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Paris Fashion Week : Sorry, das ist Poster-Feminismus

Feministische Sprüche der französischen Aktivistin Claire Fontaine prangen über dem Dior-Laufsteg bei den Pariser Prêt-à-porter-Schauen. Bild: AFP

Die Paris Fashion Week gibt sich emanzipiert. Doch mit markigen Sprüchen ist es nicht getan. Die Modebranche muss sich selbst hinterfragen.

          6 Min.

          Es ist der Tag nach dem Schuldspruch für Harvey Weinstein. Dior hat ein eigenes, goldfarbenes Gebäude errichtet; mitten im Pariser Garten Jardin des Tuileries ragen die matt schimmernden Kanten hinein in einen klar blauen Himmel. Und drinnen sind es Botschaften, die hervorragen, nein: herabhängen, von der Decke nämlich. Blinkende Plastikschilder in der Art, wie sie etwa an amerikanischen Motels oder französischen Apotheken angebracht sind. Die Dior-Schilder tragen allerdings Botschaften, feministische Botschaften. „Patriarchy = CO2“, „Patriarchy = Climate Emergency“, „Women’s love is unpaid labour“ oder „Consent“, um nur einige zu nennen. Gestaltet wurden sie vom französischen Künstlerkollektiv Claire Fontaine.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Allüberall auf der Paris Fashion Week sieht man ausgesprochen zurechtgemachte Menschen sitzen und blitzen. Frauen, die in Selfiecams sprechen oder in sündhaft teuren Outfits am Rande des Laufstegs sitzen, erste Reihe, klar, und ungerührt minutenlang das eigene Spiegelbild in der Smartphonespiegelung checken. Auch das ist eine Realität dieser Fashion Week. „,Women’s love is unpaid labour‘, I love that the most“, sagt eine Frau zu ihrer Zwillingsschwester, gerade haben sie noch in ihrer Instagramstory verkündet, dass sie nun bei Dior sitzen, jetzt unterhalten sie sich über die Ausstellung. „It’s so true that women love so strongly“, sagt ihre Schwester. Sie nicken andächtig.

          Eigentlich bezieht sich das Zitat auf einen Text von 1975, Silvia Federici schrieb über unbezahlte Hausarbeit von Frauen – und dass eben, wenn sie mit dieser Arbeit aufhörten, meist ihre Liebsten davon betroffen seien, weil sie für sie arbeiteten. Das ist in der Broschüre, die jeder Besucher auf seinem Platz findet, erklärt.

          Wo ist die Verbindung zu den feministischen Postersprüchen?

          Feminismus ist im Mainstream angekommen, schon lange. Maria Grazia Chiuri hatte die Message auch vorher in den Modeäther – und damit in die Welt – gepustet. Sie ist eine der Hauptverantwortlichen für die Welle der feministischen Shirts in den letzten Jahren. „We should all be feminists“ (nach Chimamanda Ngozi Adichie) stand auf der Dior-Version, oder: „Sisterhood global“. Das sind alles gut gesagte oder gedruckte Sätze, freilich. Wie emanzipiert, wie feministisch ist aber das Frauenbild, das die Designer in Paris zeichnen, im Jahr 2020, in der Herbst-Winter-Kollektion?

          Erst einmal ist da Dior. Nachdem Model Ruth Bell mit Kurzhaarfrisur und schlicht geschnittenem, schwarzem Anzug als Erste den Laufsteg betritt, wird es auch schon wieder langweilig – und klassisch feminin. Very Seventies, die Kopftücher und Stirnbänder und wallenden Kleider und Karomuster-Röcke. Doch die Frauen, die Chiuri auf den Laufsteg schickt, sind in etwa so divers wie, nun ja, ein Modelcast. Soll heißen: Dankenswerterweise ist es auch in Paris inzwischen vollkommen normal, Models of Colour zu zeigen – und da hört es auch schon auf. Sie sind alle gertenschlank und hübsch und feminin, in Kombination mit einem ultrakurzen Karorock wirkt das angepasst und nicht besonders einfallsreich – auch wenn viele Stücke, gerade die Hosenanzüge, wirklich schön gemacht sind. Aber wo ist die Verbindung zu den feministischen Postersprüchen?

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