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New Yorker Modewoche : Kurz vor Panik

Und die amerikanischen Verbraucher müssten bei höheren Preisen für Konsumartikel, die in Mexiko hergestellt werden, an anderer Stelle sparen – vermutlich am Luxus, fürchtet die Luxusbranche. Nicht zuletzt würde auch Mexiko Zollschranken errichten, und der wichtigste Auslandsmarkt für die amerikanische Textilindustrie mit einem Volumen von fast sechs Milliarden Dollar wäre nur noch schwer zugänglich. Ein Handelskrieg, so sagte ein Fachmann der Zeitschrift „WWD“, „würde die New Yorker Modebranche auslöschen, denn wo sollen wir unsere Produkte herstellen lassen, wenn nicht in China?“

Fashionistas, die das Geschehen festhalten, gibt es auf jeder Show. Wenn denn eine stattfindet.
Fashionistas, die das Geschehen festhalten, gibt es auf jeder Show. Wenn denn eine stattfindet. : Bild: EPA

Die Modemacher verlagern ihre Schauenorte

All die krisenhaften Symptome zusammengenommen, ist die Stimmung in der New Yorker Mode kurz vor Panik.

Kein Wunder, dass sich Tommy Hilfiger, Rebecca Minkoff und Rachel Zoe auf den Zug der Zeit setzten und ihre Kollektionen vor Beginn der New Yorker Woche in Los Angeles zeigten – um die frühe Aufmerksamkeit abzugreifen. Nicht einmal der Wettergott kannte Gnade: Weil am Donnerstag ein Blizzard die New Yorker Flughäfen heimsuchte, kamen viele Modeleute so spät aus dem Westen herbei, dass sie die ersten Defilees verpassten.

Das Ende der Demütigungen ist damit noch nicht erreicht. Die beiden einzigen Marken, die auf Pariser Niveau arbeiten, Rodarte und Proenza Schouler, werden in der nächsten Saison wirklich nach Paris gehen. Die Trendmarke Hood by Air ist schon dieses Mal dort, und Vera Wang zeigt einen Film an der Seine statt ein Defilee am Hudson. DKNY muss sich neu orientieren und hat ebenfalls keinen Auftritt.

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Entwicklung der Branche sorgt für Durcheinander

Das Hin und Her zeigt die Orientierungslosigkeit. Alles geht in der Mode gerade durcheinander. Die Saisons lösen sich auf, weil einige Designer ihre Ware schneller in die Läden bringen wollen, um der Fast Fashion zu trotzen. Die Geschlechter gleichen sich an, so dass Gucci, Bottega Veneta und am Freitag in New York auch Calvin Klein Männer und Frauen zusammen über den Laufsteg schicken. Die Modewochen geraten in die Krise, weil sie durch neue Veranstalter bedrängt werden oder sich selbst Konkurrenz machen, wie London und New York mit überflüssigen Männermodewochen.

Gibt es auch bald in New York in der Staten Island Mall: Den Irischen Bekleidungsladen Primark.
Gibt es auch bald in New York in der Staten Island Mall: Den Irischen Bekleidungsladen Primark. : Bild: AFP

Sponsoren drohen abzuspringen. Fern Mallis, die vor fast einem Vierteljahrhundert die New Yorker Modewoche gründete, winkt nur noch ab angesichts der Misere und setzt sich in die erste Reihe bei den Designern, die auch durch ihr Organisationstalent groß wurden. Ihr Nachfolger Steven Kolb, jetzt Geschäftsführer des Council of Fashion Designers of America, nimmt das Scheitern gleichmütiger zur Kenntnis.

Plüsch mit Glitzer: Kollektion von Christian Siriano
Plüsch mit Glitzer: Kollektion von Christian Siriano : Bild: AP

Neue Wege für die Shows nutzen

Nicht einmal auf die Unterstützung der First Lady kann – oder will – man noch hoffen. Melania Trump trug zwar zur Inauguration Kleider amerikanischer Designer. Aber vor einer Woche schwenkte sie auf ein Cape von Givenchy und ein Kleid von Christian Dior um, bevor sie dann doch noch mit The Row und Derek Lam zwei amerikanische Marken nutzte. Die meisten Marken werben nicht damit, dass nun auch die First Lady zugegriffen hat. Wehren können sie sich freilich auch schlecht gegen Melania Trump: Das Givenchy-Cape könnte die First Lady auf der Neiman-Marcus-Website für 2000 Dollar bestellt haben. Auch Derek Lam wusste nichts von seinem Glück – das er zu vermeiden gehofft hatte.

Bei so viel Krise braucht es neue Ideen. Marcus Wainwright von Rag & Bone macht es vor. Auch er spart sich eine Show. Stattdessen hängt er Fotos auf, die Freunde in seinen Entwürfen zeigen. Und am Abend der Eröffnung dieser kleinen Kollektionsvorschau sind sie alle da: der Maler Walton Ford, das Model Joan Smalls, die Annie-Lennox-Tochter Tani, seine eigenen drei Kindern sowie die vielen anderen, in genau den Entwürfen, die sie auf den Bildern tragen. Und sie alle werden nochmal, nochmal und nochmal fotografiert. Es ist ein Fest der sozialen Medien und der virtuellen Vermarktung. Womöglich hilft’s.

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