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Paris Fashion Week : Wo ist Karl Lagerfeld?

Die Leiterin der Chanel-Ateliers, Virginie Viard, nahm den Applaus entgegen – an der Seite der Braut, des letzten Models, wie es üblich ist. Bild: EPA

Zum ersten Mal in seiner Zeit bei Chanel tritt Karl Lagerfeld nach einer Modenschau nicht vor das Publikum. Die Zuschauer im Grand Palais reagieren enttäuscht.

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          Zum ersten Mal in seiner Zeit als Chanel-Designer ist Karl Lagerfeld nach einer Modenschau nicht vor dem Publikum erschienen. Am Ende der Chanel-Haute-Couture-Präsentation am Dienstagmorgen im Grand Palais in Paris nahm die Leiterin der Chanel-Ateliers, Virginie Viard, den Applaus entgegen – an der Seite der Braut, des letzten Models, wie es üblich ist. Anschließend wurde mitgeteilt, der deutsche Modemacher werde nach Ende der zweiten Chanel-Couture-Schau, die für zwölf Uhr angesetzt war, vor das Publikum treten.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Dort zeigte sich dann allerdings auch nur Virginie Viard, die seit Jahren seine engste Mitarbeiterin bei Chanel ist. In einer Durchsage wurde mitgeteilt, Lagerfeld habe sich am Morgen müde gefühlt, daher sei er nicht ins Grand Palais gekommen. In den vergangenen Tagen war er aber laut Chanel im Studio, unter anderem zur Accessoirisation. Noch am Montag hatte er die Kollektion abgenommen.

          In den vergangenen Saisons war Lagerfeld bei Chanel und Fendi jeweils nur kurz nach den Prêt-à-Porter- und Haute-Couture-Modenschauen erschienen. Dabei wurde deutlich, dass dem Fünfundachtzigjährigen das Gehen zunehmend Mühe machte. Er selbst führte das einmal auf eine Ischias-Erkrankung zurück, die ihn wegen seiner Körperhaltung beim Zeichnen plage. Der Modeschöpfer entwirft pro Jahr weit mehr als ein Dutzend Kollektionen und zeichnet jeden Entwurf selbst.

          Karl Lagerfeld und Virginie Viard im Oktober im Grand Palais Bilderstrecke
          Karl Lagerfeld : Auch wegen der Kulissen legendär

          Das Publikum im Grand Palais reagierte am Dienstag enttäuscht. „Das ist schade“, sagte die ehemalige „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel, eine Vertraute des Modemachers, die eigens aus München angereist war. „Denn alle, die zu den Schauen kommen, machen das vor allem, um Karl Lagerfeld zu ehren. Jeder, der rausgeht, wird sich jetzt fragen: Was ist passiert? Warum zeigt er sich nicht? Es war eine phantastische Kollektion, auf der das i-Tüpfelchen fehlte. Aber er hat in seinem Leben schon so viele Ehrungen und Applaus bekommen, da ist das für ihn nicht mehr so wichtig.“

          Die Schauspielerin Liv Lisa Fries („Babylon Berlin“), die zum ersten Mal eine Chanel-Schau besuchte, sagte: „Das ist schade, aber dann freue ich mich einfach aufs nächste Mal.“ Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl, der eng mit Lagerfeld zusammenarbeitet, sagte: „Er lebt sein Leben zunehmend unabhängig. Da muss man nicht mehr jeden Stress mitmachen.“

          Karl Lagerfeld ist seit 1982 Chefdesigner bei dem wohl wichtigsten französischen Modehaus. Schon seit 1965 entwirft der Modeschöpfer, der in Hamburg geboren wurde, auch für das römische Pelzmodehaus Fendi. Seine Chanel-Defilees im Grand Palais in Paris sind auch wegen der Kulissen legendär. Am Dienstag sollte das Setting mit Palmen, Zypressen, einer terrakottafarbenen Villa und einem Wasserbassin an die Riviera erinnern. Eingespielt wurde zuletzt das Lied „Parole, parole“.

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