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Pantone „Classic Blue“ : Eine Farbe, die sich fast wie eine Wahlempfehlung liest

Sehnsucht nach Ruhe: Der Farbton „Classic Blue“ findet sich im Nachthimmel Bild: EPA

Pantone hat „Classic Blue“ zur Farbe des Jahres ernannt. Was bedeutet das für 2020?

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          Für Designliebhaber und Modefans ist die „Farbe des Jahres“ von Pantone so etwas wie das Horoskop für das kommende Jahr: nach nicht ganz nachvollziehbaren Methoden ermittelt, seltsam beschrieben und inhaltlich äußerst interpretationsoffen. Für 2020 erklärte das amerikanische Pantone Color Institute die Farbe „Classic Blue“ zum Farbton, der den Zeitgeist trifft.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Wenn man der Begründung des Farbsystemanbieters glaubt, erfüllt dieses Blau die Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und geistiger Klarheit. Der Farbton rege zum Nachdenken an und unterstreiche den Wunsch, die Zukunft auf ein  zuverlässiges und stabiles Fundament zu bauen. Das neue Jahrzehnt steht also im Zeichen klarer Besonnenheit, und die ist „klassisch blau“.

          Zwischen Yves Klein und Picasso

          Und wie sieht dieses „klassische Blau“ nun aus? Eine Spur dunkler als der Farbton, den Yves Klein auf seine hypnotischen Monochrom-Gemälde auftrug, und eine Spur freundlicher als Picassos „Blaue Periode“. Irgendwo zwischen den blauen Kuppeln auf einer griechischen Insel und dem Himmel in der Abenddämmerung. Ein Ton also, der auf mittelalterlichen Gemälden den Gewändern der Gottesmutter vorbehalten war – und der damals noch aus gemahlenem Lapislazuli hergestellt werden musste und damit sogar teurer war als Gold.

          Solide und zuverlässig: Der Blauton findet sich sowohl in der EU-Fahne, als auch bei den amerikanischen Demokraten.

          Ein kleines Vermögen kann man auch ausgeben, wenn man sich in der neuen Farbe des Jahres einrichten will. Da der Farbton aus einer Trendanalyse hervorgehen soll, stehen die Möbelhersteller und Schönheitsfirmen schon Minuten nach der Bekanntgabe mit ihren blauen Produkten bereit, um als erste die soeben verkündeten Konsumlücken zu schließen. In Newslettern preisen sie also blaue gepolsterte Essstühle (Essential Home), minimalistische Sideboards (made.com), Kopfhörer (Bang & Olufsen) und Koffer (Horizn Studios) an. Kleider in dem dunklem Blau waren auf dem Laufsteg aus Samt bei Balanciaga und aus Wolle bei Marni zu sehen, Marc Jacobs hatte einen Mantel in dem Ton fürs Frühjahr im Angebot, und bei Simone Rocha zierten zarte dunkelblaue Blumengirlanden einen Entwurf.

          EU und Demokraten liegen farblich schon im Trend

          Auch ins Badezimmer-Regal dringt „Classic Blue“ vor, obwohl manche aus den neunziger Jahren noch traumatisiert sind von blauen Lidschatten (dank Internet wird der Look in Kombination mit dunklem Lippenstift bei Christina Aguilera und Cameron Diaz wohl nie in Vergessenheit geraten). Heute wagt das Blau einen zweiten Anlauf und kommt eleganter daher: als kobaltblauer Lidschatten (Nars) mit Flitterpartikeln (MAC Cosmetics) sowie als Mascara (Yves Saint Laurent) und Lippenstift (Gucci).

          Um farblich im Trend zu liegen, müssen sich in diesem Jahr übrigens einige Institutionen aus Politik und Wissenschaft gar nicht erst umstellen. So ist „Classic Blue“ die Farbe der EU-Fahne, des „Blue Astronaut Flight Suit“ der Nasa und auch die der Demokraten in Amerika.

          Selbst wenn Pantone beteuert, mit seiner Farbwahl keine politischen Aussagen treffen zu wollen, so liest sich die Aussage „dies ist ein solides und zuverlässiges Blau, auf das man sich verlassen kann“ fast schon wie eine amerikanische Wahlempfehlung für den Herbst.

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