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Nicholas Coleridge im Gespräch : „David gegen Goliath“

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Der Preis für Wolle sank, die Schafe wurden weniger Bild: Wohlfahrt, Rainer

Modemann Nicholas Coleridge im Interview über die Vorzüge von Wolle und die Nachteile synthetischer Stoffe.

          5 Min.

          Mr. Coleridge, fahren Sie Ski?

          Nein, warum fragen Sie?

          Wenn Sie Ski fahren würden, dann wüssten Sie, was für ein Segen Stoffe mit High-Tech-Funktionen sind. Inwiefern kann die Wolle da mithalten?

          Wolle verfügt über ein überragendes Temperaturmanagement. Sie hält warm, wenn es kalt ist, und sie kühlt, wenn es warm ist. Das muss sie auch, um die Schafe in der Hitze Australiens genauso zu schützen wie im Winter in den Bergen Neuseelands. Ich glaube, dass sie deshalb sehr gut mithalten kann. Ich bin kein Wissenschaftler, aber es gibt eine Tendenz, Wolle und High-Tech-Funktionen miteinander zu verbinden.

          Wirklich, inwiefern?

          Wenn wir 40 Jahre zurückschauen, haben sich die Wollstoffe doch sehr verändert. Damals war es ein kratziges Material.

          Das besonders Kinder gehasst haben.

          Es ist Jahre her, dass jemand Wolle als kratzig empfunden hat. Heute gibt es sehr weiche Merino-Wolle, die man direkt auf der Haut trägt, die auch biologisch abbaubar ist. Nehmen Sie zum Beispiel zwei Stoffe, der eine ist von Menschen künstlich erschaffen worden, der andere ist Wolle. Vergraben Sie beide im Erdboden, und graben Sie die nach fünf Jahren wieder aus. Die Wolle wird sich komplett aufgelöst haben, den anderen Stoff können Sie nehmen, in die Waschmaschine stecken und ihn wieder tragen. Sie werden ihn nicht los. Auf der Welt leben sechs Milliarden Menschen. Wo sollen wir in 100 Jahren hin mit dem synthetischen Zeug? Sollen wir jedes Tal mit alten Kleidern füllen?

          Mann für guten Stoff: Nicholas Coleridge ist einer der mächtigsten Männer der Mode

          Das wird den Konsumenten langsam bewusst. Allerdings ist der niedrigere Preis synthetischer Stoffe immer noch ein großes Argument.

          Eine der Herausforderungen für die Wolle ist in der Tat die Lieferkette. Sie beginnt beim Schafzüchter und Schäfer, die Wolle wird verkauft, muss gereinigt werden, dann wird sie wieder verkauft, gewebt, verkauft, die Kette ist unglaublich lang. Wohingegen synthetische Stoffe oft aus einer Hand kommen. Diese Hersteller sind gut darin, die Preise niedrig zu halten. Wolle ist deshalb ganz bestimmt ein Produkt, das zwischen einem niedrigen Luxusgut und einem Stück im mittleren Preissegment rangiert.

          Gerät sie deshalb unter Druck?

          Die Stimmung ändert sich. Man kann das an dem Verhalten der Einkäufer von Kaufhäusern sehen. Die akzeptieren, dass Wolle einen besseren Platz verdient.

          Prinz Charles setzt sich dafür ein.

          Ja, vor etwa fünf Jahren hat er ein Abendessen organisiert und Leute aus unterschiedlichen Teilen dieser langen Lieferkette an einen Tisch gebracht. Darunter waren Modedesigner, Einzelhändler, Schafzüchter. Es ging um eine Soforthilfe für die Branche, denn die Umsätze bei Wolle waren stark gefallen und somit auch die Preise, die den Schaffarmen bezahlt werden. Die Zahl der Schafe ging zurück.

          Warum genau ist die Zahl der Schafe so gesunken?

          Vierzig Jahre lang hat sich die Zahl verringert. Der Grund dafür ist, dass der Preis der Wolle gesunken ist. Prinz Charles ist ja selbst Bauer, also hat er verstanden, dass es mehr Geld kostet, ein Schaf zu scheren, als man für die Wolle bekommt, die daraus entsteht. Noch vor dreißig Jahren haben Schafzüchter die Hälfte ihrer Einkünfte über die Wolle des Schafes erzielt und die andere Hälfte über das Fleisch. Diese Einkünfte sind gesunken, weil die Welt begann, mehr synthetische Stoffe zu verwenden. Jetzt werden die Bauern wieder beliebter. Lange Zeit waren die Führungspersönlichkeiten der Wollindustrie Konkurrenten. Für die Campaign for Wool arbeiten sie zusammen.

          Sind die Schafzüchter nicht auch mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion unter Druck geraten? Für viele war das ein zuverlässiger Abnehmer.

          Alles, was ich Ihnen dazu sagen kann, ist, dass ich oft nach Moskau fliege, etwa alle acht Wochen. Ich fliege immer über Tag. Man kann vom Flugzeug aus hinunterschauen. Auch heute noch kann ich in ganz Russland kein einziges Schaf entdecken. Wenn Sie über Großbritannien fliegen, sehen Sie überall diese kleinen weißen Punkte. Wenn Sie über Australien fliegen, sehen Sie ganze Herden.

          Welche Bedeutung hat Wolle heute in der Mode?

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