich nicht viel.“

          Das passt zu ihm: Für Adidas hat Pharrell die Superstar-Jacke in Nappa erdacht

          Will er jetzt Komplimente fischen? Hat er nicht nötig. Denn Pharrell Williams, 1973 in Virginia Beach geboren als Sohn eines Afroamerikaners und einer Philippinin, war nicht nur Hip-Hopper mit den Neptunes und ein etwas rockigerer Hip-Hopper mit N.E.R.D., war nicht nur Produzent von Nelly, Madonna, Britney Spears, Justin Timberlake, Jay-Z, Daft Punk, er ist auch schon seit den Neunzigern ein Modevorbild für viele, denen 50Cent zu hart und Jay-Z zu weich war. Die rote Trainingsjacke, die dicken Fliegen, die großen Brillen, die bunten Hemden, die Hüte. Der Wildhüter-Hut von Vivienne Westwood, den er im Januar zu den „Grammys“ trug, wurde legendär. Oder?

          „Damit hatte ich nichts zu tun. Die Leute haben auf den Hut reagiert. Und was ist das wichtigste Wort in dieser Reihe, ,Leute’, ,Gefühle’, ,Hut’? Die Leute natürlich. Ich habe den Hut schon vor fünf Jahren bei einer Fernsehshow getragen, aber keinem ist er aufgefallen. Es geht also nicht um mich, es geht um die Leute. Man muss die wichtigsten Variablen erkennen - und das sind die Menschen.“

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