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Mit allen Sinnen: Die Skulptur der Siegesgöttin Nike steht im Louvre. Den Duft dazu hat Buly 1803. Bild: Hersteller

Frische Düfte für alte Werke : Die Göttin riecht nach Bergamotte

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Acht namhafte Parfümeure aus dem Hause Buly haben Kunstwerke aus der Sammlung des Louvre olfaktorisch interpretiert. Bergamotte, Myrrhe und Weihrauch geben dem Antlitz der alten Meisterwerken eine sinnlich duftende Aura.

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          Der Figur einer geflügelten Göttin, die ein durchsichtiges Gewand trägt, das den marmornen Körper umweht, begegnet man unweigerlich auf den Stufen hinauf zu den wertvollsten Schätzen des Louvre in Paris. Hätte diese Göttin nicht nur ein Antlitz, sondern auch eine sinnliche Aura, einen Duft, so wäre dieser vielleicht eine kräftige Prise frischer Bergamotte, unter der sich, noch den Schweiß des Kampfes tragend, eine Note warmer Myrrhe verbirgt. Ein Duft, der Sieg verkündet und Frieden einläutet.

          So soll die Nike von Samothrake riechen, die griechische Skulptur im Louvre. Den Duft – und den weiterer sieben Werke aus dem französischen Nationalheiligtum – gibt es bis Dezember nicht nur dort zu erleben, sondern, konkreter, im Museumsshop zu kaufen. Die Parfums, Duftsteine, parfümierten Postkarten und Seifenblättchen sind in Zusammenarbeit mit dem Parfumhaus Officine Universelle Buly in limitierter Auflage entstanden.

          Acht namhafte Parfümeure durften unter der Leitung der Duftmanufaktur ein Werk aus der Museumssammlung wählen und olfaktorisch interpretieren, darunter „Die große Odaliske“ von Jean-Auguste-Dominique Ingres in einer Wolke aus Weihrauch und rotem Pfeffer sowie die Venus von Milo, umhüllt von Jasmin, Neroli und Magnolie.

          Mit einer Obsession für die Belle Époque

          Buly 1803, so die Kurzform des Dufthauses, ist dabei nicht, wie es der Name vielleicht suggeriert, so alt wie der Louvre. Die Marke wurde vor gerade einmal fünf Jahren von Ramdane Touhami und seiner Partnerin Victoire de Taillac gegründet. Sie schufen Patina, wo gar keine Geschichte war. Betritt man die Boutiquen der Pariser Manufaktur, so fühlt man sich zwischen den massiven Holzschränken, Marmorbechern und Porzellantiegelchen in ebenjenes Paris der Belle Époque versetzt, in eine Wunderkammer mit handgefertigten Bürsten, Kämmen und Schönheitstinkturen.

          „Die Badende“ von Jean-Auguste-Dominique Ingres als parfümierte Karte von Buly 1803.
          „Die Badende“ von Jean-Auguste-Dominique Ingres als parfümierte Karte von Buly 1803. : Bild: Hersteller

          Jeder einzelne Flakon ist mit Kunstdrucken und personalisierter Kalligrafie versehen. Auch die botanischen Rezepturen der Salben und Parfums sind eine Hommage an den Namenspatron Jean-Pierre Bully. Im 19. Jahrhundert gehörte er zu den renommiertesten Parfümeuren und Apothekern. Er soll Inspiration für Honoré de Balzacs César Birotteau gewesen sein.

          Ramdane Touhami selbst war vieles, bevor er seine „Phantasie von Paris“, wie er Buly 1803 nennt, gründete: Schulabbrecher, Obdachloser, T-Shirt-Label-Begründer, Esel-Poloclub-Besitzer, Fernsehmoderator, Kreativdirektor. Er verantwortete die Herrenabteilung des Londoner Konzeptkaufhauses Liberty, arbeitete in den Neunzigern mit den Designern Jeremy Scott und Marc Jacobs zusammen und verhalf der alten königlichen Wachsmanufaktur Cire Trudon zu neuem Glanz. Bei dem Kerzenmacher entbrannte dann vielleicht auch seine Obsession für das Paris der Belle Époque. Und für Düfte. Die Statue der Nike von Samothrake als Parfum aus Bergamotte und Myrrhe ist dafür ein schöner Beleg.

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