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Möbeldesigner Otto Zapf : Auf dem letzten Entwurf blieb er sitzen

Hauptsache bequem: Otto Zapf in seinem Office Chair von 1974 für die Firma Knoll International Bild: Frank Röth

Mehr als 60 Jahre lang entwarf Otto Zapf Möbel in der Nähe von Frankfurt. Einige seiner Stücke wurden zur Berühmtheit – doch seine letzte Idee bleibt unvollendet.

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          Bis zuletzt tüftelte Otto Zapf am perfekten Sitz, mit dem er der „Volkskrankheit Rückenschmerzen" zu Leibe rücken wollte. Zehn Stühle habe er fix und fertig entwickelt, sie warteten nur darauf, in Produktion zu gehen. Sein Grundgedanke: Der Stuhl, genauer: die Rückenlehne, folgt dem Sitzenden, der Rücken soll ständig unterstützt sein, er soll sich in jeder Position anlehnen können. Zapf nannte es das Follow-Me-Prinzip. Einen Prototypen zum Nachrüsten für jeden Stuhl hatte er zu Hause: „Sitvit". Die geschwungene Lehne, die Wirbelsäule und Bandscheibe folgt, konnte einfach zwischen den Sitzenden und den herkömmlichen Stuhl oder Sessel geschoben werden.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nach dem Krieg bildete Otto Zapf ein kongeniales Team mit Dieter Rams. Die beiden Designer entwarfen in Eschborn bei Frankfurt Möbel für die Wirtschaftswunderzeit, das Regal 606 zum Beispiel, das Rams zugeschrieben und von der Firma Vitsoe produziert wird. Zapf verzichtete auf die Urheberschaft und ärgerte sich später darüber.

          Ende der sechziger Jahre begann die große Zeit von Zapf-Design: Seine Möbel, zum Beispiel Regal und Schrank Softline oder Sessel und Sofa Pillorama, hatten abnehmbare Oberflächen und waren dank Reißverschlüssen wandel- und erweiterbar. Produziert wurden sie vor allem von Knoll International, von Cor, B&B Italia oder Vitra.

          Für den perfekten Sitz aber fand Otto Zapf keinen Hersteller mehr. Am 28. Juni ist er im Alter von 86 Jahren in Königstein im Taunus gestorben.

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