https://www.faz.net/-hrx-a23ub

Neue Chef-Designerin Foos : „Wir sind dabei, die Handschrift von Marc Cain wieder zu schärfen“

  • -Aktualisiert am

Luftige Seidenkleider und mehr Farben: die neue Handschrift von Marc Cain Bild: obs

Katja Foos ist seit Januar die neue Chef-Designern des deutschen Premiumlabels. Ihre Kollektion für das Frühjahr 2021 besteht aus verspielten Entwürfen mit bunten Farben, aber auch klassischen Blazern und Mänteln.

          2 Min.

          „Wir sind dabei, die Handschrift von Marc Cain wieder zu schärfen und der Marke eine klare Linie zu geben“, sagte die neue Chef-Designerin Katja Foos im Vorfeld der Präsentation der Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2021. Foos, die in den vergangenen zwei Jahren freie Illustratorin war und zuvor bei Dorothee Schumacher den Strick- und Jersey-Bereich verantwortete, stieß im Januar als neue Chef-Designerin zum deutschen Premiumlabel, als die Folgen der Corona-Pandemie noch nicht absehbar waren.

          Statt wie bei der vorherigen Berliner Modewoche mit einer aufwändigen Inszenierung und mit Stargästen wie Katie Holmes zu trumpfen, musste Foos für ihr Debüt bei Marc Cain umdenken. Im kleinen Kreis wurde nun die neue Kollektion im Soho House Berlin mit einem Image-Film unter dem Motto „The Sky is the Limit“ lanciert. Als Kulisse diente der Firmensitz der Marke im schwäbischen Bodelshausen. Deutsche Mode, sie kommt eben noch immer aus der Provinz, und der Neuanfang beginnt wie so oft mit der Rückbesinnung auf die Wurzeln. In dem modernen Bau aus Stahl, Glas und Beton, der fast so klinisch wie ein White Cube wirkt, zeigten Models verspielte Entwürfe in bunten Farben, luftige Seidenkleider mit floralen Prints und klassische Blazer und Mäntel. Die neue Handschrift von Marc Cain bleibt bodenständig, klassisch feminin, mit etwas mehr Farben und voluminöseren Silhouetten.

          Musste für ihr Debüt umdenken: Katja Foos
          Musste für ihr Debüt umdenken: Katja Foos : Bild: Hersteller / Marc Cain

          Der ästhetische Schritt nach vorn hat natürlich auch mit dem wirtschaftlichen Druck auf Modemarken zu tun: „Wir stellen uns natürlich die Frage, wie wir es weiterhin schaffen, lokal und qualitativ zu arbeiten“, sagt Katja Foos. „Schließlich ist es eine Illusion zu glauben, dass Kundinnen 100 Euro mehr für die Bluse auf den Tisch legen, nur weil sie in Deutschland produziert wurde. In erster Linie muss das Produkt schön sein. Es muss eine Sprache haben, die mich verführt – und dazu gehört auch das Preis-Leistungsverhältnis.“ Zwar würden sich viele intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, wenn es aber um den eigenen Geldbeutel ginge, seien sie relativ schnell zurückhaltend. „Das Umdenken ist ein Prozess, der die gesamte Modebranche aktuell beschäftigt und durch die Corona-Krise verstärkt wurde“, fügt sie hinzu.

          Zu viel schwäbische Bescheidenheit

          Dazu gehört auch die richtige Kommunikation. „Vielleicht gehört es zur schwäbischen Bescheidenheit, nicht mit unseren Stärken hausieren zu gehen. Das gefällt mir. Trotzdem müssen wir lernen, unsere Geschichte zu erzählen und unsere Stärken zu zeigen. Auch daran arbeiten wir“, sagt die neue Chef-Designerin.

          Ästhetischer Schritt nach vorn: die Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 2021 von Marc Cain
          Ästhetischer Schritt nach vorn: die Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 2021 von Marc Cain : Bild: Hersteller / Marc Cain

          Und vielleicht ist es dieses Zusammenspiel aus alter Bodenständigkeit, neuem ästhetischen Mut und besserer Vermarktung, das den schwäbischen Mittelständler auch durch diese Krise führen könnte. Während in den vergangenen Jahren immer mehr deutsche Modeunternehmen Insolvenz anmeldeten, schien Marc Cain die bisherigen Herausforderungen unbeschadet gemeistert zu haben. Das 1973 von Helmut Schlotterer gegründete Unternehmen ist immer noch komplett inhabergeführt. Wachstum wird durch den eigenen Cashflow finanziert, und es wird stetig in die Infrastruktur reinvestiert, unter anderem in ein eigenes Logistikzentrum, digitale Druckanlagen und einen Strickmaschinenpark, der einen großen Teil des Sortiments vor Ort produziert.

          Das scheint bisher funktioniert zu haben: Marc Cain ist ein solider Mittelständler mit mehr als 1000 Mitarbeitern, der in 60 Länder verkauft und 2018 einen Umsatz von 276 Millionen Euro vermeldete. Mit neuer Strategie und etwas Glück bleibt das Unternehmen vielleicht auch nach über vierzig Jahren weiter auf Wachstumskurs.

          Weitere Themen

          Uniform, aber mit Unterschieden

          Büromode : Uniform, aber mit Unterschieden

          Was anziehen, wenn es nach Monaten im Homeoffice wieder Richtung Meeting und Schreibtisch geht? Für Frauen ist das Angebot noch immer überschaubar. Einige Designerinnen arbeiten daran, diese Lücke zu schließen.

          Voldemorts Sicht der Dinge

          Klassiker neu aufgelegt : Voldemorts Sicht der Dinge

          Ein heißer Trend auf dem Buchmarkt: Bestseller einfach ein zweites Mal herauszubringen – geschrieben aus anderer Perspektive. Einige exklusive Vorschläge, die sich hervorragend für den Trend eignen würden.

          Topmeldungen

          Erinnerung an eine „Ikone“

          Tod von Ruth Bader Ginsburg : Kampf um Amerika

          Die Ernennung von Richtern am Obersten Gericht ist so etwas wie der große Preis für Präsidenten. Donald Trump will die Gunst der Stunde nutzen und auf lange Zeit eine konservative Mehrheit durchsetzen. Das mobilisiert – auf allen Seiten.
          Corona-Debatte bei Anne Will

          TV-Kritik: Anne Will : Mit Plattitüden gegen die Pandemie

          Wer die gegenwärtige Misere der Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erleben wollte, bekam bei Anne Will einen bemerkenswerten Anschauungsunterricht. Eine Debatte fand nicht statt, stattdessen gab es ein Poesiealbum von Allgemeinplätzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.