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Pariser Modewoche : Valérie dans le métro

Über den Dächern von Paris: Akris zieht grobe Pixel und feine Linien aus der Fotokunst von Thomas Ruff Bild: Fricke, Helmut

So viel Aufwand hat das Prêt-à-porter selten getrieben. So passend war’s auch lange nicht. Zwei Oscar-Preisträger in einer Modenschau – das gibt es nicht einmal in Paris allzu häufig.

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          Die Nebendarsteller – hier haben sie eine Hauptrolle. Zwei Oscar-Preisträger in einer Modenschau – das gibt es nicht einmal in Paris allzu häufig. Umso größer die Begeisterung im Publikum und vor der Tür von Miu Miu am späten Mittwochnachmittag, als Lupita Nyong’o und Jared Leto in den Palais d’Iéna kommen. Da wird sogar Popstar Rihanna zur Nebendarstellerin.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Angeblich sind die beiden Publikumsstars neuerdings sogar ein Paar. Aber hier lassen sie es sich nicht anmerken. Jared erzählt, dass er nur kurz in Paris ist und gleich nach Finnland weiterreist. Lupita freut sich über die Gratulation zu ihrem Oscar-Kleid und bestätigt brav, dass sie „from tip to toe“ in Miu Miu gekleidet sei. Wie sie die Schau fanden? „Wer bin ich, darüber zu urteilen“, fragt Leto, um dann zu urteilen: „Es war wunderschön!“

          Klar, schließlich stammt alles von Miuccia Prada, die ihre Zweitlinie Miu Miu seit Jahren in Paris zeigt. „Ich bin nicht so der Typ für rote Teppiche“, sagt sie zwar lachend nach der Schau mit den typisch mädchenhaften Materialmix-Minikleidern in Bonbonfarben. Aber den Rummel um Lupitas Oscar-Kleid, für das man bei Prada insgesamt drei Monate arbeitete, 450 Stunden stickte und 35 Meter Stoffe verbrauchte, scheint die Modemacherin doch zu genießen. „Es hilft ja auch der Firma und macht den Mitarbeitern Spaß“, sagt die 64 Jahre alte Designerin, die laut frischem Forbes-Ranking mit 11,1 Milliarden Euro reichste Mode-Frau.

          „Valérie! Valerié!“

          All der Aufwand, all die Kosten: Die weiter wachsenden Luxusunternehmen rüsten auf. Vor allem den Asiaten, die an Größe gewöhnt sind, muss man etwas bieten. Chanel bereitet monatelang einen gigantischen Supermarkt vor, in dem die Models betont gelangweilt shoppen gehen. Valentino lässt die allzu dünnen Mädchen in ätherischen Kleidern über den Laufsteg schreiten, die so aufwendig bestickt sind, als ginge es hier um Haute Couture. Und Alessandro Dell’Acqua versucht bei seinem Debüt für Rochas, mit übergroßen Silhouetten, quietschendem Lackleder und klimperndem Kristallbesatz von der Behäbigkeit seiner Entwürfe abzulenken.

          Chefdesigner Christophe Lemaire zeigte in der Pariser Börse seine Kollektion für Hermès. Bilderstrecke

          Aber die Mode bleibt auf dem Boden. Man sieht es schon am Beginn der Prêt-à-porter-Woche mit der Mode für Herbst und Winter. „Valérie! Valerié!“, rufen die Fotografen. Valérie Trierweiler kämpft sich am Musée Rodin durch die Menge, rennt die Rue de Varenne hinunter, biegt rechts ab, die Fotografen kleben an ihr, also hinab in die U-Bahn-Station Varenne, sie zückt ihre Metro-Karte und steigt hinab ans Gleis der Linie 13 Richtung Châtillon-Montrouge. Noch zwei Minuten, bis die Bahn kommt. Also steht sie im Halbdunkeln, lächelt und lässt sich in aller Seelenruhe fotografieren. Die U-Bahn fährt ein – und weg ist sie.

          Viel Straßentaugliches auf den Laufstegen

          War das etwa das eigentliche Finale von Dior? Trierweiler, die sich hier zum ersten Mal in der Öffentlichkeit nach der Trennung von Präsident François Hollande zeigt, hat keine schwarze Limousine mit Chauffeur, in die sie wie Hunderte andere Gäste nach der Schau einsteigen kann. Sie fährt mit der Metro zu Dior und steht für Frauen, die in der Wirklichkeit angekommen sind. Die traditionelle Bar-Jacke des Hauses denkt Raf Simons so um, dass sie nun als Zweireiher mit passender Hose an einem Konferenztisch passend wäre, darüber schichtet er Mäntel, denn wer weiß, ob die Frau anschließend die U-Bahn nehmen muss. Die Kleider sind wattiert, so dass sie vielleicht sogar einen Regenguss überstehen würden, und dennoch mit ihren aufgebauschten Röcken so weiblich wie die Pink-, Orange- und Gelbtöne zwischen dem Schwarz. Die weißen Miederschnürungen der Anzüge sollen an Turnschuhbänder erinnern, klar, so etwas trägt man ja in der U-Bahn. Und die Abendkleider sind verlängerte glitzernde T-Shirts. Da ist es kein Wunder, dass Raf Simons zum Abgang einen Lodenmantel trägt, als müsste er gleich raus in den Regen.

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