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Nachhaltige Möbel : Es war einmal ein Joghurtbecher

  • -Aktualisiert am

Bell Chair: Nur rund 2,7 Kilogramm wiegt der stapelbare Stuhl (Magis), den Konstantin Grcic entwickelt hat. Bild: Hersteller

Ein Stuhl, der lange hält, ist nicht per se nachhaltig. Auch bei den Rohstoffen kann die Umweltbelastung gedrückt werden. Designer und Hersteller experimentieren darum auch mit recyceltem Kunststoff.

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          Die Nachhaltigkeit ihrer Produkte? Dazu fiel der Möbelindustrie bislang vor allem das Stichwort Langlebigkeit ein. Ein gut gestalteter, hochwertiger Gegenstand sei per se nachhaltig, weil er lange in Gebrauch ist. Die Ressourcen, die für ihn verbraucht wurden, amortisieren sich also über die Zeit. Gerade bei Herstellern von Möbelklassikern war das ein beliebtes Argument. Und es stimmt ja auch: Ihre Produkte gehen selten kaputt, werden weitervererbt, verlieren kaum an Wert.

          Doch das reicht heute nicht mehr aus: Können bei der Herstellung Ressourcen eingespart werden? Sind die Materialien umweltverträglich, oder sollten sie ersetzt werden? Und was passiert mit einem Möbelstück, wenn seine „Lebenszeit“ doch einmal zu Ende geht? All diese Fragen blieben unbeantwortet. Jetzt aber hat der Zeitgeist auch die Möbelindustrie erreicht: Nachhaltigkeit hat sich zum großen Trend entwickelt, was auch daran zu erkennen ist, dass sich einige namhafte Hersteller an die Serienproduktion von Stühlen aus recyceltem Kunststoff wagen.

          Die italienischen Marken Magis und Kartell etwa haben neue Stühle aus wiederverwertetem Kunststoff im Programm. Vitra aus der Schweiz bringt seinen erfolgreichen Schaukelstuhl Tip Ton in einer Version aus Recyclingplastik auf den Markt. Und selbst die Berliner Indie-Marke Objekte unserer Tage (OUT) stellt in diesem Herbst einen Monobloc vor, einen Stuhl ganz aus einem Material. Bei den Neuheiten von Fritz Hansen und Arper bestehen zumindest die Sitzschalen aus Recyclingkunststoff. Weitere Unternehmen werden folgen.

          „Heute haben wir es mit einer sehr bewussten, jungen Gesellschaft im globalen Kontext zu tun, der Nachhaltigkeit und Ökologie sehr nahe gehen“, sagt Hermann August Weizenegger, der für OUT den markanten X-Chair entworfen hat. „Die Industrie ist gut beraten, wenn sie ökoeffiziente, recycelbare und nachhaltige Materialien im Fokus hat.“

          Nutzen, was schon vorhanden ist

          Es ist eine schöne Vorstellung: auf einem Stuhl zu sitzen, der mal eine Shampoo-Flasche, eine Nudelverpackung oder ein Joghurtbecher war. Wie im Fall von Tip Ton RE von Vitra, der aus aufbereiteten Inhalten des Gelben Sacks hergestellt wird. Oder eines Stuhls, der aus den Abfällen der eigenen Möbelproduktion besteht, wie dem Bell Chair, den Konstantin Grcic zusammen mit Magis entwickelt hat. Was in der Fabrik unvermeidlich an Resten und Ausschuss anfällt, ist so noch zu etwas nutze. Das Plastik ist schließlich in der Welt. Besser also, den Müll im Sinne der Kreislaufwirtschaft als Rohstoff zu betrachten und weiter zu verarbeiten.

          Tip Ton RE: Das Material für den schon etwas älteren Entwurf (2011, Vitra) stammt aus dem Gelben Sack.
          Tip Ton RE: Das Material für den schon etwas älteren Entwurf (2011, Vitra) stammt aus dem Gelben Sack. : Bild: Hersteller

          Doch so einfach ist es leider nicht. Wie so oft beim vermeintlich nachhaltigen Konsum wird es komplexer, je genauer man hinschaut. Ob es deshalb gleich „Bullshit“ ist, überhaupt recycelten Kunststoff zu benutzen, wie der Designer Richard Hutten und der Designexperte Jan Boelen unabhängig voneinander verkünden, ist durchaus umstritten in der Branche. Aber die harschen Statements erhellen die Problemlage: Das Material zementiere nur unsere Abhängigkeit von erdölbasierten Kunststoffen und der dazugehörigen Industrie, sagt Boelen. Er fordert einen „systemischen Wandel“ hin zu alternativen, biologisch abbaubaren Materialien, etwa aus Algen.

          „Kunststoffe auf Erdölbasis existieren nur, weil irgendwann einmal die Entscheidung getroffen wurde, dass wir Autos mit Verbrennungsmotor fahren“, sagt der Gründer der Berliner Zukunftsagentur für Material und Technologie Haute Innovation, Sascha Peters. „Wäre diese Entscheidung nicht gefallen, hätten wir die Kunststoffe in dieser Form wahrscheinlich nicht.“

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