https://www.faz.net/-hrx-9hdv2

Pantone-Farbe 2019 : Die Zukunft wird korallenrot

Stella McCartney entwarf gleich ein komplettes Outfit in dem leuchtenden Orangeton. Bild: Reuters

Das Farbforschungsinstitut Pantone hat die Trendfarbe für das kommende Jahr bekannt gegeben. Was der Trend „Living Coral“ über unsere Gesellschaft aussagt.

          Haben Sie schon jetzt genug vom grauen Dezemberwetter? Dann freuen Sie sich auf das neue Jahr, da wird Ihnen, wohin Sie auch blicken, der Farbton „Koralle“ ins Auge springen. Das kündigt zumindest der Farbsystemanbieter Pantone an. Demnach heißt die Trendfarbe für 2019 „Living Coral“ und soll „ein anregendes und lebensbejahendes Orange mit goldenem Unterton“ sein.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Alles nur Marketing von Möbelherstellern und Designunternehmen? Nicht ganz. Mehr als ein halbes Jahr reisen die Pantone-Mitarbeiter um den Globus und schauen sich die Farbtrends in der Filmbranche, der Mode, dem Design, bei Reisezielen und auch in der Kunst an. Hielt man also in den vergangenen Monaten die Augen offen, so konnte man das Korallenrot bereits auf den Modenschauen für das kommende Frühjahr entdecken. Hermès hat Ledertaschen in der Farbe gezeigt, Versace, Marni, Stella McCartney oder Giambatista Valli verarbeiten leuchtende Spitze oder entwarfen ganze Kleider in dem Ton. Und wie sich Korallenrot in der Inneneinrichtung macht, können seit einigen Monaten Besucher der neuen Philharmonie im Dresdner Kulturpalast bewundern.

          Warum ist der Ton aber gerade jetzt so beliebt? Pantone versucht es mit folgender Erklärung: „Inmitten des Ansturms digitaler Technologien und dem immer weiter ansteigenden Einfluss von Social Media auf unseren Alltag sehnen wir uns nach Authentizität und intensiven Erfahrungen, die uns Verbindung und Vertrautheit ermöglichen.“ Der Farbton schenke Wärme, „damit wir uns mit Behagen und Elan durch unsere sich ständig verändernde Umwelt bewegen können“.

          Trendsetterin: Schauspielerin Claire Foy zeigte bereits beim Filmfestival in Venedig, dass sich korallenrot auch gut mit pink kombinieren lässt. Bilderstrecke

          Der Gedanke, dass Korallen uns auf mystische Weise Schutz versprechen, ist nicht neu. Bereits in der Antike trug man Korallenamulette, um sich vor Krankheiten zu schützen. Im Mittelalter fügte man gemahlene Korallen allerlei Heiltränken bei. Und in der Renaissance kam der Glaube auf, dass Korallen besonders Kinder vor Unheil schützen – in der Malerei jener Zeit findet sich das in Darstellungen des Jesuskindes mit Korallenast oder -kette wieder.

          Interessant ist an der Begründung der Trendforscher für unsere heutige Zeit, dass sie zwischen den Zeilen die Sehnsucht nach der Natur beinhaltet. Bereits vor zwei Jahren hatte Pantone mit dem Farbton „Greenery“ (also „Grünzeug“) den wachsenden Wunsch zum Natürlichen festgehalten. Nun also ein Farbton, der für das Leben im Meer steht – dessen Lebensraum durch den Klimawandel jedoch akut bedroht ist. Am Great Barrier Reef vor Australien ist es in zwei Jahren nacheinander zu einer großflächigen Korallenbleiche gekommen, von der sich die Lebewesen nur schwer erholen können. Und auch andere Korallenriffe im Pazifik sind von der Erwärmung des Wassers bedroht. Vielleicht könnte der Koralleton im kommenden Jahr also auch daran erinnern, dass bei allen Wünschen nach einem Rückzug zur Natur, diese erhalten werden muss. Immerhin heißt die Farbe ja ganz zweideutig „Living Coral“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rob Nail, Mitgründer der Singularity University, bei einem Vortrag in Mountain View

          Denken wie bei Google : Von wegen Silicon Berlin!

          Die private Singularity University ist im Silicon Valley ein Riesenerfolg. In Berlin aber bekam sie kein Bein auf die Erde. Warum nur?

          Frankfurter Europapokal-Gala : Die Eintracht im Herzen Europas

          Trotz des Ärgers vor dem Spiel trägt die elektrisierende Stimmung die Frankfurter in die nächste Runde der Europa League. Kevin Trapp hat noch „nie so etwas Lautes gehört“. Besonders beeindruckend wird es im Stadion nach der Partie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.