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Nachwuchsdesigner : Attitüden sind nicht mehr angesagt

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Der Traum vom Modedesign

Bei dieser Auswahl lohnt auch der Blick in Nischen. Denn das aktuelle Umsatzplus der Branche ist auch dem hohen Bedarf an Arbeitskleidung geschuldet. Das wohl glamouröseste Beispiel sind die Uniformen von Stewardessen und Piloten. Der Designer Guido Maria Kretschmer entwarf schon solche Uniformen, in diesem Frühjahr steckte er das Personal der Deutschen Bahn in neue Outfits. Neben Weitblick braucht es auch handwerkliche Fähigkeiten von der Schnitttechnik bis zur Materialkunde. Wirtschaftliche Aspekte seien ebenfalls wichtig, so Drinkuth. Da viele Studierende vom eigenen Label träumen, biete die AMD schon im Bachelor-Studium Veranstaltungen zu Existenzgründung und Marketing.

Auch an der Berliner UdK gibt es ein „Career Center“, das Studierenden mit wirtschaftlichen und rechtlichen Tipps beiseitesteht. „Wir sind eine Kunsthochschule, da denken viele zunächst, dass es bei uns ausschließlich um Kreativität geht“, sagt Valeska Schmidt-Thomsen, die hier seit 14 Jahren den Bereich Modedesign leitet. Zwar stehe an der UdK die Entfaltung des kreativen Potentials im Vordergrund, doch mit ein paar hübschen Skizzen sei es nicht getan. Modedesign habe immer auch eine technische Dimension. An der UdK Berlin denke man zudem konzeptuell: „Uns ist es wichtig, dass die Studierenden die Konzepte hinter ihren Ideen auch verbal und visuell artikulieren können“, sagt Schmidt-Thomsen.

Nina Birri träumt von einem Praktikum in Paris.
Nina Birri träumt von einem Praktikum in Paris. : Bild: Honi Ryan

Nina Birri entschied sich ganz bewusst für die Kunsthochschule: „Nachdem ich schon ein BWL-Studium hinter mir hatte, reizte mich gerade der künstlerische Fokus der UdK“, sagt sie, die schon als Kind den Wunsch hatte, Mode zu entwerfen. „Das erschien mir aber nie realisierbar, auch in meinem privaten Umfeld gab es keine Vorbilder.“ Also absolvierte sie zunächst ein BWL-Studium. Nach dem Abschluss arbeitete sie als Service-Designerin, entwickelte digitale Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für Unternehmen. Birri war erfolgreich, doch der Traum vom Modedesign blieb: „Ich dachte mir, wenn ich mich jetzt nicht für das Studium bewerbe, werde ich es immer bereuen.“

Ohne Teamarbeit geht es nicht

Heute studiert sie im sechsten Semester Modedesign und hat zwei Praktika hinter sich. Von ihrer Erfahrung als Service-Designerin profitiere sie zwar; Mode zu entwerfen, sei aber eine andere Herausforderung: „Bei Mode ist die Funktion ja schon festgelegt. Als Designer schafft man eigentlich nichts komplett Neues, sondern entwirft eher eine neue Atmosphäre.“ Ihr nächstes Praktikum würde Birri am liebsten in Paris machen, bei einem aufstrebenden Label wie Jacquemus: „Das ist noch kein so hyperkommerzialisiertes Unternehmen, und es ist spannend, wie diese Marke gerade aufgebaut wird.“ Klappt es mit dem Praktikum, könnte sich Birri einiges für ihre Zukunft merken. Gerne würde sie nämlich ein eigenes Label gründen, in Teamarbeit. „Ich muss nur noch den oder die passenden Mitstreiter finden“, sagt sie.

Teamarbeit, das ist auch eines der liebsten Stichworte von Anna-Carlotta Theis. Sie studiert am Mode-Design-College in Düsseldorf, einem 2014 gegründeten privaten Institut. Die besten Ideen entstehen in Zusammenarbeit, das lerne sie auch während ihres aktuellen Praktikums beim Online-Modehändler Navabi in Aachen. „Wir leben in einer so konkurrenzgesteuerten Gesellschaft, da ist es sehr erfrischend und kreativitätsfördernd, mit anderen zusammenzuarbeiten.“ Und noch etwas hat Theis mit Nina Birri gemeinsam. Bevor sie Modedesign studierte, arbeitete sie in einem ganz anderen Beruf: Theis war Zahnarzthelferin. „Obwohl es mir Spaß machte, beschloss ich nach ein paar Jahren, mein Abi nachzuholen und am MDC zu studieren.“

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