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Pariser Modewoche : Prêt-à-porter aus dem Hinterhof

Einmal pro Saison von Antwerpen nach Paris: Stephan Schneider ist mit Model und Mode in eine Galerie im dritten Bezirk gekommen Bild: Fricke, Helmut

Deutsche Designer müssen bei der Modewoche in Paris um Anerkennung kämpfen. Das mag an Vorurteilen und am Neid der Franzosen auf den wirtschaftlichen Erfolg liegen. Ein bisschen selbst schuld sind die Deutschen aber auch.

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          Für Andrea Karg ist das fast schon Routine, nach 20 Jahren mit der eigenen Marke, nach zehn Schauen auf internationaler Bühne: mit acht Mitarbeitern von München nach Paris, in den Showroom in einem schönen Hinterhof im dritten Bezirk, die Tage und die halben Nächte durcharbeiten, noch einen Rock kürzer machen, ein Interview geben, ein Model begutachten, Fransen ordnen, Nerven bewahren.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Ein doppeltes Jubiläum also bei der Marke Allude am Samstag in Paris. Da blickt man zurück, vielleicht deshalb auch nach vorn. Man wird gelassener, weitsichtiger, experimenteller. „Paris ist eine Bühne“, sagt Andrea Karg bei schönster Sommerhitze in ihrem Hinterhof, dem eine Palme ein tropischer Bühnenhintergrund ist. „Und wir leben von den Bildern.“

          „Show pieces machen richtig Spaß“

          Für eine Designerin, die mit Kaschmir bekannt wurde, ist der große Auftritt überraschend, denn die Wolle aus dem Fell der Kaschmirziege steht für Zurückhaltung. Italienische Kollegen wie Brunello Cucinelli veranstalten erst gar keine Schauen. Dem Druck zu „show pieces“, die eigens für den Laufsteg entworfen und später nie im Laden zu finden sein werden, verweigern sie sich. Kaschmir lässt sich eben kaum kameragerecht dramatisieren. Andrea Karg hat diese Phase überwunden. „Ich will Maschen sehen, das Garn spüren, opulente Formen erarbeiten. Show pieces machen richtig Spaß.“ Also experimentiert sie, bis man bei einem grob gestrickten Kaschmir-Teil mit lose heraushängenden Fäden kaum noch weiß, ob es ein Pullover oder ein Kleid ist. Ob das eine schöne Münchnerin tragen möchte?

          So experimentierfreudig wie nie: Andrea Karg (rechts) bereitet die Kollektion ihrer Marke Allude vor

          Darum geht es hier nicht in erster Linie. Vielmehr ist Andrea Karg ein Beispiel für immer mehr deutsche Modemacher, die ihre Kollektion beim Prêt-à-porter präsentieren – weil eine solche Schau den Ehrgeiz anstachelt, die Mitarbeiter motiviert, den eigenen Stil weiterentwickeln hilft und über das reine Verkaufsdenken hinausgeht. In Paris kommt es eben oft mehr auf den Schein an als aufs Sein. Die Deutschen, bei denen das meist umgekehrt ist, können hier auch lernen, wie man die globale Bildermaschine, die sich Modeberichterstattung nennt, mit Illusionen füttert, auf dass ein Mythos dabei herauskommt oder wenigstens eine Marke.

          Und so sind sie alle da, angefangen mit den jungen Milden aus Berlin. Sie warten am Freitagabend, bewaffnet mit Kleiderständer, Ideen und einer Bierflasche, auf Gäste im „Berlin Showroom“, der vom Senat gefördert wird. Schmidttakahashi mit „upcycling“-Kleidern aus alten Jeans; Achtland mit ihren wundervoll bestickten Jacken aus Seiden-Lamellen; Vonschwanenflügelpupke mit den witzig bedruckten Tüchern. Einige Journalisten und Einkäufer werden auch kommen. Aber die meisten Gäste sind Deutsche, die man auch in Berlin sehen könnte.

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