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Iris Apfel wird 95 Jahre alt : Das greise Starlet

„Mehr ist mehr“: Iris Apfel im Dokumentarfilm „Iris“ aus dem Jahr 2014 Bild: ddp Images

Sie ist bekannt für ihren flamboyanten Stil und hält damit dem Jugendwahn seit Jahren den Spiegel vor. Nun wird die New Yorker Stil-Ikone Iris Apfel 95.

          „Alter ist doch nur eine Zahl“, hat Iris Apfel einmal gesagt. Sie hat gut reden! Die ehemalige Innen-Designerin, die an diesem Montag 95 Jahre alt wird, ist noch ziemlich rüstig, hält nicht viel von Konventionen und sieht mit ihren großen runden Brillen, den dicken Armreifen, den vielen Ketten, flamboyanten Kleidern und bunten Pelzen umwerfend aus, immer nach ihrem Motto „more is more, and less is a bore“: Mehr ist mehr – weniger ist langweilig.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Sie kann das Alter auch deshalb fröhlich verachten, weil sie die stille Hoffnung der alternden Gesellschaft bestätigt, dass jenseits der 80 noch nicht alles vorbei sei. So richtig erfolgreich ist das späte Model von der Park Avenue sogar erst in den vergangenen zehn Jahren geworden.

          In dieser Saison setzt sie dem neuen Trend zu alten Werbegesichtern die Krone auf. Joan Didion für Céline? Grace Coddington für Calvin Klein? Aus der Perspektive einer Fünfundneunzigjährigen sind die 81 Jahre Schriftstellerin und die 75 Jahre alte „Vogue“-Stylistin junge Hüpfer. Gemeinsam mit dem deutschen Model Toni Garrn posiert Iris Apfel gerade in der Herbstkampagne der Münchner Marke Aigner. Werbung macht sie auch für die australische Modemarke Blue Illusion und für den neuen Citroën DS3. Mit der Kaufhauskette Macy’s arbeitet sie an einer eigenen Mode- und Schmuckkollektion, die im September auf den Markt kommt.

          Iris Apfel, die im hohen Alter zur bekanntesten Stil-Ikone von Manhattan geworden ist, wird wohl auch wegen ihrer Lebenserfahrung verehrt. Iris Barrel wurde als Tochter des jüdischen Glasmachers Samuel Barrel und seiner russisch-jüdischen Frau Sadye, die eine Modeboutique besaß, im New Yorker Stadtteil Queens geboren. Sie studierte Kunstgeschichte an der New York University und Kunst an der University of Wisconsin, arbeitete für die Interior-Designerin Elinor Johnson und heiratete im Jahr 1948 Carl Apfel.

          Flamboyanter Stil: Apfel auf der „080 Barcelona Fashion“ 2015 Bilderstrecke

          Die beiden, die nie Kinder bekommen sollten, gründeten 1950 die Textilfirma Old World Weavers und berieten unter anderen die amerikanischen Präsidenten von Harry Truman bis Bill Clinton bei der Einrichtung des Weißen Hauses mit Stoffen – nur unterbrochen von der Ära Bush senior und der kurzen Ära Kennedy, weil Jackie Kennedy es natürlich besser zu wissen glaubte und einen Pariser Designer beauftragte. „Danach mussten wir es alles rausschmeißen und wieder von vorne anfangen“, meinte Iris Apfel einmal.

          Ihr trockener Humor schien auch ihrer Ehe gutzutun. Bis Carl Apfel vor einem Jahr kurz vor seinem 101. Geburtstag starb, waren die beiden 67 Jahre lang verheiratet. Und wer sie gemeinsam auf Modenschauen und Empfängen in Manhattan erlebte, kann sich nicht vorstellen, dass ihnen diese Strecke lang vorkam.

          Ihren Humor verliert Iris Apfel nur dann, wenn sie junge Pärchen in einem Lokal sieht, die beide auf ihr Handy starren. Oder wenn sie darüber sinniert, warum Mode für erwachsene Frauen mit Models beworben wird, die noch Mädchen sind. Als „greises Starlet“, wie sie sich selbst bezeichnet, hat sie alles getan, dem Jugendwahn einen Spiegel vorzuhalten. Auch so bleibt man jung.

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