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Neue Konzepte im Einzelhandel : Das Geschäft der Zukunft?

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Ganz anders sieht es dagegen im Falle von Opening Ceremony aus. Lange galt das Label mitsamt seinen Concept Stores, in denen auch andere Marken einen festen Platz hatten, als Erfolgsbeispiel für funktionierendes, Trend orientiertes Retail. Ende Januar gaben die einstigen Labelgründer Carol Lim und Huberto Leon im Zuge des Verkaufs ihrer Marke an die New Guards Group die Schließung aller Opening Ceremony-Stores bekannt. Man wolle sich künftig stärker auf den Ausbau des Onlineverkaufs konzentrieren. Laut der Insiderplattform „Business of Fashion“ überrascht diese Entwicklung wenig. Denn anders als Markeneigene Stores, können es sich die Concept Stores nicht leisten, vom (Lauf-)Publikum lediglich als Showroom genutzt zu werden. Ähnliches resümierte 2017 Sarah Andelmann, Gründerin des einstigen Pariser Erfolgskaufhauses Colette. Als die einstige Institution geschlossen wurde, war der mediale Schock zunächst groß. Andelmann aber sah in dieser Entscheidung einen logischen Schritt. „Business of Fashion“ zitiert sie wie folgt: „Als wir 1997 eröffneten, suchte man Marken wie Kiehl’s, Reebok, Fury und Casio G-Shock in Paris vergeblich. Auch unabhängige Modemagazine, wie i-D und The Face waren praktisch nicht zu bekommen. Jetzt ist alles überall verfügbar. Viele Marken wenden sich direkt an den Kunden und brauchen einen Store wie Colette daher nicht mehr länger, um mit ihrer Kundschaft in Kontakt zu kommen.“

Anschluss an die Zielgruppe nicht verlieren: Schaufenster-Deko im Luxuskaufhaus KaDeWe
Anschluss an die Zielgruppe nicht verlieren: Schaufenster-Deko im Luxuskaufhaus KaDeWe : Bild: EPA

Im Berliner Voo-Store – mittlerweile eine Institution in der Hauptstadt, 2019 eröffnete die zweite Dependance im Bikini Berlin – setzt man vielleicht genau deshalb gezielt auf den Mix aus Shop und Café – und lädt die Gäste zum Verweilen ein. Kaffee trinken, in Magazinen schmökern, nebenbei shoppen. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die Hennes & Mauritz-Tochter Arket. Auch hier verfügt jeder Store über ein hauseigenes Café, inklusive Zimtschnecken, Salatbowls und frisch gepressten Säften. Andrea Baldo, seines Zeichens CEO der Modemarke Ganni, betont im Rahmen seines Talks zur Fashiontech, dass Stores heute eher zu Community-Hubs für Fans und Kundschaft werden müssen. Das Geschäft als Ort, an dem man physisch zusammenkommt und den (fachlichen) Austausch unter Gleichgesinnten sucht. Damit wären wir wieder in London beim Erfolgsbeispiel Glossier angekommen.

Die Zukunft liegt im Digitalen

Wie Ana Andrejlic weist aber auch Baldo darauf hin, wie wichtig es sei, digitale Strategien zentral in Store-Konzepte zu integrieren. Mobile First etwa muss heute nicht mehr nur noch für die Onlinepräsenz selbstverständlich sein, auch das Bezahlen per Mobiltelefon werde vor allem für die junge Zielgruppe immer wichtiger. Entsprechend muss Veränderung innerhalb der Unternehmen von ganz unten ansetzen. Kein leichter Prozess, der es bei global agierenden, eingesessenen Marken oft erfordert, eingespielte Verfahren von Grund auf neu zu denken. Der Aufwand zahlt sich durchaus aus, wie das Beispiel Tommy Hilfiger zeigt. Das Unternehmen arbeitet seit Jahren an einer Digitalstrategie, die alle Abteilungen und Touchpoints gleichermaßen einbindet und so das Unternehmen erfolgreich ins digitale Zeitalter überführen kann. „Innovation verstehen wir als Mindset,“ fasst Daniel Grieder, CEO des Unternehmens gegenüber der Frankfurter Allgemeinen zusammen, „was heute gut genug ist, kann morgen schon nicht mehr gut genug sein. Das inspiriert uns, ständig nach neuen Ansätzen und Möglichkeiten in allen Unternehmensbereichen zu suchen. Wir haben große Fortschritte bei der Digitalisierung unserer Wertschöpfungskette gemacht. Das reicht vom 3D-Design über den digitalen Showroom bis hin zum Store der Zukunft und Social-Commerce.“

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