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Nachwuchsdesigner : Attitüden sind nicht mehr angesagt

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Das eigene Label

Wie vielseitig die Aufgaben einer Designerin sind, weiß auch Marina Willms. Sie beendete ihr Studium an der Mediadesign-Hochschule 2016 und gründete ein Jahr später ihr eigenes Label. Auf die Idee, Modedesign zu studieren, kam Willms noch während ihres BWL-Studiums. Dass wirtschaftliche Fragen dort eine große Rolle spielen, überzeugte Willms. „Die Kombination von Themen wie Produktmanagement und Handwerk reizte mich“, sagt sie.

Marina Willms war an für ein Semester an der renommierte Modeschule Central Saint Martins College of Art and Design in London.
Marina Willms war an für ein Semester an der renommierte Modeschule Central Saint Martins College of Art and Design in London. : Bild: Evangelos Rodoulis

Statt während des Studiums ein Praktikum zu absolvieren, ging sie, heute 30 Jahre alt, für ein Semester nach London, an die renommierte Modeschule Central Saint Martins College of Art and Design. Kontakte in die Branche knüpfte sie auch: Schon als Studentin arbeitete sie als Stylistin, unter anderem für Foto-Shootings. Eines davon war für die italienische „Vogue“. Als die Ausgabe Talentscouts der Londoner Fashion Week in die Hände fiel, luden sie Willms ein, ihre Entwürfe in London zu zeigen. Dort seien sie gut angekommen. „Für den deutschen Markt sind sie etwas zu künstlerisch.“ Für funktionstüchtige Outdoor-Jacken mehrere hundert Euro auszugeben, sei hier völlig normal, für ein ausgefallenes, handgenähtes Kleid einer noch nicht so bekannten Marke zögerten die Menschen jedoch noch bei vergleichbaren Preisen.

In die Selbständigkeit ging auch Max Beutler, nachdem er an der AMD in Berlin sein Studium abgeschlossen hatte. Mit Mode hatte der heute 28-Jährige nie besonders viel am Hut. „Die Idee, Modedesign zu studieren, kam tatsächlich erst bei der Studienberatung auf“, erzählt Beutler. Der Gedanke, von der ersten Idee und Skizze bis zum fertigen Produkt alles selbst machen zu können, gefiel ihm. Eine konkrete Vorstellung vom Beruf des Designers hatte er nicht: „Die AMD war ein Wegweiser für mich.“

In der Modeszene wäre er schnell angeeckt

Auf seinem Weg lernte Beutler auch, welche Richtung er nicht einschlagen wollte: Eines seiner Praktika absolvierte er bei einem Luxuslabel in Paris. „Die Arbeit selbst machte mir viel Spaß, ich bekam auch gutes Feedback. Aber die Unternehmenskultur und die Modeszene sind nicht meine Welt. Da wäre ich sehr schnell angeeckt“, sagt er. Auch deshalb wuchs sein Traum vom eigenen Label. Also gründete er nach seinem Abschluss Embee Studios, eine Marke, die für funktionale, lässig-elegante Taschen aus ungewöhnlichen Materialien wie puderrosafarbenem Neopren steht. Das Unternehmen betreibt Beutler nicht allein: Seine Geschäftspartnerin und die für ihn beste nur denkbare Qualitätssicherung ist seine Mutter.

„Alleine könnte ich vom Entwerfen übers Nähen bis zum Marketing nicht alles schaffen“, sagt Beutler. Lange suchte er nach einem Partner, bis er schließlich in seiner Mutter die perfekte Ergänzung fand. Die 70-Jährige ist für die in Berlin und Polen ablaufende Produktion zuständig, Beutler für das Design. Zu der Entscheidung, sich ausgerechnet Taschen zu widmen, inspirierte das generationsübergreifende Duo auch die eigene Familie: „Mein Großvater hatte in Süddeutschland ein Lederwarengeschäft, mein Onkel führt ein Geschäft für Kletterausrüstungen. Dadurch bekam ich viel aus diesen Bereichen mit.“

Max Beutler betreibt zusammen mit seiner Mutter das unternehmen Embee Studios.
Max Beutler betreibt zusammen mit seiner Mutter das unternehmen Embee Studios. : Bild: Janine Sametzky

Sich als Taschendesigner selbständig zu machen, ist nur eine der vielen Optionen, die das Modedesign-Studium birgt: „Unsere Absolventen arbeiten als Designer bei Labels, als PR-Berater oder als Kostümbildner an großen Theatern“, erzählt Antje Drinkuth, Prodekanin des Fachbereichs Design an der AMD Berlin. Die private Institution, an der das Studium 675 Euro pro Monat kostet, legt Wert auf enge Vernetzung – mit der Branche, aber auch der Studenten der verschiedenen Fachbereiche untereinander. Angehende Modejournalisten, Modemanager und Designer sitzen in vielen Seminaren nebeneinander. Drinkuth selbst arbeitete als Designerin und dann als Moderedakteurin, bevor sie an der AMD lehrte. „Diese Vielfalt habe ich immer als Bereicherung empfunden.“ Den Studierenden möchte sie die ganze Bandbreite aufzeigen, auswählen muss der Nachwuchs dann selbst.

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