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New York Fashion Week : Der tägliche Glamour

Flutlicht für den Alltag: Kreation von Tommy Hilfiger bei der Fashion Week in New York Bild: Reuters

Manhattan ist nicht Hollywood. Deshalb hebt die Mode für den nächsten Winter nicht ab. Manchmal ist das eine Wohltat.

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          Mode ist kein Spaß, schon gar nicht bei dieser Kälte. Rihanna fällt es leicht, in der ersten Reihe bei Zac Posen mit kurzem Kleid und ohne Strümpfe zu sitzen. Draußen wartet die Limousine, und schnell ist sie weg. Aber auch so manche gemeine Moderedakteurin kommt bei minus fünf Grad im knielangen Rock ohne Strumpfhose, tänzelt in Ballerinas über Schneeberge oder hält ein makelloses Dekolleté in die Kameras der dick vermummten Street-Style-Fotografen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          It´s the economy, stupid! Wir sind in Manhattan, da muss das sein. Da ist die Modewoche nicht nur ein Bussi-Bussi-Event, sondern vor allem ein Business-to-Business-Termin. In den ersten Tagen der „New York Fashion Week“ merkt man es nicht, weil die Jungdesigner ihre Fans befeuern und die Fans ihre Jung-Stars. Aber in der zweiten Wochenhälfte, die an diesem Freitag zu Ende geht, zeigen die „big boys“, was Sache ist und wie das Geschäft läuft. Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Ralph Lauren, Hugo Boss, Michael Kors – you name it!

          Milliardenumsätze bei Wunderkind Michael Kors

          Die Namen machen es namhaft. Dazu gehören auch Julianne Moore und Dakota Johnson bei Hugo Boss oder Kate Hudson und Alexandra Richards bei Michael Kors. Das B-to-B- ist in Wirklichkeit ein B-to-B-to-B-to-B-Event: An den vier Ecken dieses Milliardengeschäfts ziehen Designer, Einkäufer, Redakteure und Stars. Und weil die Stars im Land des Simpel-Marketings oft stärker ziehen als alle anderen, erkennt man hier oft die Mode nicht mehr. Das hat sogar seine guten Seiten. Denn von den Hunderten Designern, die acht Tage lang in Showrooms und Schau-Räumen ihre Kollektionen für Herbst und Winter präsentieren, muss man sich gerade mal zwei Dutzend merken – oder noch weniger.

          Nehmen wir Michael Kors. Das ewige Wunderkind der New Yorker Mode macht längst Milliardenumsätze (und damit ist nicht nur eine Milliarde gemeint). In den mit Straußenfedern besetzten Mohairkleidern, den Seidenkleidern mit Foularddruck oder den Capemänteln erkennt man den Ostküsten-Designer schlechthin. „Opulenz und Zurückhaltung“, sagt er locker und hebt in seinem Studio an der 42. Straße eine Handtasche aus Krokoleder hoch – ganz der entspannte Gastgeber, der die Kälte draußen durch menschliche Wärme zu bannen weiß. Die Logos werden ein bisschen unauffälliger, der Stil ist reifer, und der Designer denkt dauernd daran, was die Frauen wirklich brauchen. Die Frauen, die ansonsten wenige Männer kennen, die dauernd daran denken, was sie wirklich brauchen, danken es ihm durch Konsumbereitschaft.

          Michael Kors zeigte in New York nach eigener Aussage „Opulenz und Zurückhaltung“. Bilderstrecke

          Während Peter Copping bei Oscar de la Renta dort weitermacht, wo der alte Meister kurz vor seinem Tod im Herbst aufgehört hat, ist nun eine neue Generation amerikanischer Klassiker an der Reihe, die pragmatischer ist. Kein Wunder, dass der weltzugewandte Michael Kors gerade lieber Tagesgarderobe bietet als immer wieder Abendfummel. Motto: „daily glamour“. Und apropos Abend: „Bei den Oscar´s wäre es doch toll, wenn mal eine Frau in eleganter Hose mit Bluse aufträte und nicht immer nur im Kleid.“ Besser hätte es Guido Maria Kretschmer nicht sagen können!

          Runde Nähte bei Jason Wu

          Nehmen wir Hugo Boss. Dank Designer Jason Wu sieht man die Herren- nun viel stärker als Damenmarke. „Industrial beauty“, sagt Wu backstage über seine Kollektion, als ob das nicht eine Contradictio in adiecto wäre. Den Widerspruch löst er aber wirklich auf, obwohl ihn angesichts der hervorragenden technischen Möglichkeiten in Metzingen der Aspekt der Schönheit Kraft gekostet haben mag. Jedenfalls verweichlicht er die geraden Linien und die festen Stoffe der Männermode mit den runden Nähten, geschwungenen Schultern, hochgerutschten Taillen, Cut-outs, Paillettenkaskaden und knalligen Farben der Damenmode. Die Midi-Länge in Kombination mit Stiefeln verkürzt manchmal unglücklich die Silhouette – sogar bei den Models. Dennoch: Wenn Investoren dem Vorstandsvorsitzenden Claus-Dietrich Lahrs gleich backstage lukrative Treffen in Aussicht stellen, dann scheint er die Wachstumsstrategie so mit erfolgversprechendem Design kombiniert zu haben, dass es sitzt wie ein Maßanzug.

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