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New York Fashion Week : Ohne Prominente läuft hier nichts

Ganz in Weiß: Mariacarla Boscono modelt für Proenza Schouler. Bild: AP

Die New Yorker Modewoche feiert nach zweieinhalb ruhigen Jahren ihr Comeback. Mangelnde Design-Qualität versuchen die Designer dabei aber oft durch mehr Marketing auszugleichen.

          5 Min.

          Es könnte ein schrecklicher Abend werden. Denn es gießt und gießt und hört nicht auf. New York Fashion Week im September: Das ist eigentlich die beste Modewoche des Jahres, die Saison beginnt, die Leute sehen toll aus nach dem Sommer auf Long Island, die Modemagazine sind wieder schwer, neue Geschäfte in Soho machen auf, der Indian Summer hebt die Stimmung.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Und dann das: Tommy Hilfiger hat seine Gäste nach Brooklyn gebeten, ein Uber aus ­Manhattan kostet 70 Dollar, also lieber den Bus 32B nehmen, der aber höchstens alle halbe Stunde fährt. Vor dem Eingang eine lange Schlange, und es gießt und gießt.

          Unter freiem Himmel

          Der Designer hätte gewarnt sein können vor diesem Open-Air-Wagnis. Das Gewitter während der Dior-Cruise-Schau vom Mai 2018 an der Domaine de Chantilly außerhalb von Paris, der Hagelsturm bei der Alta-Sartoria-Präsentation von Dolce & Gabbana im August 2021 in Venedig: Je mehr Schauen an der freien Luft es gibt, desto mehr Reinfälle. Aber Hilfiger, 71 Jahre alt und sehr dynamisch, lässt sich durch solche Gedanken nicht schrecken: Die Schau findet unter freiem Himmel statt, der immer dunkler wird. Es gibt nicht mal einen Plan B oder wenigstens eine Plane.

          Vermutlich wäre es unamerikanisch, die ganze Aktion zu stoppen, vor allem, wenn schon Millionen in die Vorbereitung in­vestiert sind. Also Augen zu, Schirm auf, und durch. Zum Glück gibt es genug Sty­listen im Publikum, wie Nino Cerone von der Zeitschrift „Grazia“: Er hilft den trotteligen Sitznachbarn dabei, die eilig verteilten Regen­ponchos auseinanderzudröseln, das Armloch zu finden und die Kapuze korrekt über ­den Kopf zu ziehen. Auf einem Nobelpreis­trägertreffen hätte das alles sicher länger gedauert.

          Die Schau ist dann natürlich ein Erfolg, erstens, weil genügend Prominente da sind, die im verwaschenen Zustand noch lustiger aussehen als ohnehin. Zweitens, weil die New York Fashion Week, die am Donnerstagabend nach sechs Tagen und mehr als 100 Modenschauen zu Ende ging, einfach ein Erfolg werden muss – nach zweieinhalb Jahren mit stark reduziertem Programm ist das Bedürfnis nach Schauen und Partys und Selbstdarstellung überlebensgroß.

          Ganz in Schwarz: Bella Hadid stellt Michael-Kors-Mode vor.
          Ganz in Schwarz: Bella Hadid stellt Michael-Kors-Mode vor. : Bild: AP

          Und drittens natürlich, weil am nächsten Tag alle ­darüber reden: wie sie nass geworden sind, wie sie weggekommen sind und wie schrecklich Brooklyn ist, wenn man doch Manhattan hat.

          Da trifft es Tory Burch besser. Die 56 Jahre alte Modemacherin, die im Jahr 2004 die Marke ihres Namens gegründet hat und damit auch in Deutschland erfolgreich ist, wagt sich auf den alten Pier 76 an den ­Hudson. Die Sonne geht gerade unter, Lärm und Enge der Stadt sind weit weg, eine leichte Brise zieht durch die Reihen – und zur spektakulären Kulisse gibt es zurückgenommene Mode für den nächsten Sommer, ohne Blumen, ohne Mustermix, ohne allzu viele Farben, die dann die Aufmerksamkeit für alles andere rauben würden. Da machte es nicht einmal was, dass der schöne Blick im Grunde nur in Richtung New Jersey geht.

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