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Pariser Modewoche : Dior von Frau zu Frau

Eine Revolution, sowohl auf Stoff als auch auf dem Laufsteg: Mit Maria Grazia Chiuri hat zum ersten Mal eine Frau für Dior designt. Bild: Reuters

Dior ist zwar typisch weiblich, aber erst jetzt hat während der Pariser Modewoche eine Frau ihr Design für das Label vorgestellt. Die erste Kollektion von Maria Grazia Chiuri ist geprägt von starken Frauen.

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          Wenn Aufbauarbeiten so persönlich werden! Es sind die Aufbauarbeiten nach dem Sturm, nach den vielen Rücktritten gestresster Modemacher in Paris. Die ersten Tage des Prêt-à-porter stehen also ganz im Zeichen des Neuanfangs. Anthony Vaccarello zeigt am Dienstag seine erste Kollektion für Yves Saint Laurent. Bouchra Jarrar tritt am Mittwoch bei Lanvin vors Publikum. Und am Freitagnachmittag stellt Maria Grazia Chiuri ihre erste Kollektion für Dior vor.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Termin ist von historischer Bedeutung, weil die italienische Modeschöpferin nun in einer Reihe mit Christian Dior steht – sowie mit Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferrè, John Galliano und Raf Simons, die dem Schöpfer des „New Look“ nachgefolgt waren. Maria Grazia Chiuri, 1964 in Rom geboren, ist die erste Designerin in der Dior-Geschichte – und das bei einer Marke, die so weiblich ist.

          Raf Simons hatte 2012 damit angefangen, Dior in das Hier und Jetzt zu holen. Er gab dem Haus seine Relevanz zurück, ohne dabei die modische Absicht des Gründers zu vergessen. Besonders die Bar-Jacke, mit der Christian Dior nach dem Krieg Schwung in die Mode brachte, hatte es ihm angetan. Im Oktober 2015 trat der belgische Designer überraschend zurück, im Juli wurde Chiuri zu seiner Nachfolgerin ernannt.

          Powerfrauen stehen im Mittelpunkt

          Auch sie hatte schon eine Traditionsmarke entstaubt. Zusammen mit ihrem Designpartner Pierpaolo Piccioli verantwortete sie seit 2008 Valentino. Die beiden, die mehr als 25 Jahre zusammenarbeiteten, sprachen oft von sich in der ersten Person Plural. Nun muss Maria Grazia Chiuri in der ersten Person Singular sprechen.

          Am Freitag, zum Debüt, zeigt sie nur ein paar Bar-Jacken – mehr wären zu einfach gewesen. Aber die Frauen stehen trotzdem im Mittelpunkt. Chiuri macht aus ihnen Powerfrauen in Fechtanzügen, mit passenden engen Hosen und gesteppten Korsagen, mit athletischen Riemen festgezurrt. Als erste Frau bei Dior kann sie sich das erlauben, sie macht sich nichts aus Stereotypen, aus „maskulin“ oder „feminin“, aus „total von gestern“ oder „von morgen“. Diese Korsagen könnten schöne Requisiten der Zukunft sein, sie halten den Körper und sehen zugleich richtig bequem aus. „Was mir heute gefällt: dass Frauen ganz allein entscheiden, was sie kombinieren“, sagt sie Backstage, nachdem sie Hunderte Gratulanten begrüßt hat und von Dutzenden Kameras gefilmt wurde. „Ich schlage Ideen vor, aber die Frauen entscheiden.“

          Intime Abendkleider und Reminiszenzen an vergangene Designer

          Maria Grazia Chiuri hat zwei Paradedisziplinen. Sie versteht es, markante Bestseller-Accessoires zu erfinden. Und sie arbeitet mit aufwendig bestickten Roben oder, in diesem Fall, mit Motiv-Drucken à la Schiaparelli auf so hauchdünnem Stoff, dass sie wie Tattoos anmuten. Viel intimer kann ein Abendkleid nicht sein.

          Wer die Hand durch die Slogan-Taschen mit Riemen schiebt, schmückt sich mit dem Besatz: „J’Adore“, so wie damals Sarah Jessica Parker in „Sex and the City“. „Das gehört doch auch zu unserem Erbe“, sagt Maria Grazia Chiuri. „Es war mir wichtig, nicht nur an Monsieur Dior zu erinnern, sondern auch an alle anderen Designer in der Dior-Geschichte.“ Also auch an John Galliano.

          Vielleicht ist das ihre dritte Paradedisziplin, auch eine Stärke der Frauen: inklusiv zu arbeiten. Wobei die Taschenriemen mit Schmuck über den Handrücken der Models auch an die dicken Ringe erinnern, die Chuiri selbst trägt, natürlich auch an diesem Tag. Und um den Hals trägt sie eine Superwoman-Kette.

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