https://www.faz.net/-hrx-9mydr

Brillendesigner im Gespräch : „In Los Angeles verschmelzen Sonnenbrille und Träger“

  • -Aktualisiert am

Ein Italiener in Los Angeles: Giampierro Tagliaferri, Kreativ-Direktor von Oliver Peoples Bild: Matthew Brookes

Die Marke „Oliver Peoples“ trägt das Erbe eines unbekannten Brillenherstellers weiter. Im Gespräch verrät Kreativ-Direktor Giampierro Tagliaferri, was hinter dem Namen steht – und welche Sonnenbrillentrends sich dieses Jahr durchsetzen.

          2 Min.

          Herr Tagliaferri, eine neue Sonnenbrille kauft man sich öfter, eine Korrekturbrille nur alle paar Jahre. Warum eigentlich?

          Sonnenbrillen sind ein direktes und emotionaleres Produkt. Menschen besitzen in der Regel mehrere unterschiedliche Modelle, anders als bei denen, die sie täglich tragen. Korrekturbrillen sollen die Identität verkörpern, während Sonnenbrillen eine gute Möglichkeit sind, die Persönlichkeit und momentane Stimmung zu betonen. Gerade für Männer sind Sonnenbrillen eines der wenigen Accessoires, die gesellschaftlich überhaupt akzeptiert sind.

          Schon der römische Kaiser Nero schützte sich bei Gladiatorenkämpfen angeblich gerne gegen die Sonne, indem er die Spiele durch einen grünen Saphir verfolgte. Die frühen Vorläufer von Sonnenbrillen eigneten sich demnach schon zum Statussymbol.

          Inwiefern solche Steine wirklich gegen die Sonne schützen, müsste wohl noch geklärt werden. Heute ist die Technik da zum Glück weiter, bei Oliver Peoples benutzen wir ausschließlich High-Performance-Materialien.

          Wer ist eigentlich Oliver?

          Am Anfang von Oliver Peoples stand der Fund eines Archivs von Vintage-Brillen, begleitet von deren Kaufbelegen, allesamt unterschrieben mit "Oliver Peoples". Unser Unternehmensgründer entschloss sich deshalb, die Marke nach jenem ominösen Unbekannten zu benennen. Mit unserer Kampagne versuchen wir jetzt zu sagen: Oliver, das kann jeder sein.

          Wofür steht Oliver Peoples noch?

          Wir verkörpern das kalifornische Lebensgefühl, ohne dabei nur über den Strand und Surfer zu sprechen. Insbesondere Los Angeles ist so viel mehr!

          Welche Sonnenbrillentrends lohnen in dieser Saison einen näheren Blick?

          Generell kann man sagen, dass Sonnenbrillentrends deutlich länger andauern als etwa Trends in der Mode. Aktuell haben aber auf jeden Fall die Siebziger mit ihren großen runden Gläsern ein Revival genauso wie die Neunziger mit ihren leichten, extrem dünnen Metallrahmen und farbigen Gläsern. Die momentan in Modekreisen viel gesehenen Mikro-Brillen, die im vergangenen Sommer blitzartig auftauchten, sind tatsächlich ein spannendes Phänomen: Noch nie habe ich im Sonnenbrillensegment gesehen, dass sich ein Trend so schnell verbreitet.

          Die neuen Oliver-Peoples-Brillen für den Sommer: eckiges Modell Bilderstrecke

          In L.A. kommt man um eine Sonnenbrille kaum herum.

          Absolut! Die Menschen tragen dort rund um die Uhr Sonnenbrillen, sie verschmelzen praktisch mit dem Träger! Immerhin sind gefühlt 99 Prozent aller kalifornischen Stunden sonnig. Und wenn es mal nicht ganz so sonnig ist, trägt man "gewaschene", also nur leicht gefärbte Gläser. Überhaupt ist das Licht in L.A. ein ganz besonderes. Es ändert sich permanent, ohne je an Schönheit zu verlieren.

          Warum sieht man mit Sonnenbrille so viel hübscher aus?

          Zumindest cooler. Das hat meiner Meinung nach auch damit zu tun, dass es erst die Hollywoodstars waren, die von den fünfziger Jahren an Sonnenbrillen salonfähig gemacht haben. Außerdem kann man mit verschiedenen Sonnenbrillenformen den Look komplett verändern.

          Was fasziniert oder verwundert Sie als Italiener an Kalifornien am meisten?

          Abgesehen von der Mid-Century-Architektur, von der ich besessen bin: die Natur, die wahrhaft überwältigend ist. Als Europäer musste ich mich allerdings erst daran gewöhnen, dass man in L.A. nirgendwo ohne Auto hinkommt.

          Weitere Themen

          Ein Restaurant fast ohne Reste

          Müll vermeiden : Ein Restaurant fast ohne Reste

          Die Gastronomie legt immer mehr Wert auf die Vermeidung von Müll. Ein Musterbeispiel dafür ist das finnische Restaurant „Nolla“, das komplett auf wiederverwertbare Materialien setzt. Das kommt gut an – und ist nicht mal teuer.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.