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Fendi belebt Baguette neu : Phoenix aus der Tasche

In ihrer Vielfalt steckt der Erfolg: Auch bei der Schau vor dem Kolosseum kann man einfach nicht glauben, dass die Baguette ein Massenprodukt ist. Bild: EPA

Fendi orientiert sich nach dem Tod von Chefdesigner Karl Lagerfeld neu – und macht die Baguette-Tasche wieder zum Trendobjekt.

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          Schon den Kaisern gefiel dieser Blick: Vom Palatin, einem der sieben Hügel Roms, schaut man geradewegs hinüber auf das Kolosseum. Noch schöner ist die Aussicht, wenn die Sonne langsam untergeht, der Champagner perlt und an einem heißen Juli-Abend die Show beginnt: 54 Fendi-Looks für die 54 Jahre, die Karl Lagerfeld für das römische Modehaus arbeitete, bis er im Februar starb. Silvia Fendi, die Designerin, hat das alles im Sinne dieses Kaisers inszeniert, nach seinen Skizzen aus dem Archiv, aber nicht als Rückschau, eher als Selbstvergewisserung. Man erahnt es an den Marmormustern auf den Kleidern: Hier geht es wirklich mal um spätrömische Dekadenz.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Absichtsvoll absichtslos lassen denn auch die Models bei der Schau die kleinen Handtaschen ins Bild pendeln. Der womöglich schönste Mode-Abend des Jahres ist ein riesiges Marketingevent für ein winziges Produkt: Vor der Kulisse der Ewigen Stadt sollen die Luxusartikel aussehen wie dauerhafte Werte.

          Vor gut zwei Jahrzehnten erfand Silvia Fendi die Baguette. Aber die Geschichte, die in dieser Tasche steckt, ist noch viel länger. Man muss schon zurückgehen in das Jahr 1925, als ihre Großeltern Edoardo und Adele in Rom die gemeinsame Firma für Pelze und Lederwaren gründeten. Oder zumindest ins Jahr 1965, als deren Kinder, die fünf Fendi-Schwestern, Lagerfeld engagierten. Denn damit begannen die Experimente: Der Modemacher aus Paris ließ Pelze anders verarbeiten, in Streifen schneiden, einfärben. Und er entwarf mit schneller Hand das Doppel-F-Logo, für „Fun Fur". Der Familienbetrieb wurde langsam zur Luxusmarke.

          Bilderstrecke

          Die Geschichte der Baguette-Tasche, mit der 1997 das Zeitalter der „It-Bags" begann, verbindet auch Karl Lagerfeld und Silvia Fendi. Der Modemacher kümmerte sich zwar nur um die Kleider. Aber Silvia Fendi, die 1960 geboren wurde, schaute schon als Jugendliche dabei zu, wie ihre Mutter Anna und Lagerfeld mit den Pelzen und Kleidern arbeiteten. „Dann war es für mich an der Zeit zu experimentieren, so wie sie es bei den anderen Produkten gemacht hatten. Den gleichen Ansatz wollte ich für die Taschen nutzen."

          Accessoires waren damals nur ein Zubehör, eine Nebensache – „accedere" heißt im Lateinischen einfach nur „hinzukommen". "Taschen wurden damals noch ganz anders behandelt", sagt Silvia Fendi beim Gespräch in der Firmenzentrale im Palazzo della Civiltà Italiana, dem neoklassizistischen Klotz in Rom, mit dem Benito Mussolini als „colosseo quadrato" an das Kolosseum erinnern wollte - der allerdings mit den sechs senkrechten Rundbogenarkaden (für „Benito") und den neun waagerechten (für „Mussolini") vor allem an die Großmannssucht eines faschistischen Führers denken lässt.

          „Zu klein und nicht funktional genug“

          So wie neoklassizistische Kästen sahen bis in die neunziger Jahre auch Taschen aus: funktional, aber klobig, schön, aber kantig, konstruiert, aber nicht dekoriert. „Und Taschen gab es meist nur aus Leder oder Leinen", sagt Silvia Fendi, die seit 1994 Mit-Designerin der Damenmode an Lagerfelds Seite war sowie Chefdesignerin für Accessoires und Lederwaren. „Damals wurden Taschen noch in einem anderen Showroom präsentiert. Auf Laufstegen waren sie kaum zu sehen. Ich wollte sie aber modisch machen. Die Revolution der Pelzmode, die wir losgetreten hatten – die wollte ich auf die Taschen anwenden. Es waren die ersten Accessoires, die wie ein Kleidungsstück behandelt wurden."

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