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Weihrauch als Parfüm : Alter Duft, neu entdeckt

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Günstiger Rohstoff

Angesichts dieser Geschichte ist es also beinahe verwunderlich, dass der rauchige Duft, der wie kaum ein anderer die Gegensätze von Verführung, Heiligtum, Vergänglichkeit und Zeitlosigkeit in sich vereint, erst in der Moderne – und besonders seit wenigen Jahren – wieder wichtiger wird.

Für Parfums wird in der Regel ätherisches Weihrauchöl verwendet, das aus dem Harz destilliert wird. Dabei unterscheidet sich das klassische, arabische Öl mit seinem balsamisch-süßlichen Duft vom indischen Öl, das frischer riecht. Mit einem Preis von etwa 150 bis 200 Euro pro Kilo ist es als Rohstoff für Parfums sogar verhältnismäßig günstig. Zum Vergleich: Echtes Oud kostet bis zu 30.000, Rosenessenz bis zu 10.000 Euro pro Kilo.

Größeren Parfumhäuser mit Weihrauchdüfte

Schon 1933 wurde im Hause Creed mit „Angelique Encens“ eines der ersten modernen Weihrauchparfums kreiert - passenderweise für die enigmatische Verführerin Marlene Dietrich. Bis es aber markttauglich wurde, sollten noch einige Jahrzehnte vergehen. Denn erst mit Calvin Kleins „Obsession“, Etros „Messe de Minuit“ und Serge Lutens „Encens et lavande“ wurde Weihrauch in den achtziger und neunziger Jahren für ein größeres, wenn auch noch immer kein Massenpublikum, tauglich.

Der intensive, warme Duft von Weihrauch ist, wie Whisky mit seinen vielen Geschmacksschattierungen, noch immer eine Art Liebhaberstück für die Nase, für das nun immer mehr einen Sinn entwickeln. Meist ist der Duft opulent, warm und rauchig und duftet lange intensiv nach – in orientalischen Variationen. In Kombination mit blumigen oder zitrusartigen Noten wirkt er hingegen schon fast wieder frisch. Serge Lutens etwa greift immer wieder auf Weihrauch zurück, vor allem bei Düften, die er als etwas sehr Persönliches sieht und die ihn an seine eigene Vergangenheit erinnern, wie in den vergangenen Jahren „De Profundis“, „L’Orpheline“ oder „L’Incendiare“.

Auch bei den größeren Parfumhäusern finden sich Weihrauchdüfte in den höherpreisigen Editionen, wie etwa bei Cartiers „L’Heure Mystérieuse XII“, Annick Goutals „Les Orientalistes Encens Flamboyant“ oder Armani Privés „Bois d’Encens“, das für den Designer Giorgio Armani eine Erinnerung an seine katholische Kindheit in Italien ist.

Mittlere Osten vor China

Gemeinsam haben diese Düfte nicht nur ihre Opulenz, sondern auch, dass sie fast alle für Männer und Frauen gleichermaßen geschaffen wurden, weil sich der Weihrauch in der Basis so schön an den Träger anpasst. So passen die Düfte wunderbar in den nicht enden wollenden Unisex-Trend, der von der Wahl des gleichen Uhrenmodells für Männer und Frauen, über die Mode bis in die Schönheit reicht.

Und weil Weihrauch so alt und zugleich neu und international bekannt ist, somit Orient und Okzident verbindet, kann man es vielleicht sogar als eine Art olfaktorische Lingua franca sehen. Denn natürlich räumen viele Dufthäuser jetzt schweren, rauchigen Parfums so viel Platz ein, weil gerade ein paar Westeuropäer so riechen wollen, sondern auch weil die Araber, ein nicht unerheblicher Teil der Klientel teurer Parfums, diese ebenfalls bevorzugen.

„Der Einfluss orientalischer Gerüche hat sich in den vergangenen Jahren immens vergrößert, auch, weil der arabische Raum zu einem der größten Märkte für Luxusparfums geworden ist“, erzählt Le Febvre. Wegen der wirtschaftlichen Entwicklung in Asien liegt der Mittlere Osten bei Luxusdüften sogar noch vor China.

Sehnsucht nach dem heiligen Duft

Aber dass besonders Weihrauch jetzt als Duft wieder populär wird, lässt sich womöglich auch mit unserer Sehnsucht nach etwas Beständigem erklären: „Vielleicht suchen die Menschen immer mehr nach etwas, das eine Geschichte hat, und das hat Weihrauch“, sagt Le Febvre.

Doch auch dieser Rohstoff - so wie die meisten Rohstoffe der Luxusindustrie - ist durch äußere Faktoren bedroht: Laut einer Studie der niederländischen Universität Wageningen könnte sich der Bestand von Weihrauchbäumen im Mittleren Osten und um das Horn von Afrika in den kommenden 50 Jahren um 90 Prozent verringern - durch Feuer, durch Schädlinge und nicht zuletzt durch die intensive Beerntung der Bäume. Wahrscheinlich wird gerade das aber die Sehnsucht nach dem heiligen Duft umso mehr beflügeln.

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