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New York Fashion Week : Weniger ist nicht genug

Die Kollektion von Oscar De la Renta zeichnete sich vor allem durch glamouröse Ballkleider mit Metalldetails und barocken Blumenprints aus. Bild: dpa

Wenn sich namhafte Designer von der Modewoche in New York zurückziehen, fährt man im „Big Apple“ eben andere Geschütze auf. Es wird bunter, schriller, opulenter – und dank Überraschungsgästen auf dem Laufsteg auch prominenter.

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          Auf der Modewoche in New York schien man sich nicht viel aus dem Credo „Weniger ist mehr“ zu machen: Als große Trends taten sich vor allen Dingen satte Farben, opulente Rüschen und Blumenprints von Kopf bis Fuß hervor. Vielleicht genau die Energie, die die Modewelt braucht, in Zeiten da sich feste Designgrößen wie Tom Ford und Tommy Hilfiger von den Laufstegen der Fashionweek in New York zurückziehen und die Schanghaier Modewoche angesichts des grassierenden Coronavirus abgesagt wurde.

          Das alles im Halbschatten der Oscars, auf die sich kurz zuvor die Augen der Welt richteten. Scarlett Johansson schritt bei den Academy Awards in einem schulterfreien Kleid von Oscar de la Renta über den roten Teppich. Auch wenn die Schauspielerin trotz zweifacher Nominierung ohne Trophäe nach Hause gehen musste: Ihr Kleid wäre dem einer schillernden Preisträgerin würdig gewesen.

          Weniger als 24 Stunden später liefen Models in deutlich kürzeren Versionen des Kleids bei der New Yorker Modewoche über den Laufsteg von Oscar de la Renta. Eröffnet wurde die Show in der New York Public Library von Bella Hadid, die den Laufsteg in blaugrüner Hose, cyanblauem Mantel und rotem Pullover darunter betrat. Kontrastprogramm zu dem Colorblocking-Entwurf von Laura Kim und Fernando Garcia: Glamouröse Ballkleider mit Metalldetails, barocke Blumenprints, viele Federn, Stickereien und Pailletten. Inspiration nahm sich das Designer-Duo hierfür von Truman Capote’s „Black and White Ball“ im Jahr 1966, an dem der 2014 verstorbene Oscar de la Renta teilnahm – mit Frau, Anzug und flauschiger Katzenmaske über dem Gesicht. So farbintensiv wie die Show anfing, endete sie auch: Bella Hadid beendete sie in einem roten Kleid und knallpinken Feder-Cape.

          Die Designer des Modelabels Oscar De la Renta ließen sich von einem Ball von Truman Capote inspirieren. Bilderstrecke
          New York Fashion Week in Fotos : Die schönsten Looks der Modewoche

          Auch für Rodarte lief das Model eröffnend über den Laufsteg, dieses Mal allerdings nur mit roten Akzenten an Schuhen, Kleid und Kopfschmuck. Ihr rot gepunktetes Kleid mit Schulterpolsterschnitt im Vierziger-Jahre-Stil und plissiertem Rockteil gehörte dabei noch zu den zurückhaltenden Entwürfen. Hauptinspirationsquelle der Designerinnen Kate und Laura Mulleavy waren Horrorfilme aus ihrer Kindheit, was etwa an spinnennetzartigen Stoffen zu bemerken war, die sich um die Silhouetten der Models schlangen. Die Schwestern experimentierten in der Kollektion mit Entwürfen in Blutrot, floralen Trauerschleiern, vielen Rüschen – und gewagten Musterkombinationen wie einer mit Blumen gemusterten Weste über einem Querstreifenhemd mit Schulterpolstern und einem beigen Plaid-Minirock. Die Schwestern verstehen Modenschauen als Theaterperformances. Ihre Show in der St. Bartholomew’s Church in Manhattan und die von Kerzen beleuchteten Blumendeko bot dazu das richtige Bühnenbild. 

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