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Verarbeitete Waffen : Peter Zizka kämpft für die Kunst

In seinem Atelier: Der Designer und Konzeptkünstler Peter Zizka musste wegen eines Kunstwerks vor Gericht. Bild: Frank Röth

Der Frankfurter Künstler Peter Zizka wendet sich in seinen Kunstwerken gegen Waffenimporte und Gewalt – und wird ausgerechnet wegen illegalen Waffenbesitzes angezeigt.

          Peter Zizka mag Widersprüche. Er hat Sturmgewehre zu Plastiken verarbeitet, eine hängt an der Wand in seinem schicken Atelier in Frankfurt-Bockenheim. Er hat Wandteller mit Atompilzen bemalt. Und er hat ein Kunstwerk geschaffen, das aussieht wie ein Schlagring.

          Innerlich müsste er aufgewühlt sein, aber Peter Zizka trinkt ruhig einen Cappuccino. Am Vortag ist er verurteilt worden. Das Amtsgericht Frankfurt verwarnte den Siebenundfünfzigjährigen wegen unerlaubten Waffenbesitzes und wegen des Führens einer Waffe. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt; 1000 Euro muss er als Bewährungsauflage allerdings an das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zahlen, falls er nicht in Berufung geht. Ein Witz. Dieses Museum stellt nämlich das Objekt aus, das nach Ansicht des Gerichts eine Waffe ist.

          Aber der Reihe nach. Das mit den Waffen war schon immer ein Ding. Als kleiner Junge erlebte er die Diskussionen am Küchentisch in der Wohnung am Industriehof im Frankfurter Westen. Sein Vater arbeitete beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn, seine Unterschrift konnte relevant sein für Ausfuhrgenehmigungen von Waffen. Der kleine Peter wusste früh, was Heckler & Koch herstellt und was ein G3 ist. „Ich habe noch vor der Musterung den Wehrdienst verweigert.“

          Das Thema zog sich durch. Zizka beackert es im Spiel mit Antagonisten, er bringt Dinge zusammen, die scheinbar nicht zusammengehören. Die Fotos von Landminen auf Kunstharzplatten fügte er zu einer riesigen Bodeninstallation zusammen, die fast wie eine Blumenwiese aussieht. Die Vereinten Nationen in New York stellten das Werk aus, das Auswärtige Amt in Berlin auch. Er montierte eine mobile Krippe mit Plastikfigürchen in eine Schachtel, auf der „iPray“ steht; ihre Funktionsbeschreibung auf der Rückseite führt die gottgleiche Selbstdarstellung von Konzernen wie Apple ad absurdum. Und er hat aus Stahl ein kleines Objekt mit vier Löchern gefräst, durch die man seine Finger stecken kann.

          Strafbefehl am Flughafen

          Sein Atelier liegt in einer ehemaligen Autowerkstatt, die abgerissen werden sollte. Zizka kam vorbei, kletterte über den Zaun, war begeistert. Er kaufte das Gebäude mit Freunden und renovierte es. Heute ist es schön hier, mit großen Fenstern und weiten Fluren. Die Herbstsonne glitzert auf einem kleinen goldenen Objekt. Die Diskussion über Kunstfreiheit und das Waffengesetz dreht sich um diesen vergoldeten Schlagring, der mit einem Zimtstern-Ausstecher statt einer Schlagleiste versehen ist.

          „Schlagende Verbindung“ heißt das Kunstwerk. Eigentlich geht es gar nicht um diesen Schlagring auf der weißen Stele, sondern um dessen Bruder. Der liegt, eingeschlagen in rotes Papier und versehen mit einem Schildchen, in der Asservatenkammer der Frankfurter Polizei.

          Der Gegenstand der Anzeige: das Kunstwerk „Schlagende Verbindung“

          Im Frühling war Zizka zu einer Vortragsreise nach Indien eingeladen worden. Er sollte ein paar seiner Objekte mitbringen, auch die „Schlagende Verbindung“, von der es etwa 50 Ausführungen gibt. Als er in Mumbai aus dem Flieger stieg, klaffte in seinem Koffer ein Loch. Statt des Kunstwerks lag ein Zettel vom Zoll drinnen. Die „Schlagende Verbindung“ war beschlagnahmt worden. Bei seiner Heimkehr erwartete Zizka ein Strafbefehl.

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