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Neue Konzepte im Einzelhandel : Das Geschäft der Zukunft?

  • -Aktualisiert am

Auch so kann H&M aussehen: Concept-Store des schwedischen Unternehmens in Berlin Bild: Reuters

Beim Shoppen steht immer häufiger das Erlebnis im Vordergrund. Für den Einzelhandel ist das eine Möglichkeit, gegenüber dem Onlinegeschäft sichtbar zu bleiben. Ein Blick in die Einkaufswelten von morgen.

          7 Min.

          Als unlängst das amerikanische Beautyunternehmen Glossier seinen neuen Pop-up-Shop in London eröffnete, war der Andrang groß. Innen wie außen drängten sich die geladenen Gäste – darunter zahlreiche Influencer, die für mediale Aufmerksamkeit und damit auch in den kommenden Tagen für lange Schlangen vor und viel Trubel in der Filiale sorgen würden.

          Der Hype um Glossier ist groß. Dabei führt das 2014 von Emily Weiss gegründete Unternehmen gerade einmal 72 Produkte im Sortiment, alle etwa im mittleren Preissegment gelegen. Das macht sie schon für die junge Zielgruppe erschwinglich. Die Bodylotion kostet 22 Dollar, der Boy Brow, ein Augenbrauen-Gel gibt es für 16 Dollar. Es ist der Dauerbrenner des Unternehmens.

          Laut eigener Aussage verkaufte Glossier im vergangenen Jahr alle 32 Sekunden eines davon an seine Kundschaft. Auch dank solcher Verkaufszahlen generierte das Unternehmen 2019 einen geschätzten Marktwert von 1,2 Milliarden Dollar. Vor allem aber drei Faktoren stehen für das Erfolgskonzept der Beautymarke: persönliche Empfehlung, Transparenz und Informationsvermittlung. Glossier bezieht Fans und Mitarbeiter direkt ein, gewährt Einblicke hinter die Kulissen und spricht offen über Inhaltsstoffe und deren Wirkung. Fast schon ungewohnt textlastig kommt die Website daher. Das Design ist clean, die ausgewählten Bilder lenken den Blick auf die Produkte. Dieses Schema setzt sich im Store fort – wenn auch das Ambiente deutlich opulenter ist.

          Es geht um das Erlebnis

          Zurück auf der Floral Street in London öffnet der zuvorkommende Pförtner die große Glastür, eine Mitarbeiterin neben ihm begrüßt die Kundschaft. Dahinter eröffnet sich der Blick auf den Store, eine Mischung aus Wohnzimmer und Showroom. Die unterschiedlichen Räume sind farblich getrennt, wobei Tapeten und Teppiche durch das abgestimmte Muster fast miteinander verschmelzen. Obwohl sich hier viele Menschen tummeln, ist die Atmosphäre ungewöhnlich ruhig. In der Mitte und an den Wänden ist die im Kontrast minimalistisch anmutende Produktauswahl effektvoll zur Schau gestellt. Und dann taucht auch schon eine weitere Mitarbeiterin auf und bietet ihre Hilfe an.

          Die jungen, fröhlich wirkenden Frauen mit natürlichem Look finden sich zahlreich im Store. Zu erkennen sind sie an den rosafarbenen Boilersuits und den Tablets in den Händen. Sie nehmen sich für jeden einzelnen Kunden Zeit, erklären Produkte, teilen eigene Erfahrungen und führen geduldig durch den Bestellprozess. Denn auch der ist bei Glossier anders als in vielen herkömmlichen Geschäften. Wer etwas kaufen will, geht nicht einfach an die Kasse. Die Mitarbeiterinnen legen mithilfe der Tablets alle Produkte in den virtuellen Warenkorb, bezahlt wird per Karte oder Smartphone. Anschließend wird man aufgefordert, in den hinteren Raum zu gehen, wo man mit anderen Kundinnen wartet – vielleicht sogar ins Gespräch kommt -, bis der eigene Name aufgerufen und einem die schöne, handbeschriftete (Geschenk-)Tüte über die Theke gereicht wird.

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