https://www.faz.net/-hrx-9e4r5

New York Fashion Week : Grimmig in der ersten Reihe

Mit einer bunten Kollektion stimmt Designer Jeremy Scott die Branche auf den bevorstehenden Mode-Marathon ein. Bild: Helmut Fricke

Die New Yorker Modewoche beginnt. Auf dem Laufsteg: die Kollektionen fürs nächste Frühjahr. Im Publikum: Fragen über Fragen.

          Es war alles wie immer. Jeremy Scott hatte sich für den Donnerstagabend die lustigsten Kostüme ausgedacht, die besten Promis saßen in der ersten Reihe, und die After-Show-Party wollte auch weit nach Mitternacht noch nicht enden. Der Beginn der New York Fashion Week war wieder mal ein Knaller.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Doch wer hört ihn noch? In der Modesaison, die nun begonnen hat und in den nächsten Wochen in London, Mailand und Paris fortgesetzt wird, ist nämlich längst nicht mehr alles wie immer. Zu viele Fragen, zu wenige Antworten marschieren schon in den ersten Tagen über die Catwalks, die hier in Manhattan Runways heißen.

          Die erste Frage betrifft das Format der Schauen. Soll man nun Männer und Frauen gemeinsam über die Laufstege schicken, weil die Männermodewochen, die nun auch in London und New York stattfinden, nicht viel bringen? Der Trend scheint wieder zu gemischten Laufstegen zu gehen: Zumindest der Jung-Star Prabal Gurung und die Zwillinge Ashley und Mary-Kate Olsen von The Row zeigen beide Geschlechter gemeinsam. Bei Jeremy Scott liefen Jungen und Mädchen immer abwechselnd, ganz gendergerecht.

          Nie neue Schuhe und nie heißen Coffee to go

          Der amerikanische Designer, der sich auf Instagram gut verkauft, antwortete mit seiner Einlasspolitik auch noch auf eine weitere zentrale Frage. Nimmt die verkaufsfördernde Wirkung von Influencern womöglich langsam ab, weil ihre Botschaften allzu beliebig werden? Muss man sie also vielleicht gar nicht so sehr umgarnen? Bei Jeremy Scott mussten all die übergestylten Gestalten jedenfalls lange in der Schlange warten. Währenddessen wurde die alte Garde an ihnen vorbei auf ihre Plätze geschoben. Suzy Menkes („Vogue“), Vanessa Friedman („New York Times“) und Cathy Horyn („The Cut“) haben also noch immer Autorität. Selbst der verrückteste Designer der Modewoche kennt die Prioritäten.

          Aber auch die großen Magazine büßen an Wirkung ein, selbst wenn sie mit stattlichen Septemberausgaben protzen. Anzeigeneinnahmen und Käufer wandern ab. Da fragt man sich dann schon, ob die Wichtigtuer der Szene trotz sinkender Auflagen und schwindender Relevanz mit grimmigem Lächeln ihre Erste-Reihe-Sitze verteidigen dürfen. Prominente könnten da sinnvoller sitzen. Na ja, vielleicht nicht so wie Gigi Hadid, die sich bei Jeremy Scott gleich von drei Bullen abschirmen ließ, vor Fotografen versteckte, im Aufzug in den Spring Studios in die hinterste Ecke verschwand – und dadurch ihren Marketingwert ohne Not herunterschraubte.

          Ein Model schreitet in ihren glitzernden Overknee-Stiefeln den Laufsteg entlang. Bilderstrecke

          Ansonsten sind die Aussichten der New Yorker Modewoche nicht so bescheiden wie noch vor einer Saison. Die Trendlabels Rodarte und Proenza Schouler sind aus Paris zurückgekehrt. Victoria Beckham zeigt ihre Kollektion zwar ausgerechnet zum zehnten Geburtstag ihres Labels in London. Aber was ist ein zehnter Jahrestag, verglichen mit dem fünfzigsten Jubiläum von Ralph Lauren, das der nimmermüde Designer im Central Park mit einer Modenschau unter freiem Himmel und anschließendem Dinner begehen wird?

          Überleben wird man die Woche trotzdem nur, wenn man auf die „Vogue“-Frauen hört. Ihre Tipps: Ziehe nie neue Schuhe an, erst recht keine High-Heels, weil man so viel laufen muss. Bestelle nie heißen Coffee to go, weil man ihn erst dann trinken kann, wenn man garantiert schon in die nächste Schau muss (wo heiße Getränke verboten sind). Nimm Koffeinpillen, dann musst Du auch nicht so oft auf Toilette. Trage eine Sonnenbrille, so dass die Street-Style-Fotografen nicht Deine müden Party-Augen einfangen. Iss, wann immer es möglich ist – denn allzu oft ist es nicht möglich.

          Weitere Themen

          Genial oder peinlich?

          Modewoche in New York : Genial oder peinlich?

          In Manhattan treffen große Namen wie Ralph Lauren auf Designer, die man in Mailand von der Modeschule werfen würde. Doch machen Sie sich selbst ein Bild und stimmen für Ihren Favoriten ab.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.