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New York Fashion Week 2016 : Ein bisschen Deko schadet nicht

Wenn man also in Zukunft Laufstegbilder sieht, weiß man nur als Kenner, ob man die Sachen sofort oder erst in drei Monaten kaufen kann. Diese Unsicherheit wird die schwache Konsumstimmung gewiss nicht beleben – auch wenn bei Hilfigers See-now-buy-now-Premiere, allerdings gestützt durch einen gigantischen Social-Media-Rummel, große Verkaufszuwächse in den ersten Tagen zu verzeichnen sind.

Mode im Museum: Die Schau von Tory Burch im Whitney Museum

Viele der weit mehr als 100 Kollektionen, die acht Tage lang auf den verschiedenen Plänen standen, sind natürlich solide. Michael Kors, gerade aus Bora Bora zurückgekehrt, lässt sich ohnehin nicht aufhalten: „Ich bin Optimist“, sagt er vor dem Defilee unbekümmert; Proenza Schouler gelingt wieder eine pariserische Kollektion mit vielen diskussionsfördernden Aussparungen; Tory Burch hat ihren Ostküsten-Stil gefunden, der sich geschickt mit Ethnomustern und sportlichen Anspielungen aufpeppt; Zac Posen ist spießig geworden; die Asian-Americans von Phillip Lim bis Alexander Wang dagegen bleiben dran.

Jason Wu: Weg von den festen Herrenstoffen

Und apropos: Jason Wu zeigt seine bisher leichteste Kollektion für die Boss-Frauen – er muss wegkommen von den festen Herrenstoffen. Es stimmt hoffnungsfroh, dass die Frau des neuen Boss-Vorstandsvorsitzenden Mark Langer sich eines der schönsten Kleider aus der letzten Kollektion für diesen Anlass ausgesucht hat.

Langer lobt nach der Schau denn auch Jason Wus Bezug zur Wirklichkeit, den man nicht bei jedem Modemacher voraussetzen kann. Aber der Designer steht nun auch Ingo Wilts gegenüber, der, von Hilfiger kommend, als neuer Chief Brand Officer viel vom Geschäft versteht. Ob auch er Gefallen findet an aufwendig mit Blüten bestickten Blusen, die Wu sogar teils selbst angenäht hat, um in Übung zu bleiben?

Andererseits weiß Wilts aus dem PVH-Konzern, zu dem auch Calvin Klein gehört, was gute Designer kosten können. Raf Simons, der in diesen Wochen in New York mit seiner Arbeit für Calvin begonnen hat, soll angeblich 20 Millionen Dollar im Jahr für seine Dienste bekommen.

Erste Kollektion im Februar

Im Februar wird seine erste Kollektion zu sehen sein. Dieses Mal fehlt die Marke in jedem Sinn auf dem Kalender – der Herbst 2016 wird als Sattelzeit in die New Yorker Modegeschichte eingehen, in dem das „Nicht mehr“ auf das „Noch nicht“ trifft.

Hugo Boss: Jason Wu gibt sich leicht und farbenfroh wie nie zuvor

Immerhin machen es zwei Frauen den alternden Männern vor, wie man den Übergang zur neuen Generation meistert. Donna Karan filmt in der ersten Reihe begeistert die eklektizistische Kollektion ihrer beiden Nachfolger Dao-Yi Chow and Maxwell Osborne bei DKNY.

Und Diane von Fürstenberg hat einen Glücksgriff getan mit dem schottischen Designer Jonathan Saunders, der ihre Marke mit leicht anarchisch schrägen Schnitten verjüngt – sie bleibt allerdings der Präsentation fern.

Marc Jacobs' Modenschau kurzfristig auf 14 Uhr vorgezogen

Zu den alternden Männern, die abtreten sollten, gehört übrigens jetzt schon Kanye West. Seine vierte Yeezy-Kollektion rief wegen des schwachen Designs und der reihenweise in der Hitze zusammenbrechenden Models so viele negative Reaktionen hervor, dass sich der Rapmusiker etwas Neues überlegen sollte – oder am besten weiter nur Musik macht.

Der ebenfalls alternde Mann Marc Jacobs zeigt immerhin mit seinem opernhaften Auftritt, dass die Mode weitergeht – und dass man auch rein organisatorisch Pointen setzen kann. Seine Schau, eigentlich für 18 Uhr angesetzt, zieht er kurzfristig auf 14 Uhr vor, weil wichtige Gäste in ihrem Vorwärtsdrang am Abend schon auf dem Weg nach London sind, dem zweiten Schauplatz der Modesaison. Also 14Uhr, und das heißt bei Marc Jacobs seit dem Aufruhr um seine Zwei-Stunden-Verspätung vor neun Jahren: 14.00:00 Uhr.

Bisher verstand man das als ewige Rache an den damals so erbosten Redakteuren, allen voran Suzy Menkes. Nun ist es auch ein Zeichen dafür, dass da jemand einer zerbrechenden Szene doch noch ein Ordnungssystem aufzwingt. All die Gäste, die ratlos und sauer um 14.01 Uhr vor verschlossenen Türen an der 34. Straße stehen, haben einfach keinen Sinn für die disziplinierende Wirkung der Pünktlichkeit und die ordnende Hand des Marktes.

New York Fashion Week

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