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New York Fashion Week : Du sollst dir kein Bildnis machen

Im Club ist die Stimmung noch beim Alten: Vier Models belohnen sich mit einem Cocktail. Bild: Helmut Fricke

Heute ist alles politisch – das wirkt sich auch auf die Modeszene aus. Auf der Fashion Week in New York führt das allerdings zu seltsamen Trends.

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          Wer will schon nach Brooklyn? Und dann auch noch ohne Handy in eine Modenschau? Trotzdem kamen alle. Und viele waren sogar begeistert, obwohl sie den Mitmenschen später nur mündlich von Rihanna berichten konnten. „Das war doch toll“, sagt Toni Garrn am Tag danach. Obwohl Rihanna gar nicht gesungen hat? „Das ist es ja“, meint das deutsche Model. „Sie hat sich nicht in den Vordergrund gespielt, sondern ihre Freunde auftreten lassen. Ist doch toll!“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          So kann man es sehen. Aber der Auftritt der Sängerin in Brooklyn spitzte gleich mehrere Themen zu, die bis Donnerstag auf der New York Fashion Week ihren Auftritt hatten: die Dauerpräsenz von Social Media; die Kommerzialisierung von Modenschauen; die politische Korrektheit in der linksliberalen Szene. Im Trend sind außer Blümchenkleidern, der Farbe Gelb und der Unisex-Mode nun auch: Debatten.

          Es beginnt mit Brooklyn. Seit Jahrzehnten finden die Designerschauen im Februar und September in Manhattan statt, mal in Hallen, mal an einem Pier, mal in Fabriketagen, mal auf der Highline. Dann setzten die Modewoche und der Council of Fashion Designers of America (CFDA) ihre Hoffnungen auf die neuen Hudson Yards an der zehnten Avenue – einen überdimensionierten Komplex mit Einkaufszentrum, Hochhäusern und der Veranstaltungshalle The Shed, die man gut für Schauen nutzen könnte.

          Die Stimmung ist aufgeheizt – auch im politischen Sinne

          Könnte! Denn es gibt da ein kleines politisches Problem. Der Immobilienmilliardär Stephen Ross, einer der Entwickler der Stadt in der Stadt, hatte am 9.August ein Fundraising-Dinner für Präsident Donald Trump in seinem Haus in den Hamptons veranstaltet. Ross kennt Trump seit 40 Jahren, ist nicht unbedingt sein Freund, aber unterstützt ihn für seine Präsidentschaftskandidatur 2020.

          Es folgte ein Beispiel dafür, wie aufgeheizt die Stimmung dank Trump in den Vereinigten Staaten ist und wie die linke Szene funktioniert: Die körperbewussten Modeleute kündigten nun nicht nur ihre Abonnements in Ross’ Nobel-Fitnessstudios „SoulCycle“ und „Equinox“ – sondern veranstalteten auch keine Schauen in dem Kulturzentrum mit der futuristischen Membranhülle.

          Das wirkt sich gleich mehrfach negativ aus. So hatte der neue CFDA-Präsident Tom Ford als erste Amtshandlung die Woche straffer organisiert – und sie von acht Tagen auf fünf Tage eingedampft. Niemand könnte das besser als der aus Texas stammende Designer, der in seiner langen Erfahrung mit Gucci-, Yves-Saint-Laurent- und Tom-Ford-Kollektionen in allen vier Modestädten aufgetreten ist, in Paris, Mailand, London und New York, der also viel internationale Expertise mitbringt. Die geschrumpfte Zeit wurde nun aber nicht effizient genutzt, sondern schwand weiter durch die wilde Raserei an entlegene Orte.

          Bilderstrecke

          Dabei strahlt der Designerpräsident persönliche und nun auch institutionelle Autorität aus. Und er sieht trotz seiner 58 Jahre noch blendend aus. Der CFDA-Geschäftsführer Steven Kolb kommentiert den weit geöffneten Kragen des Chefs fast schon resignativ: Wenn man neben ihm abgebildet werde, dürfe man nie den Fehler machen, den zweiten Knopf des Hemds offen zu lassen. So etwas kann Tom Ford nämlich besser. Und das verschafft ihm eigentlich in New York, der Hauptstadt der Oberflächlichkeit, noch mehr Macht. Aber wie kann er die Designeranarchie in Zukunft bändigen? Bleibt ihm vielleicht nichts anderes übrig, als nun auch noch den dritten Hemdknopf offen zu lassen?

          Ein überdimensionierter Veranstaltungskomplex – ungenutzt

          Schade ist die Zerfaserung der New York Fashion Week nicht nur für den neuen CFDA-Präsidenten, der begeistert die Nachfolge der zuletzt etwas ruhiger gewordenen Diane von Fürstenberg angetreten hatte. Traurig auch, dass nun ein Veranstaltungszentrum an der Westseite von Manhattan nicht genutzt wird, das Belebung braucht. Man kann die Hudson Yards ja nicht gleich wieder abreißen. Und wenn sich die leeren Gänge im Kaufhaus Neiman Marcus und in den Luxusgeschäften im vierten oder fünften Geschoss mit konsumorientierten Modegästen füllen würden – dann würde das außer einem verdächtigen Investor auch vielen Angestellten helfen und dank Gewerbesteuern sogar der ganzen Stadt.

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