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Nachwuchsdesigner : Attitüden sind nicht mehr angesagt

  • -Aktualisiert am

In der Nische nach Möglichkeiten suchen: Taschen aus Neopren von Embee Studios. Bild: Hersteller

Die Aussichten auf Erfolg sind für Modedesigner nicht gerade groß. Dennoch entscheiden sich jedes Jahr Tausende junge Menschen dafür, diesen Beruf zu erlernen. Warum, das erzählen hier einige von ihnen.

          8 Min.

          Deirdra Clarius zählt schon die Tage, bis es wieder losgeht. Die Hektik, die Aufregung, die vielen Fragen: Trägt das richtige Model das richtige Outfit? Wo sind die Accessoires? Und wo ist der Haarstylist, wenn man ihn braucht? Wenn die österreichische Designerin Marina Hoermanseder Anfang Juli ihre neue Kollektion in Berlin zeigt, wird Clarius dabei sein, hinter den Kulissen, als helfende Hand. „Wie viele Menschen eigentlich hinter so einer Show stehen, ist vielen gar nicht bewusst“, sagt sie, die im sechsten Semester Modedesign an der Düsseldorfer Mediadesign-Hochschule studiert.

          Damit ist Clarius, 25 Jahre alt, eine von Tausenden Studierenden in Deutschland, die an privaten Hochschulen wie der Akademie für Mode und Design (AMD) mit Standorten in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München, an kleinen Modeschulen mit nur einem Studiengang und an staatlichen Universitäten wie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) oder der Universität der Künste (UdK) in Berlin lernen, wie man Mode macht. Der Andrang ist hoch, obwohl selbst etablierte Marken straucheln: René Lezard musste 2017 Insolvenz anmelden, Hugo Boss restrukturieren, Gerry Weber Filialen schließen. Dem Gesamtverband der deutschen Mode- und Textilindustrie zufolge arbeiten circa 119000 Menschen hierzulande in rund 1400 Unternehmen, die der Modebranche zugerechnet werden können.

          Kleine Labels, bei denen Designer selbst nähen, und große Unternehmen wie Adidas, Puma, New Yorker und Hugo Boss gehören dazu, aber auch Hersteller von Arbeitskleidung. Seit vergangenem Jahr geht es wieder bergauf mit der deutschen Mode: Rund zwölf Milliarden Umsatz – immerhin 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr – machte die Branche 2017 laut Zahlen des Verbands German Fashion. Kreative Köpfe werden gebraucht, denn jeder Deutsche kauft pro Jahr circa 60 Kleidungsstücke. Und die muss jemand entwerfen. Absolventen des Modedesign-Studiengangs an der Düsseldorfer Mediadesign-Hochschule zum Beispiel.

          Der Job ist vielseitig, aber arbeitsintensiv

          Seit acht Jahren wird hier in einem Bachelor-Studiengang Modedesign gelehrt. „Wir vermitteln künstlerische Freiheit und arbeiten zugleich sehr praxisorientiert und industrienah“, sagt Nicole Süß, die den Studiengang aufbaute. Sie und ihre Kollegen bringen den angehenden Designern das Handwerkszeug bei, mit dem der Nachwuchs, wie sie sagt, dann experimentieren könne. Mit Klischee-Vorstellungen vom Beruf des Designers kämen die wenigsten Interessenten zu den Info-Veranstaltungen, sagt Süß.

          Deirdra Clarius studiert Modedesign an der Düsseldorfer Mediadesign-Hochschule und erhält ein Stipendium.

          Zu so einer Veranstaltung ging vor drei Jahren auch Deirdra Clarius, aus reiner Neugier. Was genau sie nach dem Abitur machen wollte, wusste sie noch nicht. Kreativ wollte sie sein, etwas mit ihren Händen gestalten. Vom Modedesign-Studium an der MDH war sie sofort begeistert. Das Problem: die Kosten von damals rund 650 Euro pro Monat. Clarius wollte die Idee, hier zu studieren, schon verwerfen, da ermutigte sie das Lehrpersonal zur Bewerbung als Stipendiatin. Mit Erfolg. Sie bekam ein Stipendium.

          Vergangenes Jahr machte sie ein sechsmonatiges Praktikum im Berliner Firmensitz von Marina Hoermanseder, einer der erfolgreichsten Jungdesignerinnen der Stadt. „Direkt nach dem Praktikum wollte ich am liebsten gar nicht mehr zurück an die Uni“, sagt Clarius. Und das, obwohl schon bei der Suche nach Praktikumsplätzen enormer Konkurrenzdruck herrschte. Und obwohl ihr soziales Leben in dieser Zeit gen null ging. Der Job einer Designerin ist vielseitig und zeitintensiv, das erlebte Clarius während des Praktikums, bei dem sie Einblicke in den Entwurfsprozess, ins Marketing und den Verkauf bekam.

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