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Personal Shopper : Vier Wochen Weihnachten für Frau Bunzel

Besser die Handtasche: Schuhe würde Expertin Eva Bunzel nicht als Weihnachtsgeschenk empfehlen Bild: Pein, Andreas

Wer nicht weiß, was er schenken soll, der kann die Aufgabe delegieren: Der Personal Shopper sucht aus, was unterm Baum liegen soll. Eine Präsentesuche im Berliner KaDeWe.

          Wer zuerst im vierten Stock ist! Auf dem Zugang zur Rolltreppe in die vierte Etage des Berliner Kaufhauses des Westens herrscht an diesem Freitagmorgen um halb zwölf Uhr vormittags Hochbetrieb. Die Plätze auf den Stufen der Rolltreppe sind begehrt. Rechts stehen, links gehen, dieses Prinzip ist hier bedeutungslos. Von links tritt einem jemand auf den Fuß, von rechts wird man angerempelt und schubst selbst ein bisschen mit.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist Vorweihnachtszeit, das wird nicht nur mit einem Blick auf die heimelige Dekoration deutlich oder am Klang der Musik, die in jeder Ecke vor sich hin dudelt. Hey, Santa. Vorweihnachtszeit bedeutet hier vor allem Gedränge um die Plätze auf der Rolltreppe, denn die führt zu den Waren und somit zu den besten Geschenken. Eva Bunzel, Personal Shopperin im KaDeWe, lässt sich nicht stressen. Sie steht völlig entspannt auf dieser Rolltreppe. „Der Trubel gehört dazu. Es wäre doch ganz furchtbar, wenn der ausbleiben würde.“

          „Führen Sie dieses Parfum, das nach gar nichts riecht?

          Aber Bunzel weiß auch, wo die besten Geschenke liegen. Spätestens ab Anfang Dezember wird aus ihr die professionelle Einkäuferin von Weihnachtsgeschenken anderer Leute. Für viele ist das ein Segen und Eva Bunzel ein Engel. Sie schreiben ihr eine E-Mail oder rufen sie an. „Könnten Sie mir den neuen Schirach besorgen?“ – „Führen Sie dieses Parfum, das nach gar nichts riecht?“ Eva Bunzel entscheidet, was bei anderen Leuten unter dem Baum liegt, und „Escentric Molecules“, der scheinbar geruchlose Duft, gehört in diesem Jahr dazu. „Auf der Haut entfaltet er sich so, dass er zu einem passt.“

          Bunzels Job ist es eigentlich, Dinge zu finden, die zu ihren Kunden passen. Zur Vorweihnachtszeit aber muss sie auch für deren Lieben sorgen. „Meine Termine drehen sich jetzt nur noch um Weihnachten, entweder um die Garderobe für das Fest oder um Geschenke.“ Sie zieht also allein los oder hat ihre Kunden gleich mit im Schlepptau. Mindestens zwei Stunden dauert eine Shoppingtour mit Bunzel. Wahrscheinlicher sind drei. Etwa 15 Anfragen bekomme sie in einem gewöhnlichen Monat. „Im Dezember verdoppelt sich die Zahl“, sagt Bunzel. Mehrmals am Tag ist sie jetzt unterwegs im Haus, die Rolltreppe hoch, die Rolltreppe hinunter.

          In die sechste Etage nimmt Bunzel heute den Aufzug. Auch des Trubels wegen. Es ist der letzte Freitag im November, und das Gedränge im Haus verdankt sich auch den Kontoständen der Kunden. Vor wenigen Tagen wurde vielen Arbeitnehmern das Weihnachtsgeld überwiesen. In Amerika nennt man diesen Freitag „Black Friday“, weil die Händler spätestens dann schwarze Zahlen schreiben sollen. Dazu locken die Läden mit besonderen Rabattaktionen. In Berlin ist das Haus auch so voll, ohne große Rabatte. Dass das Geld auf den Konten der Leute angekommen ist, wird auch hier im sechsten Stock deutlich, in der Feinkostabteilung.

          Mit Notizbuch und Handy ausgerüstet

          Bunzel steht zwischen Unmengen von Teeschachteln, es riecht wie in einem Teekontor. Sie deutet kurz auf eine Sorte, Kusmi-Tee, „Detox“, „ist gerade super angesagt“, und öffnet ihr Notizbuch. Bunzel ist informiert, denn ihre Kunden sind es auch. „Ich könnte es mir gar nicht erlauben, irgendwelche Aussagen zu treffen.“ Stattdessen hat sie, die auf jeder Shoppingtour ausnahmslos mit Notizbuch und Handy ausgerüstet ist, Fakten parat. Sie liest vor: „Der Hauptsitz von Kusmi ist in Paris. Gegründet wurde die Marke im Jahr 1867 im heutigen Sankt Petersburg.“

          Nun ist Tee kein Geschenk, auf das man nicht selbst hätte kommen können. Und dennoch weiß Bunzel, welcher Tee angesagt ist und warum: „Er ist im Alltag einsetzbar.“ Beim Schenken gehe es heute immer mehr um Gebrauchsartikel, die zugleich eine Spur luxuriöser sind als jene, die man auch in jedem Supermarkt bekommen könnte. Alltagsverschönerer, die man sich nicht selbst kaufen würde, die man eben geschenkt bekommen möchte. Ein weiterer Alltagsverschönerer, der oft gut ankommt: „Ohrenschützer von Ugg“, sagt Bunzel. „Die Leute sind heute doch viel beschäftigt. Sie haben wenig Zeit und wollen es sich in dieser knappen Zeit so nett wie möglich machen.“

          Überhaupt beruht das Konzept des Personal Shoppings auf dem Mangel an Zeit. Wer mit Bunzel loszieht, spart sich die große Sucherei, er hat meist von vorneherein nicht unendlich viel Zeit. Der Service kostet zwar nichts, aber so baut ein Haus eine gute Beziehung zum Kunden auf, und die ist Gold wert. Kein Wunder, dass das Londoner Luxuskaufhaus Harvey Nichols vor wenigen Wochen ein Twitter-Konto anlegte, mit dem es nur seine besten Kunden über Neuheiten informiert.

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