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Model-Geschwister : Niklas Garrn fragt seine Schwester aus

  • Aktualisiert am

In der eigenen Kollektion: Toni und Niklas Garrn, hier Anfang Oktober in Paris, machen in Mode. Bild: Helmut Fricke

Sie sind vielbeschäftigte Models und haben ihre eigene Kollektion entworfen: Toni Garrn und ihr Bruder Niklas in einer ungewöhnlichen Interview-Konstellation in Paris.

          3 Min.

          Ein Showroom in einem Hotel in Paris. Closed präsentiert die zwölfteilige Unisex-Kollektion „EQL“, die das Model Toni Garrn und sein Bruder Niklas für die Hamburger Marke entworfen haben. Sollen wir hier jetzt eines der üblichen Prom-Interviews machen mit einem der bekanntesten deutschen Gesichter? Muss nicht sein. Also bitten wir kurzerhand Niklas, der ebenfalls als Model arbeitet und an der TU München Wirtschaftsingenieurwesen studiert, seine kleine Schwester für uns auszufragen. Und wir lehnen uns zurück. (kai.)

          Antonia, was machst Du in den nächsten Tagen?

          Ich fliege zum Weltmädchentag nach Hamburg. Dort werde ich über die weltweiten Rechte von Mädchen sprechen und mich mit Maike Röttger treffen, der Geschäftsführerin von Plan International Deutschland, deren Bewegung „Because I am a Girl“ ich unterstütze.

          Hast Du Dich schon vorbereitet?

          Frauen- und Mädchenrechte verbessern zu helfen - damit beschäftige ich mich ja jeden Tag, darauf muss ich mich nicht wirklich vorbereiten.

          Und was ist mit der Familie?

          Für die versuche ich immer Zeit einzuplanen - ich bin ja fast jeden Monat in Europa. Am Wochenende sehe ich endlich mein Patenkind wieder und hoffentlich auch Opa und Oma. Dienstag fliege ich zurück nach New York.

          Dann hast Du mehr vor als ich.

          Tatsache!?

          Ihre gemeinsame Kollektion führt sie in ihre Kindheit zurück: eine Unisex-Kollektion ist, für Mädchen und für Jungs.
          Ihre gemeinsame Kollektion führt sie in ihre Kindheit zurück: eine Unisex-Kollektion ist, für Mädchen und für Jungs. : Bild: Helmut Fricke

          Apropos Familie: Wir haben viele Cousins, wir sind acht Jungs. Du warst das einzige Mädchen. Wie war das für Dich? Unsere Mutter hat immer gesagt, wenn wir am Fußballspielen waren: „Jetzt kümmert euch mal um Antonia.“

          Das habe ich nie so empfunden. Aber klar. Dann hieß es: „Antonia ist Torwart.“ Und alle so: „Och, nee!“

          Hat das Dein Verhältnis zu Jungs geprägt?

          Klar, ich war zwar nie ein Tomboy, aber ich kann mit Jungs gut umgehen. Ich hatte nie das Gefühl, etwas nicht zu können oder zu dürfen, nur weil ich ein Mädchen bin. Vielleicht kann ich mich deswegen im Leben gut durchsetzen. Umso mehr liegt es mir am Herzen, dass Mädchen mit dem gleichen Selbstbewusstsein und der gleichen Freiheit aufwachsen, und zwar in aller Welt.

          Einsatz nicht nur auf dem Laufsteg: Toni Garrn beim Welt-Mädchentag in Hamburg
          Einsatz nicht nur auf dem Laufsteg: Toni Garrn beim Welt-Mädchentag in Hamburg : Bild: dpa

          Als Du in unserer gemeinsamen Schulzeit am Gymnasium Ohlstedt angefangen hast, für Modeljobs viel zu reisen, war das ganz schön aufregend, oder?

          Ich habe nie viel darüber geredet, was ich mache. Ich wollte nicht, dass meine Mitschüler darüber reden, vielleicht sogar neidisch sind. Ich war 14, 15, 16 Jahre alt und konnte es ja selbst kaum verstehen, was da passierte. Und Calvin Klein hätte vielleicht auch niemanden interessiert. Heute weiß ich, was ich in der Zeit alles gelernt habe. Zum Beispiel, mich allein zu organisieren und zu multitasken. Damals habe ich am Set oder im Flugzeug gelernt und in der Schule Mails beantwortet. Als ich später mein Abi hatte, hatte ich plötzlich das Gefühl: „Oh Gott, ist das jetzt einfach!“

          Zu Hause war es natürlich immer ein großes Thema, dass Du für Shootings nach New York oder auf irgendwelche Inseln fliegst.

          Stimmt. Und Mama war schon immer meine Number-One-Beschützerin.

          Du solltest ja auch Abitur machen. Das war sehr wichtig.

          Dabei konnte ich mich glücklicherweise immer auf euch verlassen. Zum Beispiel, wenn ich wegen der Reisen nicht mehr hinterhergekommen bin. In Mathe hast Du mir damals viel geholfen, auch wenn es Dich manchmal genervt haben muss. Ich hab immer gerufen: „Niklas, Niklas!“ Und Du hast es mir wirklich gut erklärt. Am Ende dachten meine Lehrer, ich sei auch super. Dann musste ich ihnen erklären, dass ich nur gute Tipps bekommen hatte.

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          Ich hatte halt Mathe-Leistungskurs.

          Und Du bist sehr zielstrebig.

          Heute sitzen wir nicht mehr wegen Mathe zusammen, sondern wegen unserer Modekollektion „EQL“.

          Die aber auch in unsere Kindheit zurückführt, weil sie ja eine Unisex-Kollektion ist, für Mädchen und für Jungs. Gleichzeitig entspricht die Kollektion auch unserem heutigen Leben. Ich selbst reise ja vor allem bequem und cool: mit Boyfriend-Jeans und Kapuzenpulli.

          Hast Du Dir eigentlich mal Gedanken gemacht, wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll?

          Oh, bitte! Die Frage stellt mir jeder, und ich kann sie nicht mehr hören. So organisiert ich bin, so wenig möchte ich mich mit festen Zukunftsplänen selbst beschränken. Ich werde weiter ich sein - vielseitig. Zwei Sachen sind aber sicher: Du wirst irgendwann Onkel, keine Sorge! Außerdem werde ich meine Foundation weiter ausbauen.

          Nächstes Jahr komme ich mit auf die Reise Deiner Stiftung.

          Darauf freue ich mich schon. Dann haben wir noch ein Geschwisterprojekt!

          Er gab ihr früher Mathe-Nachhilfe, heute sitzen sie wegen der Mode zusammen.
          Er gab ihr früher Mathe-Nachhilfe, heute sitzen sie wegen der Mode zusammen. : Bild: Helmut Fricke

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