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Pariser Modewoche : Pushing Maiglöckchen

Twisting, turning: Raf Simons´ Dior-Kollektion ist eine Tour de force durch die Tradition der Marke. Bild: Fricke, Helmut

Dior - der erste Höhepunkt des Prêt-à-porter in Paris und Symbol für die gute Luxus-Konjunktur. Im Hin und Her könnte schon bald die nächste Sensation folgen.

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          Neun Tage Prêt-à-porter - da ist nicht jede Schau ein Treffer. Am Freitag ist es nach verhaltenem Beginn der Modewoche aber doch so weit. Dior lädt am Nachmittag zum Defilee ins große Zelt im Garten des Musée Rodin. Und das Zelt ist bei sommerlicher Hitze nicht einmal ein Zelt, sondern einfach nur ein Gestänge mit Abertausenden Orchideen, Lupinen, Rosen und anderen Blumen, die über dem welkenden Publikum hängen. Hinter dem Grün zeichnet sich der Invalidendom ab, durch die Blüten geht ein angenehmer Wind, und die zurechtgemachten und zurechtgezupften Damen sind, bevor noch das erste Model den Laufsteg betritt, betört vom Blumenduft. Na gut, einige Blumen sind aus Plastik. Aber die anderen duften wirklich.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Bienvenue à Paris! Betörend sind hier nicht nur die schönen Illusionen, sondern auch die harten Zahlen. „Besonders der deutsche Markt entwickelt sich wunderbar, da wird noch was kommen“, sagt Sidney Toledano, der Dior-Präsident, der wohl auf neue Läden in deutschen Städten anspielt. Genauer werden wir es nicht erfahren, weil da schon Valérie Trierweiler steht, die Lebensgefährtin des französischen Präsidenten. Jetzt ist nur noch die Frage zu klären, wer hier wen umwirbt: der Präsident von Dior die Première Dame oder umgekehrt? Vorteil Dior: Denn von Toledano ist nicht überliefert, dass er die Steuerpolitik von François Hollande so klasse findet wie dessen Frau die Marke Dior, von der sie gerade ein tolles schwarzes Kleid trägt.

          Raf Simons enttäuscht sie nicht. Seine dritte Prêt-à-porter-Kollektion für das Haus („twisting, turning, pushing Dior“, wird er später sagen) ist eine anregende Tour de force durch die Tradition, wie man an der abgeschnittenen Jacke „Bar“ sieht; eine spannende Fortführung seiner eigenen Ästhetik, etwa in einem weiten orangefarbenen Sommermantel; und eine kleine Verbeugung vor dem Trend mit schößchenartig hervorbrechenden Plissees in den Glockenröcken, die wiederum auch an Monsieur Diors Leidenschaft für Maiglöckchen erinnern. Um die Zuschauer vollends mit Bildern trunken zu machen, schickt er zum Finale alle Models auch noch in neuen Looks hinaus.

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          Das synästhetische Gesamtkunstwerk wird noch übertroffen vom Staatsschauspiel. Hinter der Bühne sagt die Première Dame später auf Englisch in schönem französischem Akzent, dies sei das einzige Defilee der Woche, das sie besuche: „Es hat mir wunderbar gefallen, très magnifique, deshalb trage ich ja gerade auch Dior. Am schönsten sind die hinten ausgeschnittenen Kleider mit den Volants.“ Könnte es eine bessere Markenbotschafterin in konsumschwachen Zeiten geben? Nicht einmal Zahia Dehar kann da mithalten, die ehemalige Geliebte von Franck Ribéry, die durch ihre Person doch stark vom schönen Hahnentrittmuster ihres Kleides ablenkt, auch nicht das wasseräugige Über-Model Natalia Vodianova, Lebensgefährtin des Sohnes von Bernard Arnault, der über den LVMH-Konzern herrscht, also auch über Dior, also gewissermaßen auch über Frankreich.

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