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Kinderklamotten für Erwachsene : Mama, du bist gar nicht peinlich

  • -Aktualisiert am

Die Tochter kann es tragen: Abstraktes Muster in Pink auf Weiß von Macarons, passt. Bild: Macarons

Früher wollten Eltern ihre Kinder anziehen wie sich selbst. Eine neue Erwachsenen-Generation entdeckt jetzt die Marken der Kleinen für sich. Unsere Autorin kann das gut verstehen. Vorbehalte hat sie trotzdem.

          Als kleines Mädchen übte der Kleiderschrank meiner Mutter eine magische Anziehungskraft auf mich aus: Die hohen Schuhe, schicken Blusen und eleganten Handtaschen, am liebsten hätte ich alles gleichzeitig anprobiert. Kurioserweise stehe ich heute manchmal genauso neidisch vor dem Kleiderschrank meiner Tochter und würde ihre gerne etwas abluchsen. Die Sachen sind dummerweise zu klein, sie ist fünf Jahre alt.

          Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich interessiere mich nicht für Hello-Kitty-T-Shirts, die kann sie von mir aus behalten. Aber es gibt tatsächlich ein paar Teile in ihrem Schrank, die ich ohne weiteres anziehen würde: so wie diese Baumwoll-Kleidchen von Bonton, die immer wieder in neuen tollen Farben herauskommen, oder die coolen 10-IS-Sneaker mit Pfauenprint, die ich ihr vor zwei Jahren mal gekauft habe. Ich warte wirklich darauf, dass es von diesen Marken auch etwas in größeren Größen gibt.

          Petit Bateau erkannte Trend bereits in den Neunzigern

          Es sieht so aus, als sei ich nicht die Einzige, die heimlich auf die Mode ihrer Tochter schielt. Inzwischen gibt es einige Kinderlabels, die neuerdings auch Linien für Erwachsene anbieten. So wie die deutsche Marke Macarons oder Bobo Choses aus Spanien. Auch Labels wie Soeur, IKKS, Blune und Yam, die Zweitlinie vom Luxuskinderlabel Bonpoint, haben zuerst Kindermode gemacht, bevor sie mit Erwachsenen beziehungsweise Jugendlichen anfingen. Dabei läuft es in der Regel umgekehrt: Erwachsenenlabels starten irgendwann Kinderlinien, damit die Eltern den Sohn oder die Tochter dann in ein Mini-Me von sich verwandeln können.

          Auch der Mutter stehts: Abstraktes Pink mit Muster von Macarons. Bilderstrecke

          Dass es auch für die umgekehrte Version eine Nachfrage gibt, hat Petit Bateau bereits in den neunziger Jahren erkannt. 1994 fing das französische Label an, Kleider für junge Erwachsene anzubieten, obwohl es vorher auf Baby- und Kindermode spezialisiert war. In den Größen 14 bis 18 Jahre konnten sich von nun an auch erwachsene Frauen einkleiden. Und das taten sie auch, Karl Lagerfeld sei Dank. „Er hatte den Mut, bei einer Modenschau eines unserer einfachen, weißen Unterhemden mit einer Chanel-Jacke zu kombinieren. Seitdem gehört ein Petit Bateau-T-Shirt in jeden Kleiderschrank“, erzählt Carole Caufman, Stildirektorin der Marke.

          Ein Laden für Mutter und Kind

          Der Erfolg von Petit Bateau liegt aber auch ohne Lagerfeld auf der Hand. Wer fühlt sich nicht ein bisschen gebauchpinselt, wenn er ein T-Shirt für 16-Jährige tragen kann? Und ganz nebenbei ist es auch ziemlich praktisch, wenn man als gehetzte Mutter zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann und im gleichen Laden Kleider für sich und seine Kinder findet. Kein Wunder also, dass die Erwachsenen- und Jugendkollektionen inzwischen rund ein Drittel des Gesamtumsatzes bei Petit Bateau ausmachen.

          Kein Wunder auch, dass in Zeiten, da Mütter zugleich eher länger als kürzere Tage am Schreibtisch verbringen, immer mehr Kindermarken genau in diese Richtung denken. Für die Mütter ist es bequem. Und wer die Kunden sind, lässt sich recht mühelos bestimmen. Es sind ja dieselben, die dort ohnehin schon einkaufen, für ihre Kinder.

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