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Debüt des Chefdesigners : Etro zieht sich ganz neu an

Neu dabei: Designer Marco de Vicenzo arbeitet für Etro – und weiterhin für Fendi und seine Marke unter eigenem Namen. Bild: Helmut Fricke

Etros neuer Chefdesigner Marco de Vicenzo übernimmt ein großes Erbe. Die Marke ist bekannt für ihre außergewöhnlichen Stoffe und Muster. Bei seiner ersten Schau in Mailand hat der Sizilianer Mut bewiesen.

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          Um den Mann mit dem wohlklingenden Namen zu erleben, muss man in den Osten fahren. Erst den Corso XXII Marzo entlang, dann weiter über den Viale Corsica. Als man fast schon am Flughafen Linate ist, geht es rechts die Via Mecenata runter, in ein Industriegebiet, und noch einmal links in die Via Fantoli. Direkt nebeneiner Spedition warten an diesem Nachmittag Ende September Journalisten, Einkäufer und Influencer. Hier, ganz im Osten von Mailand, wird heute die erste Etro-Schau zu sehen sein, nachdem das Familienunternehmen an Privatinvestoren verkauft worden ist. Und es ist der erste Auftritt des neuen Kreativdirektors Marco de Vincenzo.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der drahtige Sizilianer steht vor der Schau in einem Pulk von Journalisten. Ist er aufgeregt vor seiner Premiere? „Nein“, sagt er lächelnd, und sofort sprudeltes aus ihm heraus. „Ich hatte nicht viel Zeit für diese Kollektion, aber ich versuchte, mir vorzustellen, was die Marke für mich ausmacht.“

          „Utopien sind notwendig für den Fortschritt“

          Da muss man sich viel vorstellen. Denn Etro hat sich in einem halben Jahrhundert ein großes Musterinventar aufgebaut. Es begann im revolutionären Jahr 1968, als Gerolamo („Gimmo“) Etro die Firma gründete. Zunächst produzierte er Stoffe für Marken wie Walter Albini, Oscar de la Renta, Ungaro und Yves Saint Laurent. Dann machte er aus seinem Namen selbst eine Modemarke und spezialisierte sich auf das Paisleymuster, das zugleich traditionell ist und vielseitig einsetzbar, zugleich dekorativ und unisex, zugleich rockig und hippiesk.

          Auch Gimmos vier Kinder Kean, Ippolito, Jacopo und Veronica wuchsen in die Firma hinein. Kean Etro, der auch Philosoph hätte werden können, so sehr durchdenkt er die Mode, war mehr als drei Jahrzehnte lang der Herren-Designer. Und Veronica Etro, die an Central Saint Martins in London studierte, entwarf Jahrzehnte lang Damenmode. Bis in diesem Jahr. Als Letzter trat bei den Herrenschauen im Juni in Mailand Kean Etro von der großen Bühne ab. Am Ende floss nicht nur bei der Familie Tränen. Backstage rief Kean Etro aus: „Utopien sind notwendig für den Fortschritt.“

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          Die Utopien werden in Zukunft genauer berechnet werden. Denn nur wenige Jahre nach dem 50. Jubiläum des Familienunternehmens haben die Etros den Betrieb an die Private-Equity-Firma L. Catterton verkauft, die wiederum zum Luxuskonzern LVMH gehört. Wie schon Versace und Missoni, so ist nun auch diese Marke einer Gruppe angeschlossen, genauer: einer französischen Gruppe, so wie auch Gucci, Loro Piana, Pucci, Brioni und weitere italienische Namen. Vorstandsvorsitzender bei Etro ist seit einem Jahr Fabrizio Cardinali, der unter anderen für Dolce & Gabbana gearbeitet hatte.

          Mehr Wachstum

          Im Jahr der Übernahme, 2021, stieg der Umsatz der Marke nach Cardinalis Worten um 25 Prozent. Und im ersten Halbjahr dieses Jahres gingen die Umsätze immerhin um 18 Prozent nach oben. „Wir wollen die Geschwindigkeit des Wachstums erhöhen“, sagt Cardinali im Gespräch mit der F.A.Z. „Im ersten Halbjahr wurden wir nur durch die Schwierigkeiten in Russland und China etwas gebremst.“ Jedenfalls sei in Amerika, im Mittleren Osten und in Europa ein erfreulicher Zuwachs zu beobachten.

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