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Online-Möbelkauf : Einrichtung aus dem Netz

Händlervielfalt auf dem virtuellen Möbelmarkt: Internetauftritte von Maisons du Monde, Home24, Westwing und dem Immobilienmakler Engel & Völkers. Bild: Hersteller

Möbel werden immer häufiger im Internet bestellt. Selbst ein Immobilienmakler offeriert neuerdings Sessel, Couchtische und Lampen. Die klassischen Mölbelhäuser geraten unter Zugzwang.

          Die bekannteste deutsche Möbelmarke kommt aus Stadtlohn. In der kleinen Stadt im westlichen Münsterland fertigt das Familienunternehmen Hülsta hochwertige Schränke, Betten, Kommoden und Regale. Verkauft werden die Möbel bei großen Ketten wie Höffner, Lutz und Porta sowie mittelständisch geführten Einrichtungsgeschäften. „Unsere Marken leben von einer guten Präsenz im Handel“, sagt Geschäftsführer Heiner Goossens. Über das Internet offeriert der Markenhersteller seine Möbel nicht - und steht damit nicht allein. Viele deutsche Produzenten seien skeptisch gegenüber dem neuen Vertriebsweg, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Die Produkte würden als zu komplex für den Online-Handel betrachtet, auch gehe es um Rücksichtnahme gegenüber dem stationären Fachhandel.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Als einer der wenigen in der Branche recht umtriebig in Sachen Online-Vertrieb sind die Rauch Möbelwerke. Die Schlafzimmermöbel für den Massenmarkt, die das Familienunternehmen aus Freudenberg am Main wie am Fließband herstellt, werden auch an Online-Händler wie Amazon oder Home24 geliefert. „Für uns ist das ein zusätzlicher Vertriebskanal“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Michael Stiehl, selbst wenn der Online-Umsatzanteil noch relativ klein sei.

          Mausklick statt Probesitzen

          Immer häufiger richten die Kunden ihr Zuhause per Mausklick ein. Galten früher nur Wohnaccessoires als online-geeignet, werden inzwischen auch Schränke, Betten und sogar Küchen im Netz geordert. Auch ist es offenbar nicht mehr für alle ein Muss, ein Sofa oder einen Sessel vor dem Kauf Probe zu sitzen. Die Bereitschaft, Polstermöbel online zu bestellen, steige stetig, berichtet Wilhelm Josten. Im Online-Shop seiner Kölner Wohnaccessoires-Kette Butlers bietet er seit zwei Jahren auch Möbel an - und verzeichnet hier zweistellige Wachstumsraten. Über die Homepage können sich die Kunden neuerdings live aus den beiden Möbel-Showrooms in Berlin und Köln beraten lassen.

          Der Vertrieb von Möbeln über das Internet wächst rasant. Auf 40 Prozent schätzt das Institut für Handelsforschung (IfH) das Umsatzplus im Möbel-Online-Handel im vergangenen Jahr. Das Potential gilt als „enorm“. Von „einem der spannendsten Internetsegmente“ spricht Marco Atzberger vom EHI Retail Institute. Der Online-Anteil am Möbelumsatz (rund 31 Milliarden Euro) wird seiner Ansicht nach rasch von 6 Prozent (2012) auf bis zu einem Fünftel klettern. Zukünftig werde der Online-Kauf von Möbeln genauso alltäglich sein wie heute der von Schuhen oder Kleidung, gaben 60 Prozent der Befragten in einer IfH-Studie an.

          Auch Immobilienmakler steigen ein

          Auf dem virtuellen Möbelmarkt tummelt sich eine ganze Reihe von Händlern. Auf 180 Anbieter, darunter der sich als führend betrachtende Otto-Konzern, kam die Fachzeitschrift „Möbelkultur“ zuletzt in einer Übersicht. Selbst ein Immobilienmakler versucht sich auf diesem Feld. Seit gut einer Woche offeriert Engel & Völkers aus Hamburg in einem Online-Shop Couchtische aus Eichenholz, handverzierte Sessel und Vintage-Holzlaternen. „Die Produkte vervollständigen die Immobilie und machen sie zu einem Zuhause“, beschreibt Vorstandschef Christian Völkers die neueste Geschäftsidee. Als seine Lieblingsstücke präsentiert er eine Antikkommode (1399 Euro) und einen Barocksessel (499 Euro). Das mit rund 100 Artikeln recht überschaubare Angebot soll noch ausgebaut werden.

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