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Fortunys Neuanfang : Das sind die Stoffe für große Erzählungen

  • -Aktualisiert am

Alberto Torsello ist Fortunys neuer künstlerischer Direktor. Bild: Helmut Fricke

Die Marke Fortuny wird 100 Jahre nach Gründung ihrer Textilfabrik in Venedig wiederbelebt. Auch ihre berühmten Plisseekleider, die schon Sarah Bernhardt liebte, sollen wieder flattern.

          5 Min.

          Fortuny – dieses Wort klingt wie ein Versprechen. Glück und Geschick, eben Fortune, beschwört der aus dem Katalanischen stammende Nachname. Wer am Bahnhof von Venedig das Vaporetto besteigt und durch den Canale della Giudecca Richtung Markusbecken fährt, sieht nach wenigen Minuten auf der Steuerbordseite die große Aufschrift am Empfangsgebäude einer historischen Textilfabrik auf der Insel Giudecca. Schon als Sechsjähriger fragte sich Alberto Torsello, was sich hinter den Mauern mit diesem Namen verbergen könnte. Damals wohnte der gebürtige Venezianer mit seiner Mutter gegenüber und blickte täglich auf den Schriftzug. Ein halbes Jahrhundert später ist er angetreten, Fortuny neuen Glanz zu verleihen.

          Mariano Fortuny y Madrazo (1871 bis 1949) galt zu Lebzeiten als „Magier von Venedig“. Der gebürtige Spanier, Spross einer Künstlerfamilie, war ein Universalgenie und errang mit seinen Stoffen, seinen Lichtinstallationen und seinen schon von Marcel Proust bewunderten Plisseekleidern Weltruhm. Mit seiner Textilfabrik, die bis heute produziert, hat er ein einmaliges Erbe hinterlassen, nicht nur den Venezianern. Die Fabrik gehört den amerikanischen Brüdern Mickey und Maury Riad.

          Vor wenigen Monaten haben sie Torsello zum neuen künstlerischen Direktor des Hauses ernannt. Der Italiener ist ein bekannter Architekt, der auf den Erhalt und die Erneuerung des historischen Erbes der Stadt spezialisiert ist. Er hat die Scuola Grande della Misericordia und die Fassade des Dogenpalasts restauriert und wurde für sein sensibles Design mit dem Compasso d’Oro ausgezeichnet. Als erste Probe seines Könnens für Fortuny hat er den Showroom der Fabrik neu gestaltet.

          Herstellung? Geheim!

          Aus dem eigentlich anlässlich der venezianischen Kunsthandwerksschau Homo Faber erdachten Projekt wurde eine Gesamtaufgabe. Und so steht Torsello nun auf dem Fabrikgelände neben der einstigen Getreidemühle Molino Stucky und sieht sich als neuen Dirigenten eines Orchesters. „Ich bin gleichsam in die Tiefe des Meeres eingetaucht, um die Bedeutung von Fortuny zu verstehen“, sagt er. „Ich habe mit den Arbeitern und Angestellten gesprochen, mit dem Chef der Produktion und der administrativen Leitung. Es muss wieder einen Teamgeist geben.“ Die Fabrik existiere auch deswegen schon so lange, weil es stets ein Zugehörigkeitsgefühl gegeben habe.

          Stille herrscht auf diesem Teil der Giudecca. Hier verwirklichten Fortuny, seine Frau Henriette und später auch die Nachfolgerin der beiden, Elsie McNeill, ihre Vorstellungen stoffgewordener Noblesse. 35 Personen arbeiten an Fertigung und Verkauf von Interior-Stoffen, Kissen, Schirmen oder textilen Buchumschlägen – feinen Nischenprodukten, um deren Herstellung seit jeher ein Geheimnis gewoben wird. Kein Externer hat Zutritt zu den Räumen. Das war schon zu Fortunys Zeiten so. Selbst McNeills venezianischer Ehemann, der Conte Gozzi, durfte die Räume nicht betreten.

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