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Umhängetaschen von Parley : Das Plastik der Meere auf den Schultern

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Aus fünf solcher PET-Flaschen kann Parley eine Tasche herstellen. Bild: dpa

Auf den ersten Blick ist die Parley Ocean Bag nur eine Tragetasche. Auf den zweiten ist sie eine Zusammenkunft von Plastikmüll und Kunst.

          „Wir müssen reden“ – dieser Meinung sind nicht nur junge Klimaaktivisten, sondern auch die Organisation Parley for the Oceans hat der Umweltpolitik einiges zu sagen. Das drückt sich schon in dem Namen aus: Parley – manchen bekannt als der Piratenkodex, auf den sich Elizabeth Swann mit dem „Recht zu Reden“ im ersten Teil von „Fluch der Karibik“ beruft. Den Kodex für Seeräuber gab es tatsächlich: Nach seiner Einführung im 17. Jahrhundert musste ihn jedes Besatzungsmitglied der Piratenschiffe unterschreiben. Allerdings handelte es sich hierbei eher um eine Art Disziplinarrecht oder Arbeitsrecht, als einen Ehrenkodex.

          Die Organisation Parley beraubt niemanden, sondern befreit die Meere von Plastikmüll. Parley arbeitet dafür mit Unternehmen zusammen, die an ihrer Umweltstrategie etwas ändern wollen, hat jedoch auch unabhängig davon zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen, die Strände und das Meer vom Müll säubern sollen. Kürzlich erhielten sie für eine solche Initiative auf den Malediven gar die Unterstützung der Vereinten Nationen. Sie beharren somit nicht nur auf ihr „Recht zu Reden“, sondern haben sich auch zunehmend Gehör verschafft. Parley bezeichnet sich auf seiner Homepage ganz selbstbewusst als „die erste globale Lieferkette für Meeresplastik-Teilchen“.

          Eine künstlerische Tasche aus Abfall

          Parley sammelt das Meeresplastik nicht nur, sondern verarbeitet diese Teilchen zu neuen Produkten, bei denen wiederum auf die Produktion von weiterem Plastik verzichtet werden kann – „Upcycling“ nennt sich dieser Trend in der Wiederverwertungsbranche. Insbesondere Plastikflaschen, die Parley mit seinen Partnern an Stränden einsammelt, dienen als Grundlage für den Prozess. Diese werden von einem der Partner zu Garn verarbeitet, das markenrechtlich geschützt ist und „Ocean Plastic“ genannt wird. Das von der Organisation als „Materialrevolution“ bezeichnete Garn hat vor kurzem zu einer Kooperation mit Adidas geführt: Das Ergebnis war der Turnschuh „Alphabounce“.

          Die Parley-Taschen von Doug Aitken, Walton Ford, Jenny Holzer, Pipilotti Rist, Ed Ruscha, Julian Schnabel, Rosemarie Trockel designt

          Nun hat Parley eine Reihe neuer Produkte aus dem transformierten Plastik auf den Markt gebracht: Umhängetaschen. Nicht nur das Material der Beutel ist interessant, sondern auch ihr Design: Die Künstler Doug Aitken, Jenny Holzer, Julian Schnabel, Walton Ford, Pippilotti Rist, Ed Ruscha und Rosemarie Trockel lieferten den Print für die Oberflächen der Taschen. „Es gibt viel zu viel Plastikmüll im Ozean. Ein bescheidenes Ziel ist, dass bald weniger Einweg-Plastiktüten ins Meer geworfen werden“, sagt der amerikanische Maler Walton Ford. Zu kaufen gibt es die Umhängetaschen nur in dem Onlineshop von Parley oder im MoMa Design Store in New York. Die Organisation versteht sich auch als „aus der Künstlergemeinschaft“ entstandenes Produkt, was an ihrem Gründer, dem deutschen Designer Cyrill Gutsch liegen mag.

          Parley trifft mit dem neuen Material nicht nur den zunehmend umweltbewussten Zeitgeist, sondern auch Unternehmen profitieren durch „Ocean Plastic“ von einem nachhaltigen Image. Gründer Gutsch bleibt in einem Statement auf der Homepage jedoch beharrlich bei seinem Standpunkt, dass das von ihm verwendete Material, Abfallplastik, nur eine Notlösung sei, denn: „Plastik ist der größte Design-Fehler“, so Gutsch. Ziel bleibt daher, Plastik als Produktionsmaterial komplett durch neue, umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen. Bis es soweit ist, widmet sich Parley weiter der Sisyphusarbeit, die Meere von Plastik zu befreien.

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